MyMz
Anzeige

Justiz

Messerstecher bricht sein Schweigen

Vor dem Landgericht gestand der Beschuldigte die Tat auf dem Kassiansplatz: Er habe sich in seiner „Wirrnis“ bedroht gefühlt.
Von Marion von Boeselager

Der Beschuldigte wird in Handschellen vorgeführt. Foto: Boeselager
Der Beschuldigte wird in Handschellen vorgeführt. Foto: Boeselager

Regensburg.Er will schrille Stimmen gehört und sich gegen einen imaginären Angriff verteidigt haben: Der 24-jährige Asylbewerber aus Jordanien, der wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht steht, hat am Dienstag sein Schweigen gebrochen. Der an Schizophrenie erkrankte Mann räumte den beinahe tödlichen Messerstich in den Rücken eines ahnungslosen Fußgängers im März vergangenen Jahres auf dem Kassiansplatz ein.

„An dem Tag war ich nicht klar im Kopf. Ich war im Zustand der Wirrnis“, sagte der Beschuldigte über seinen Dolmetscher. „Ich hörte Stimmen und sah Dinge, die nicht da waren.“ Die Stimmen seien „sehr laut und sehr schrill“ gewesen. „Es ging darum, dass eine wichtige Person über mich herfallen würde.“ Eigentlich sei er aus der dezentralen Unterkunft in Brunn (Lkr. Regensburg) in die Stadt gefahren, um Geld abzuheben. Dann habe er aber in der Innenstadt „ein Messer gekauft, aus der Angst und dem Druck heraus, unter dem ich stand, um mich zu verteidigen“. Danach sei er die Straße entlang gegangen. „Da wurde der Weg auf einmal ganz eng“, berichtete der 24-Jährige weiter. „Ich sah den Geschädigten direkt vor mir. Ich konnte nicht aus. Ich dachte, er ist die Person, die mich angreifen wird. Da habe ich mit dem Messer gestochen.“

„Ich wollte ihn nicht töten“

Der Beschuldigte beteuerte weiter: „Es war nicht meine Absicht und mein Ziel, ihn zu töten. Es war wie ein Reflex. Ich wollte das nicht. Erst als ich das Messer in ihm stecken sah, wurde mir bewusst, was geschehen war.“ Plötzlich sei er ganz erschöpft gewesen und habe zu rennen begonnen. In dieser Zeit, fügte der Beschuldigte noch hinzu, habe er seine Medikamente gegen die Psychosen nicht ordnungsgemäß eingenommen.

„Es war nicht meine Absicht und mein Ziel, ihn zu töten. Es war wie ein Reflex. Ich wollte das nicht. Erst als ich das Messer in ihm stecken sah, wurde mir bewusst, was geschehen war.“

Der Angeklagte

Ein Passant, der den Messerstich und den Schrei des Verletzten mitbekam, berichtete im Zeugenstand, er sei dem mutmaßlichen Täter einen Moment lang Auge in Auge gegenüber gestanden. Dann sei der Mann losgelaufen. „Wie aus Reflex machte ich einen Ausfallschritt. Der Mann strauchelte.“ Da er selbst ihm nicht nachsetzen konnte, schrie der Zeuge „Aufhalten!“. Zwei weitere Passanten reagierten und hielten den Flüchtigen fest. Weitere Zeugen durchsuchten den Mann nach einer Waffe und leisteten dem Schwerverletzten Erste Hilfe. Wie berichtet, war der junge Rehauer von der Klinge zwischen die Schulterblätter getroffen worden. Er erlitt einen Hämatopneumothorax und leidet nach wie vor an Schmerzen, Kurzatmigkeit und den psychischen Folgen der Tat.

Beschuldigter: „Ich bin verrückt“

Zu den Männern, die ihn festhielten, sagte der Jordanier damals: „Ich bin verrückt! Es tut mir so leid. Ich möchte tot sein.“ Und zu den Polizeibeamten, die ihn im Dienstwagen zur Kripo brachten, meinte er, er leide an Psychosen und „Gott spricht zu mir“. Für den 24-jährigen Asylbewerber geht es in dem Verfahren um die Frage seiner Unterbringung in der Forensik. Das Gericht hat zu klären, ob von dem Mann weiterhin erhebliche Straftaten zu befürchten sind und er für die Allgemeinheit gefährlich ist.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Mehr Berichte aus dem Amts- und Landgericht Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht