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Katholikentag rockt Regensburg

Lesungen, Filme, Konzerte, Ausstellungen, Theater: Das Kulturprogramm beim Glaubensfest verlangt robuste Kondition. Es macht 300 Angebote.

Die Wise Guys beim Kirchentag 2013 in Hamburg: In Regensburg bestreiten den Auftakt des Katholikentags 2014 Foto: dpa-Archiv

Regensburg. „Das Kulturprogramm beim Katholikentag ist nicht schmuckes Beiwerk, sondern eine Chance für die Kirche“, sagt Domkapitular Thomas Pinzer, Vorsitzender des Arbeitskreises Musik, Theater und Kleinkunst. Mit dem Kulturangebot nehmen die Veranstalter auch Besucher in den Blick, die den Katholikentag eher nicht als „ihre“ Veranstaltung sehen. Die Veranstaltung setzt sich mit Zukunftsfragen der Gesellschaft und der Zukunft von Glaube und Kirche kritisch auseinander. Da soll auch das kulturelle Angebot „anstößig sein – im doppelten Sinn – und Sicherheiten infrage stellen“, sagt Dr. Maria Baumann, Vorsitzende des Arbeitskreises Kultur.

Konzerte, Kino, Kunst- und Literaturprojekte, Ausstellungen, Kabarett und Theater – rund 300 kulturelle Veranstaltungen gehen zwischen 28. Mai und 1. Juni in Regensburg über die Bühne. Das ist wohl das vielseitigste und üppigste Kulturangebot, das Regensburg je aufgeboten hat. Hier ein Auszug aus dem Programm:

Klangbrücke über den Fluss

Musik setzt im Kulturprogramm des Katholikentags einen starken Schwerpunkt. Die Domspatzen eröffnen in St. Peter die Konzertreihe „Säulen der Kirchenmusik“ (Donnerstag, 20 Uhr). Organisten aus aller Welt interpretieren vor allem, aber nicht nur in Kirchen bei den „Orgelpunkten“ alte und neue Kompositionen, von Bach bis Petr Eben, von „Musica Transsylvanica“ bis zu „Hashi“, das deutsch-japanische Kontraste hörbar macht (ab Donnerstag, 13 Uhr). Die Nacht der Musik gestattet in Krypten, Kapellen, im Kreuzgang und in der Basilika St. Emmeram außergewöhnliche Klangerlebnisse, unter anderem mit Raseliuschor, Schola Resupina aus Wien und Spatzen-Quartett (Freitag ab 20 Uhr). Die Nacht der Glocken wird ein Höhepunkt unter freiem Himmel (Samstag ab 19.30 Uhr): Tauben mit Schellen im Gefieder steigen zu Antonin Dvoraks sinfonischer Dichtung „Holoubek. Die Waldtaube“ auf. 49 Glocken schippern auf einer Fähre zwischen Steinerner und Eiserner Brücke; das Carillon schafft eine Klangbrücke über den Fluss. Und in der Niedermünsterkirche lassen „Die Glöckner“ eine Performance erleben. Zum Ausklang läuten nachts beim Regensburger Te-Deum die großen und kleinen Glocken der Stadt.

Literatur auf der Donau

Literatur hält nicht fest, sondern inne: Sie gibt dem oft so schnellen und flüchtigen Leben eine sprachliche Gestalt; sie erzählt, beschreibt und webt ein Netz, in dem sich die Wirklichkeit verfängt. Zum Katholikentag haben bekannte Schriftsteller im Buch „Literatur im Fluss“ Texte geschrieben, zu denen sie sich vom Motto „Mit Christus Brücken bauen“ inspirieren ließen. Ein Gedanke, der das Literaturprogramm trägt: Religion ist dann lebendig, wenn sie das Erzählen nicht verlernt. Auf dem Schiff MS Fürstin Gloria stellen Autoren ihre Texte aus dem Buch vor: Petra Morsbach liest aus „Der Gottesdiener“ (Freitag, 16.30 Uhr). Arnold Stadler erzählt unter dem Titel „Die Menschen lügen. Alle“ über seine Gottessuche. Ulrike Draesner macht „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“ (Freitag, 19.30 Uhr). Und Sibylle Lewitscharoff liest „Vom Guten, Wahren und Schönen“ (Donnerstag, 19.30 Uhr); nach dem Wirbel über ihre „Dresdner Rede“ dürfte bei der Büchner-Preisträgerin der Andrang besonders groß sein. Die Dominikanerkirche ist Literaturzentrale mit Schwerpunkt Region: Autoren wie Marita Panzer, Stefan Rimek, Wolf-Peter Schnetz und andere lesen Prosa und Lyrik (Donnerstag/Freitag, 14 Uhr). Gerd Burger, Arthur Schnabel, Bernhard Setzwein und Eva Sixt stellen traurige und komische Texte aus Böhmen und Deutschland vor (Freitag, 14 Uhr).

