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Kirche

Bruder Wolfgang kehrt in die Heimat zurück

Nach 35 Jahren hat der Regensburger Taizé verlassen. Heute arbeitet Klaus Hamburger als Seelsorger. Beim Katholikentag gibt es ein Wiedersehen.
Von Helmut Wanner, MZ

  • Jährlich beten Zehntausende Jugendliche unterm Taizé-Kreuz .Foto: dpa
  • Frere Roger (links), Gründer der Gemeinschaft, beim Gebet Foto: dpa
  • Von 1976 bis 2011 war Klaus Hamburger Bruder Wolfgang in Taizé. Foto: privat

Regensburg.Zweimal kam Klaus Hamburger als offizieller Vertreter von Taizé zurück in seine Heimatstadt. Im November 1999 nach St. Wolfgang und im November 2008 in den Regensburger Dom. Als Bruder Wolfgang vertrat er in der „Nacht der Lichter“ vor Hunderten Jugendlichen die von Frere Roger Schutz gegründete Gemeinschaft von Taizé.

„Laudate omnes gentes.“ Nicht enden wollende Gesänge. Kerzen. Junge Menschen, die freiwillig stundenlang in einem Gotteshaus ausharren: Klaus Hamburger lebte seit 1976 als Bruder unter Brüdern in der burgundischen Gemeinschaft. Der aus Kumpfmühl stammende ehemalige Ministrant von St. Wolfgang war unter Roger Schütz eingetreten und prägte über die Gestaltung der Medien das äußere Erscheinungsbild der geistigen Gemeinschaft, die jedes Jahr 100 000 Jugendliche auf einem Hügel in Burgund versammelt.

Ratschlag an Uli Hoeness

Er sang bei den bekannten Gebeten die deutsche Solostimme, leitete Bibeleinführungen und übersetzte die Taizé-Schriften ins Deutsche. Der 1955 geborene Absolvent des Albrecht-Altdorfer-Gymnasiums war einer der ältesten Brüder der 100 Mitglieder zählenden interkonfessionellen Gemeinschaft, so dass bereits neuankommende Gäste aus Regensburg die Grüße ihrer Mütter ausrichteten.

Der Katholikentag in Regensburg erlebt nun Bruder Wolfgang wieder quasi rückverwandelt in den Laienstatus, als Klaus Hamburger, als der er 1974 Abitur machte. Es hat sich etwas Neues getan in seinem Leben. Der Diplomtheologe reist nun aus Koblenz an. Am Mittelrhein arbeitet er seit zwei Jahren als Klinik- und Gefängnisseelsorger. Er reist zu Vorträgen, moderiert Diskussionen und arbeitet journalistisch. In der Hamburger „Zeit“ hat er kürzlich Uli Hoeness geraten, die Zeit im Gefängnis als Chance zu betrachten, als Ort der Wahrheit. Zitat aus dem Vorspann: „Wer nach dem Gefängnis weitermacht wie vorher, hat verloren: Klaus Hamburger sprach mit Insassen über Uli Hoeneß.“

„Menschlichkeit pflegen“

Zweimal ist er jetzt im Rahmen des Katholikentags zu erleben mit seiner Führung mit Vortrag „Menschlichkeit pflegen – Eine historisch-geistliche Betrachtung zum Bezirksklinikum Regensburg.“ Das Bezirksklinikum ist das frühere Karthaus, der Ort mit den zwei Türmen. Ein Kreis schließt sich.

Im Schatten der zwei Türme ist Klaus Hamburger mit seinen beiden Schwestern aufgewachsen. In Karthaus hatte sein Vater, Dr. Walter Hamburger, lange Jahre als Psychotherapeuth und Gutachter gearbeitet. Hier war Dr. Hamburger am Ende seines Lebens in Pflege und hier wird auch Klaus Hamburgers Mutter nach mehreren Schlaganfällen betreut. Seine Mutter wird den Vortrag begleiten – wenn nicht im Rollstuhl, so doch auf Fotos. Hamburger führt einen seltenen Kurzfilm von einem Faschingszug im Karthaus vor, das ihn als Kind zeigt. In Karthaus wird Klaus Hamburger vor Ort zu seinem neuen Lebens-Thema sprechen: „Pflege, die die Gesellschaft vermenschlicht.“ Er freut sich, dass er so etwas zum Gelingen des 99. Katholikentags beitragen kann.

„Ich habe jetzt selbst gemacht, was ich seit über 30 Jahren allen Jugendlichen empfohlen habe, die nach Taizé kamen. Geht raus aus Taizé und macht was draus!“ 2011, nach dem Europäischen Jugendtreffen in Berlin, hat er sich nach 35 Jahren von der Bruderschaft verabschiedet, geht ihn aber weiter, den Pilgerweg des Vertrauens, „als einer unter vielen im Gottesvolk“.

Klaus Hamburger: „Ich mache das, was in der Bibel steht. Ich gehe in Häuser, die niemand mag, aber wo man schneller hineinkommen kann, als einem lieb ist: Gefängnis und Krankenhaus.“ Im Gefängnis hält er als Laie ökumenische Wortgottesdienste. Dort in der Justizvollzugsanstalt Neuwied können ihn die Insassen jetzt in seiner Taizé-Kutte sehen, die er 1976 angezogen und 2011 wieder abgelegt hat.

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