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Aktion

Die Tram kehrt zurück in die Altstadt

Beim Regensburger Bürgerfest steht ein ehemaliger Triebwagen am Alten Kornmarkt. Danach soll er restauriert werden.
Von Daniel Geradtz, MZ

Am Freitagvormittag wurde das Schienenfahrzeug an den Alten Kornmarkt gebracht. Fotos: altrofoto.de
Am Freitagvormittag wurde das Schienenfahrzeug an den Alten Kornmarkt gebracht. Fotos: altrofoto.de

Regensburg.Nicht wenige dürften verwundert gewesen sein, als plötzlich die alte Straßenbahn mit der „1“ über dem Führerstand wieder in der Nähe vom Dom zu sehen war. Dort fuhr sie lange zwischen den Endhaltestellen Prüfening und Pürkelgut hin und her. Auch dieses Mal steht wieder Prüfening auf der Anzeige. Doch da wird der Triebwagen wohl nie mehr ankommen.

Es ist Freitagvormittag. Die Vorbereitungen auf das Bürgerfest laufen. Die „Interessengemeinschaft Historische Straßenbahn Regensburg“ hat den alten Triebwagen von seinem bisherigen Standplatz auf dem Gelände der Regensburger Verkehrsbetriebe an den Alten Kornmarkt gebracht. Dort wird er während der Veranstaltungstage stehenbleiben, ehe er anschließend in ein Depot in der Dieselstraße gebracht wird. Da sollen zuerst der Beiwagen und dann, wenn die Interessengemeinschaft (IG) genug Spenden gesammelt hat, auch der Triebwagen restauriert werden. Er muss warten, weil die Arbeiten aufwendiger und damit teurer sind.

Bilder von den Vorbereitungen für das Bürgerfest sehen Sie hier:

Der letzte Feinschliff für das Bürgerfest

Zwölf Tonnen wiegt der Triebwagen. Etwa die Hälfte davon macht die Technik aus. Für den Transport war die Firma Hermann Kranverleih zuständig. Sie hievte schon den Beiwagen im vergangenen Jahr Ostengassenfest. „Wenn man im Schwerlastmetier arbeitet, ist das keine große Herausforderung“, erklärte Mitarbeiter Thomas Löffler. Der Tross mit dem zwölf Meter langen Schienenfahrzeug fuhr von der Landshuter Straße entlang der ehemaligen Linie 1. Vom Bahnhof ging es dann über die Maximilianstraße bis zum Alten Kornmarkt. Löffler brauchte als gebürtiger Prüfeninger nicht lange zu überlegen, ob er die IG unterstützt. Die Bahn sei ein Stück Nostalgie, erklärte er. Dazu Jan Macheck, 1. Vorsitzenden der IG: „Es ist toll, wenn man so engagierte Leute wie Herrn Löffler in den Unternehmen hat. Bei vielen anderen Firmen beißen wir mit unseren Anliegen auf Granit.“

Restaurierung in Regensburg

Die Interessengemeinschaft ist seit Ende 2014 ein eingetragener Verein, der Geld sammelt, um die beiden verbliebenen Straßenbahnwagen zu restaurieren. Die anfallenden Kosten werden auf etwa 200 000 Euro beziffert. Sie werden zur Hälfte von der Stadt und der Interessengemeinschaft getragen. Um mit den zwischenzeitlich eingesammelten Spenden bereits arbeiten zu können, einigten sich beide darauf, den Beiwagen schon zu restaurieren, sobald die Kosten dafür gedeckt sind.

Die Straßenbahn in Regensburg

  • Eröffnung:

    Die Regensburger Straßenbahn wurde am 21. April 1903 mit zwei Linien in Betrieb genommen. Bis in die 1930er-Jahre wurde das Verkehrsnetz schrittweise ausgebaut.

  • Linie 1:

    Eine der beliebtesten Strecken war die Linie 1. Sie pendelte zwischen dem Pürkelgut und Prüfening. Mit ihr fuhren vor allem an den Sonntagen Ausflügler ins Grüne.

  • Stilllegung:

    Ab 1955 wurde damit begonnen, den Straßenbahnbetrieb schrittweise einzustellen. Davon war als letzte Linie die Linie 1 betroffen. Sie wurde am 1. August 1964 stillgelegt.

Der Verein ist sehr aktiv, um das nötige Geld zusammenzubekommen. Jan Mascheck sagte: „Nachdem wir am Anfang symbolisch die Sitze verkauft haben, verkaufen wir nun Stehplätze und die Fensterscheiben. Sie kosten zwischen 100 und 600 Euro.“

Mascheck hat die Initiative gemeinsam mit dem heutigen 2. Vorsitzenden Bernd Edtmaier ins Leben gerufen. Der sagte, dass die Restaurierung im Herbst losgehen könnte: „Da wir zum Teil mit öffentlichen Geldern arbeiten, müssen wir eine öffentliche Ausschreibung durchführen.“ Nachdem mit dem Depot im Stadtosten nun eine vorübergehende Bleibe gefunden wurde, sei eine Bedingung der Ausschreibung, dass die Arbeiten in Regensburg stattfinden sollen. Die in der Vergangenheit ins Auge gefasste mögliche Restaurierung einer ausländischen Firma ist damit so gut wie ausgeschlossen. Ein Transport wäre für den Verein zu teuer. Für die Arbeiten sehen sie sechs bis neun Monate vor.

Auch wie es danach weitergehen soll, haben die Straßenbahn-Freunde bereits geplant. „Nach der Restaurierung sollen die Wagen geschützt an einem straßenbahngeschichtlich relevanten Ort aufgestellt werden“, so Edtmaier. Er denkt an das später umgestaltete Gebiet rund um den Bahnhof und den Ernst-Reuter-Platz.

Alles rund um das Regensburger Bürgerfest – das Programm, einen Wegweiser, Bilder und Videos – finden Sie in unserem Spezial: www.mittelbayerische.de/buergerfest.

Zweite Halbzeit beginnt

Da durch die Spenden nun etwa die Hälfte des erforderlichen Geldes beisammen ist, hoffen die Mitglieder der IG, dass auch die zweite Hälfte gut verläuft. „Wenn die Leute sehen, dass wir mit der Restaurierung beginnen, hoffen wir, dass das Projekt noch ernster genommen wird“, sagte er.

Das Bürgerfest soll dazu genutzt werden, weitere Spenden zu akquirieren. Auf dem Alten Kornmarkt können die Besucher in einer Gondel auf 70 Meter in die Höhe gezogen werden und von dort die Aussicht genießen. Der Erlös aus dem Fahrscheinverkauf geht vollständig in den Spendentopf, an den Kranverleiher muss die IG keine Kosten entrichten.

Auf dem Fest verkaufen die Mitglieder auch ihren Kalender mit historischen Regensburger Ansichtskarten, den sie vor wenigen Wochen auf den Markt brachten. Zuletzt betrug der Spendenstand gute 42 000 Euro. Damit hätte die IG ihren Teil für den ersten Teil der Restaurierung bereits erreicht. Edtmaier beziffert die Kosten auf 86 000 bis 90 000 Euro.

Unsere Reporter berichten live vom Regensburger Bürgerfest:

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