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Abschied

Kehraus für Diesenbacher Faschingsikone

Er führte Lari-Fari Diesenbach zum Vorzeigeverein in Ostbayern. Jetzt gibt Präsident Jörg Gabes das Narrenzepter weiter.
Von Sabine Norgall

Jörg Gabes, Präsident der Faschingsgesellschaft Lari Fari Diesenbach, gibt mit dem Kehraus am Faschingsdienstag die Vereinsführung ab. Foto: Theresia Luft
Jörg Gabes, Präsident der Faschingsgesellschaft Lari Fari Diesenbach, gibt mit dem Kehraus am Faschingsdienstag die Vereinsführung ab. Foto: Theresia Luft

Regenstauf.Zum Pressetermin sitzt er sichtlich angeschlagen vor eine Tasse Kräutertee. Aber den Termin mit unserem Medienhaus, den er wenige Stunden zuvor in seinem Terminkalender freischaufelte, hält er ein. Diese Szene beschreibt Jörg Gabes, Präsident der Faschingsgesellschaft Lari-Fari Diesenbach, recht gut: Was er sich vorgenommen hat, zieht er, so gut wie möglich, durch.

Im April 1992 gründete der heutige Ehrenpräsident Thomas Weih die Faschingsgesellschaft mit rund 25 Mitgliedern. Einziges Ziel: Die Durchführung des Diesenbacher Faschingszugs. So blieb es auch, bis Weih 1995 vor der Haustür des 20-jährigen Gabes stand: „Wir bräuchten dich als Prinz.“ Doch der zog nicht recht, musste von seiner Freundin gedrängt werden. „Elferrat wär mir lieber“, murrte der Prinz und bekam von Weih eine Antwort, die Gabes bald Lügen strafte: „Dafür können wir dich nicht brauchen.“

 Mit seiner Funktion als Prinz in der Saison 1995/1996 kam Jörg Gabes zur Faschingsgesellschaft. Prinzessin war seine damalige Freundin Tanja Imhofer (heute Graml). Zum Prinz dränget ihn die Freundin, Mitglied des Elferrats wäre mehr sein Ding gewesen. Foto: Gabes
Mit seiner Funktion als Prinz in der Saison 1995/1996 kam Jörg Gabes zur Faschingsgesellschaft. Prinzessin war seine damalige Freundin Tanja Imhofer (heute Graml). Zum Prinz dränget ihn die Freundin, Mitglied des Elferrats wäre mehr sein Ding gewesen. Foto: Gabes

Zuerst einmal organisierte sich der 20-Jährige sein Prinzenamt: „Wenn ich Prinz sein soll, will ich wenigstens eine Garde.“ Als Gabes 1995 von Altbürgermeister Johann Zelzner die Schlüssel fürs Rathaus einforderte, habe dieser übers ganze Gesicht gestrahlt. Zelzner freute sich: „Jetzt ist das ein Fasching wie in der Großstadt.“ Etwa sechs Auftritte gab es damals pro Saison, heute absolviert Lari-Fari rund 150.

Bald nach der Prinzengarde initiierte Gabes eine Kindergarde, damit der Nachwuchs gesichert war. „Damals“, erinnert er sich, „orientierten wir uns an den Faschingsgesellschaften um uns herum.“

Ein Mitteilungskasten in der Hauptstraße, „so sah unser Facebook“ aus, erinnert sich Gabes. Das Engagement reizte ihn: „Das war ein junger Verein, wo man etwas aufbauen kann. Wir haben mit Null angefangen und es kam immer etwas dazu.“ Foto: Gabes
Ein Mitteilungskasten in der Hauptstraße, „so sah unser Facebook“ aus, erinnert sich Gabes. Das Engagement reizte ihn: „Das war ein junger Verein, wo man etwas aufbauen kann. Wir haben mit Null angefangen und es kam immer etwas dazu.“ Foto: Gabes

„Bei den Franken schauen wir uns bestimmt nichts ab. Wir wollen von den Besten lernen.“

Jörg Gabes

Heute sagt Gabes stolz: „Jetzt sind wir so gut, dass die anderen sich an uns orientieren.“ Beim Lernen pflegte man die (Faschings-)Rivalität der Oberpfälzer mit den Franken: „Bei den Franken schauen wir uns bestimmt nichts ab. Wir wollen von den Besten lernen.“ Immer wieder fuhr man zur „Weiterbildung“ zum Kölner Karneval. Dort etwa ist es üblich, dass Tänzer die Funkenmariechen im Einhandstand in den Saal tragen. Eine akrobatische Einlage, die jetzt auch bei Lari-Fari Tradition hat.

Über 100 aktive Tänzer

Von den rund 400 Mitgliedern sind 150 Aktive. Neben vier Garden und den Funkenmariechen gibt es das Männerballett und das Krampfadergeschwader. In der Oberpfalz gibt es keine andere Faschingsgesellschaft mit so vielen Tänzerinnen und Tänzer.

