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Katholikentag

Der Franziskus-Effekt

Rund 53 000 Teilnehmer haben beim 99. Katholikentag über Glaube und Kirche diskutiert. Die großen Probleme der Kirche bleiben aber dennoch ungelöst.
Von Christine Strasser und Christine Schröpf, MZ

  • Ein Mann steht mit einer Pappfigur von Papst Franziskus zwischen den Zuschauern: Von einem „Franziskus-Effekt“ mit neuer Offenheit in der Kirche hat der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), Alois Glück, gesprochen. Foto: dpa
  • Rund 20 000 Gläubige feierten den Abschlussgottesdienst des Katholikentages. Foto: Lex

Regensburg.Bischof Rudolf Voderholzer sprach von „himmlischer Regie“ und meinte damit, dass zum Ausklang des Katholikentages in Regensburg die Sonne durchbrach und die von Beginn an gute Stimmung in ausgelassene Freude umschlug. Der Regensburger Oberhirte wirkte am Sonntag regelrecht gelöst. „Wir haben einen frohen, weitgehend harmonischen, unverkrampften Katholikentag erlebt“, sagte er kurz vor Abschluss des fünftägigen Christentreffens. Es habe keine „verbissene und kämpferische Stimmung“ gegeben. Vielmehr sei es ein Katholikentag des Dialogs gewesen.

Nur 53 000 statt 80 000 Gäste

Von einem „Franziskus-Effekt“ mit neuer Offenheit in der Kirche sprach der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), Alois Glück. Der Katholikentag sei von Toleranz und Neugier aufeinander geprägt gewesen. „Themen, die lange tabu waren, können nun zur Sprache kommen.“ In Regensburg habe sich das komplette Spektrum der katholischen Kirche versammelt, auch konservative Gruppierungen seien anders als bei früheren Katholikentagen nicht fern geblieben. Glück sprach auch von starken ökumenischen Akzenten, die er als Auftrag versteht, sich gemeinsam „auf das Reformationsjubiläum 2017 vorzubereiten“.

Rund 20 000 Gläubige feierten am Sonntag im Leichtathletikstadion der Universität einen Open-Air-Gottesdienst. In seiner Predigt lobte der Münchner Kardinal Reinhard Marx die Buntheit und Vielfalt des Katholikentages und der Kirche. Zugleich rief er die Christen zu mehr Einmütigkeit in Kirche und Gesellschaft auf. „Das muss uns von Regensburg an begleiten: Dass wir uns nicht schämen, den Namen Christi zu tragen.“

33 000 Dauerteilnehmer und 20 000 Tagesgäste waren nach Regensburg gekommen. Das ZdK, das den Katholikentag alle zwei Jahre ausrichtet, hatte im Vorfeld mit 80 000 Besuchern gerechnet. Glück nannte das schlechte Wetter und die Verkehrsanbindung Regensburgs als Gründe. „Gleichwohl sind wir sehr zufrieden.“ Denn zum Glaubensfest seien auch sehr viele junge Christen angereist. Zwar stellt die Gruppe der über 50-Jährigen mit 40 Prozent den größten Anteil – doch immerhin ein Drittel der Teilnehmer war unter 30 Jahre alt. Auch der Brückenschlag nach Tschechien gelang. Von dort kamen 3000 Dauerbesucher nach Regensburg.

Steinerne Brücke als Sinnbild

Dass die Steinerne Brücke derzeit eingerüstet ist, wurde von Gläubigen vielfach als Sinnbild für den Umbau gewertet, vor dem die katholische Kirche steht. Offene Fragen gibt es zum sexuellen Missbrauch in der Kirche, zur Schwangerenkonfliktberatung, zur Rolle der Frauen, zum Umgang mit Homosexuellen, zu Machtstrukturen und zur Ökumene. All diese Themen waren auch beim Katholikentag angesprochen worden.

Ein skeptisches Fazit zog Christian Weisner von der Basisgruppe „Wir sind Kirche“. Es reiche nicht aus, über Aufbruch zu reden. „Es müssen Taten folgen, die Ungeduld ist groß.“

Voderholzer räumte ein, dass beim Glaubensfest keine Probleme gelöst werden konnten. Aber: „An manchen Stellen ist ein abgebrochener Dialog wieder aufgegriffen worden.“ Voderholzer nannte als Beispiel die Debatte um die Schwangerenkonfliktberatung des Vereins Donum Vitae. Bei einer Podiumsveranstaltung sei in relativ sachlichem Ton miteinander diskutiert worden. „Mich freut, dass deutlich wurde, wir haben zu 90 Prozent Übereinstimmung. Es geht uns um den Lebensschutz, auch wenn die Wege strittig bleiben.“

Voderholzer: Lagerdenken beendet

„Wir konnten einen Katholikentag mit einer starken politischen Note erleben“, sagte Voderholzer. Katholiken seien nicht nur für die Sakristei da, sondern mischten sich in Staat und Gesellschaft ein. „Die katholische Stimme wird gehört.“ Glück sieht allerdings Nachholbedarf. „Die Wirkung des Katholizismus morgen und übermorgen wird wesentlich davon abhängen, ob sich wieder mehr junge Menschen entscheiden, in die Politik zu gehen, und dafür von der Kirche auch nicht gescholten werden.“

Voderholzer ist sich sicher, dass künftig „Schubladisierungen nachhaltig durcheinander gewirbelt werden.“ Dabei nannte der Regensburger Oberhirte den Namen seines Vertrauten Stefan Oster. Der neue Bischof von Passau werde von den Gläubigen umjubelt. So mancher habe aber wohl nicht damit gerechnet, dass sich Oster am Samstag klar gegen Frauen im Priesteramt ausgesprochen habe. Das alte Lagerdenken funktioniere nicht mehr, auch nicht in Bezug auf das vermeintlich so konservative Bistum Regensburg. „Es hat vielleicht manche überrascht, dass am Hauptbahnhof kein Scheiterhaufen stand, sondern alle mit offenen Armen empfangen wurden.“

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