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Ökumene

Hunderte Katholiken wollen Käßmann hören

Die evangelische Theologin lädt alle ein, das Reformationsjubiläum mitzufeiern. Käßmann hält es sogar für möglich, dass der Papst kommt.
von Christine Strasser, MZ

Regensburg.Schwester Regina aus dem Südsauerland arbeitet als Seelsorgerin an einem Krankenhaus in Attendorn. Sie erzählt, dass sie oft erlebt, dass alte Menschen unter tiefen Wunden leiden, die ihnen zugefügt wurden, weil sie einen Partner geheiratet haben, der einer anderen Konfession angehört. Auch 50 Jahre danach schmerzt es sie, dass es darüber in den Familien zum Teil erbitterten Streit gab. „Wir sind doch alle Christen“, sagt Schwester Regina. „Ich träume von einer Einheit in Vielfalt.“

Die Ökumene bewegt die Katholikentagsbesucher. Hunderte stehen am Donnerstagnachmittag vor dem Kolpinghaus an und haben ein Ziel: Sie wollen Margot Käßmann sehen und sprechen hören. Auf einer Rangliste der Promis, die die Macher des Katholikentags veröffentlicht haben, rangiert die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) auf Platz 10. Nur auf Platz 10 muss man fragend hinzufügen, wenn man den gewaltigen Andrang gesehen hat. Schon bei ihrer Vorstellung als „bekanntestes Gesicht der protestantischen Kirche in Deutschland“ brandet lauter Applaus auf.

Unter den glücklichen, die es nicht nur in den Kolpingsaal, sondern sogar in die erste Reihe schaffen, ist Schwester Regina. Als Margot Käßmann gleich zu Beginn von ihrer lutherischen Cousine erzählt, die vor 40Jahren einen Katholiken geheiratet hat, hört die Ordensschwester aus dem Sauerland aufmerksam zu. „Für die Familie war das damals eine Katastrophe“, sagt Käßmann. „Heute müssen wir froh sein, wenn unsere Kinder einen Christen als Partner finden.“

Als EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum lädt Käßmann alle ein, mit den Protestanten zu feiern. Sie schlug vor, dass der EKD-Rat und die Bischofskonferenz 2017 gemeinsam auf Pilgerschaft gehen. Es sei auch schon viel gewonnen, wenn nach 2017 alle wüssten: „Der 31. Oktober ist Reformationstag – und nicht etwa Halloween.“ Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige ergänzte an dieser Stelle: „Und der Vorabend von Allerheiligen.“

Aus Feiges Äußerungen wird deutlich, dass sich Katholiken und Protestanten noch nicht einig sind, wie sie gemeinsam 500 Jahre Reformation feiern können. „Ich glaube nicht, dass wir die Spaltung feiern wollen“, sagte der Leiter der Ökumene-Kommission der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Die Reformationsfeiern früherer Jahrhunderte seien stets antikatholisch oder deutschnational gewesen, betonte er. „Es gibt noch Mythen und Klischees in Hülle und Fülle.“ Zugleich verweist er aber auf Fortschritte im ökumenischen Miteinander. „Die Reformation hat auch die katholische Kirche verändert“, räumt er ein.

Zum Abschluss des Podiums unter dem Titel „500 Jahre Reformation. Können Katholiken mitfeiern?“ hat die evangelische Theologin Käßmann die Lacher auf ihrer Seite. Auf die Frage, ob Papst Franziskus nach Wittenberg kommen werde, sagt sie zu Bischof Feige gewandt: „So, wie sich Ihr Papst verhält, kann ich mir glatt vorstellen, dass er’s tut.“

Impressionen von der Katholikentagsmeile

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