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Katholikentag

Helfer bauen ganz besondere Brücken

Für Gläubige mit Handicaps legen sich viele Freiwillige, vor allem Jugendliche, ins Zeug. Ziel ist der – fast – barrierefreie Katholikentag.
Von Norbert Lösch, MZ

Die Malteser-Jugend bietet einen Begleitservice für behinderte Besucher an. Hier holen Sara Bolze, Pia Frank und Raphael Vees Maria Dürich mit einem Leihrollstuhl vom Bahnhof ab. Fotos: Lösch

Regensburg.Maria Dürich ist eine lebenslustige Seniorin, die den weiten Weg von Krefeld nach Regensburg auf sich genommen hat, um hier den 99. Katholikentag mitzuerleben. Das erste prägende Erlebnis hat die auf den Rollstuhl angewiesene und schwerhörige Frau gleich nach ihrer Ankunft: Am Bahnhof nehmen sie freiwillige Helfer der Malteser-Jugend in Empfang, um sie durch die Stadt und ihr Wunsch-Programm zu begleiten.

Ohne die Hilfe der beiden Berlinerinnen Pia Frank (21) und Sara Bolze (16) wäre es Maria Dürich kaum möglich, ihr Programm durchzuziehen. Gleich am ersten Tag will sie das bayerische Pilgerbüro aufsuchen, im Mariengymnasium an Bibelstunden teilnehmen, in St. Ägidien an den Reliquien der heiligen Anna Schäffer beten und am Abend noch in die Wolfgangskirche, wo sie beim Gottesdienst den Augsburger Weihbischof Florian Wörner treffen möchte. Sie ist dankbar für die Unterstützung, die ihr die beiden jungen Frauen angedeihen lassen, und weil es zwischenmenschlich passt, ist man schnell beim vertraulichen „Du“.

Auf „Ernstfall“ hingearbeitet

Das Zusammentreffen von Maria Dürich und ihren Begleiterinnen ist der „Ernstfall“, auf den die zuständigen Gremien des Katholikentags, ein Beirat aus Experten sowie eine ganze Reihe von Hilfs- und Behindertenverbänden schon seit Monaten hinarbeiten. Inklusion, also die Teilhabe aller Menschen, ob behindert oder nicht, ist eines der großen Ziele des Katholikentags und hat einen hohen Stellenwert.

Judith Schmohl hat vor und während des Katholikentags einen klaren Schwerpunkt in Sachen Organisation: Sie ist als eine von 43 hauptamtlichen Mitarbeitern die Beauftragte für Barrierefreiheit. Im Gespräch mit der MZ erläutert sie, was getan werden muss, um auch Menschen mit Handicap das Erlebnis Katholikentag zu ermöglichen. „Im Teilnehmerservice am Donaumarkt haben wir eine Anlaufstelle speziell für Menschen mit Behinderung eingerichtet, einige Veranstaltungsorte wie die Emmerams- oder die Niedermünsterkirche wurden mit Rampen für Rollstuhlfahrer zugänglich gemacht, und in allen Begegnungszentren nutzen wir nur barrierefreie Räume“, nennt sie einige praktische Beispiele. Beschränkungen gebe es nur bei einigen wenigen Veranstaltungsorten, etwa dem Herzogssaal.

Dass Menschen mit Handicaps einen besonderen Service brauchen und auch nutzen, hat sie dieser Tage wieder erfahren. „Es gab viele Anfragen, vor allem der Fahrdienst war gefragt. Da haben uns allerdings die Verkehrsbeschränkungen manchmal Grenzen gesetzt. Von vielen Gehörlosen gerne in Anspruch genommen wurden auch die Dolmetscherdienste mittels Gebärdensprache, vor allem bei der Eröffnungsfeier und bei Gottesdiensten.“

Jugend zeigt viel Engagement

Schmohl arbeitet Hand in Hand mit den Maltesern, die mit 650 haupt- und ehrenamtlichen Kräften vor Ort sind. Freiwillige Helfer sind ebenfalls im Projekt „barrierefreier Katholikentag“ eingesetzt. Maren von Contzen vom Bundesjugendreferat der Malteser organisiert vom Teilnehmer-Treff am Donaumarkt aus unter anderem die Begleitdienste.

70 Jugendliche aus ganz Deutschland haben sich bereiterklärt, Besucher mit Handicaps zu begleiten – unentgeltlich und in ihrer Freizeit. Die Anforderungen sind nicht ohne: Vor allem Besucher mit Mehrfachbehinderung – Seh- oder Hörgeschädigte im Rollstuhl etwa – brauchen intensive Betreuung, und das mitten im Getümmel. „Manche werden schon morgens im Hotel abgeholt, den ganzen Tag begleitet und abends wieder hingebracht“, schildert von Contzen die meist spontanen Beziehungen. Mehr Inklusion geht nicht.

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