Übungsfläche für viele Projekte. Auch das gehört zur Vereinschronik. Kaum gegründet beteiligte sich das Männerballett 2001 als „Olympionieten“ an der deutschen Meisterschaft und belegte den letzten Platz. Heute zählt das Männerballett zu den Attraktionen. Foto: Gabes
Übungsfläche für viele Projekte. Auch das gehört zur Vereinschronik. Kaum gegründet beteiligte sich das Männerballett 2001 als „Olympionieten“ an der deutschen Meisterschaft und belegte den letzten Platz. Heute zählt das Männerballett zu den Attraktionen. Foto: Gabes

2002 wurde Jörg Gabes Präsident und stellte sich gleich eine große Aufgabe. 2003 holte er den ostbayerischen Faschingszug nach Regenstauf. Die Vereinsfama berichtet, dass die umfangreiche Organisationsarbeit damals der Todesstoß für Gabes Ingenieurstudium war. „Stimmt auch“, sagt Gabes, räumt aber auch ein, dass ihn das Studium damals nicht mehr so interessierte: „Die Arbeit mit Menschen lag mir immer schon mehr als das Berechnen von Betondecken.“

Legendär als Marktputzfrau

Mit dem Ostbayerische Faschingszug von 2003 verbindet Gabes eine seiner schönsten Erinnerungen: „Als der Festwagen in die Hauptstraße einbog und ich dort tausende begeisterte Zuschauer sah, da hätte ich weinen können.“ Unvergessen sind auch Gabes Auftritte als Marktputzfrau, bei denen vor allem die politische Prominenz immer ihr Fett wegbekam.

Fasching

Die Marktputzfrau teilte wieder aus

Bei der Lari-Fari-Prunksitzung in Regenstauf bekam die Lokalprominenz ihr Fett weg. Jörg Gabes glänzte in seiner Paraderolle.

2009 gab Gabes das Präsidentenamt ab, wurde Ehrenpräsident und studierte berufsbegleitend Marketingwirt in München. Kerstin und Thomas Theisinger fungierten in der Zeit als Doppelspitze. 2010 heiratete er seine Frau Sina, die die Leidenschaft für den Fasching teilt und aktuell eine der fünf Vizepräsidenten ist.

„Wenn du merkst, dass du nicht mehr mit Hingabe an den Details arbeitest, ist es Zeit zu gehen.“

Jörg Gabes

2011 übernahm Gabes erneut, als „ausgemotteter immer noch Ehren- und jetzt wieder Präsident“. So steht es in der Laudatio für ihn, als er die höchste Auszeichnung des ostbayerischen Faschingsverbandes bekam. 2014, zum 22-jährigen Bestehen der Faschingsgesellschaft, kehrte der ostbayerische Faschingszug nochmals nach Regenstauf. Anschließend stellte Gabes langsam die Zeichen auf einen Amtswechsel. Seit 2016 hat Lari-Fari eine neue Satzung, die Geschäftsführung ist aufgeteilt. Der scheidende Präsident weiß genau, warum er aufhörte: „Wenn du merkst, dass du nicht mehr mit Hingabe an den Details arbeitest, ist es Zeit zu gehen.“

 Über 200 Veranstaltungen organisierte Gabes als Präsident von Lari-Fari Diesenbach mit. Neben den Faschingsevents gehörte dazu von Anfang an auch die Marktplatzbühne beim Bürgerfest oder die Mitarbeit beim Diesenbacher Christkindlmarkt. Foto: Norgall
Über 200 Veranstaltungen organisierte Gabes als Präsident von Lari-Fari Diesenbach mit. Neben den Faschingsevents gehörte dazu von Anfang an auch die Marktplatzbühne beim Bürgerfest oder die Mitarbeit beim Diesenbacher Christkindlmarkt. Foto: Norgall

Hinzu kommt, dass er sich beruflich neue Ziele steckte. Seit Januar 2019 ist Gabes einer von vier Vorständen der Lohnsteuerhilfe in Bayern und verantwortlich für über 1100 Mitarbeiter. Rückblickend auf seine Zeit als Präsident sagt er: „Ich wäre heute beruflich nicht so erfolgreich, wenn ich viele Fähigkeiten nicht jahrelang im Ehrenamt entwickelt hätte.“ Er habe gelernt, Kritik nicht persönlich zu nehmen, Leute nach ihren Fähigkeiten einzusetzen und dem Nachwuchs eine Chance zu geben, seine eigenen Fehler zu machen.“

Eine Faschingsikone tritt ab

Auf Ärger während seiner Amtsjahre angesprochen, fallen Gabes spontan die Vorschriften für die Faschingswagen bei den Umzügen ein. Die Sinnhaftigkeit solcher Vorschriften sei oft schwer nachzuvollziehen. Gabes: „Damit kannst du mich rasend machen“. Aber, betont er, wenn man mit dem Landratsamt in einen vernünftigen Dialog trete, könne man sehr gut miteinander reden. Auch bei diesen Auseinandersetzungen hat Gabes viel fürs Leben gelernt: „Du musst immer besser vorbereitet sein als die anderen, dann funktionierts.“

Beim Kehraus am Dienstag in der Jahnhalle moderierte Gabes zum letzten Mal die Showeinlage „seiner“ Faschingsgesellschaft. Dabei wurde klar, der Abschied fällt ihm nicht leicht. In den vergangenen Wochen häufen sich die sentimentalen Momente. Einen erlebte er beim ostbayerischen Faschingszug in Amberg. Als der Präsidentenwagen am Moderator vorbeifuhr, bedauerte dieser: „Da kommt eine Ikone, die Abschied nimmt.“

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