Jesus im Kino

Die Filmreihe zum Katholikentag bespielt die ganze Breite der Glaubensthemen, in Kinohits, leisen Experimentalfilmen und Deutschland-Premieren. Viele Vorstellungen sind gekoppelt mit einem Zuschauergespräch und einige Regisseure kommen persönlich zu den Vorführungen, zum Beispiel Ivonne und Wolfgang Andrä aus Weimar, die im Leeren Beutel „Der zerbrochene Klang“ zeigen (Donnerstag, 20 Uhr).

Kunst zwischen Erde und Himmel

In vier großen Ausstellungen setzen sich 37 Künstler mit existenziellen Fragen auseinander. Im Museum Obermünster antworten Gemälde, Installationen, Zeichnungen und Skulpturen von Heute auf eine Figur des Geißelheilands aus dem 18. Jahrhundert. Im Donau-Einkaufszentrum sind künstlerische Vorstellungen der Göttlichkeit zu studieren: Zehn Künstler deuten die Wirklichkeit jenseits von dem, was die Sinne erfassen, und geben vielleicht keine Antworten – eröffnen aber Möglichkeiten. In Kirche, Kloster und Garten von St. Klara bearbeiten Künstler Themen wie Hoffnung, Selbstliebe, Veränderung, Liebe und Trauer. In der Dominikanerkirche schaut eine Ausstellung auf den Himmel, der früher unerreichbar fern und geheimnisvoll war und heute von den der Wissenschaft systematisch entzaubert wird. Eine Laserinstallation ist dort mit unterschiedlicher Musik zu erleben – von Canto di Cosmo bis zu DJ Boris Dlugosch.

Jazz und Rock

Regensburg rockt für Eine Welt: Die Münchner Band Jamaram zündet mit der Bayern-3-Band ein Feuerwerk aus Reggae, Ska, Latin und Pop im Stadion an der Universität: kostenlos und open air (Freitag, 18.30 Uhr). Mit Wise Guys gibt zum Auftakt die bekannteste Vocal Pop-Gruppe Deutschlands im Stadion an der Uni den Ton an (Donnerstag, 19.30 Uhr). Der Katholikentag klingt jazzig, rockig, poppig, soulig oder auch südländisch. Dotschy Reinhard und Band folgen im Velodrom den Spuren der Musik von Sinti und Roma (Donnerstag, 19.30 Uhr). Am Bismarckplatz wird Jazz orientalisch gewürzt, vom deutsch-türkischen Ensemble FisFüz (Donnerstag, 20 Uhr) und Quadro Nuevo präsentiert im Velodrom Klänge aus Argentinien, in Verbindung mit Zeugnissen eines Armenpriesters aus Buenos Aires (Freitag, 20 Uhr).

Katholikentag weiß-blau

Ein Anliegen der Programmmacher war es, den deutschen Katholikentag „mit Regensburger Charme zu beflügeln“. Einige Angebote sind in kräftigem Weiß-Blau gehalten, drei Beispiele: Der Dialekt-Professor Ludwig Zehetner erklärt die Sprachgeschichte von „Rengschbuach“ (Donnerstag, 14 Uhr), durch die Straßen ziehen junge Blasmusiker und die Regensburger Theatergruppe „Die Ladenhüter“ erklärt den Leeren Beutel zu Kirchlachenbach.

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