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Katholikentag

„Meinetwegen kann das Kittel machen“

Wolbergs sagt, er habe nie eine Klausel gegen den Veranstalter gefordert. Ein Insider sagt: Kittel sei „von der Stadt nicht gewünscht“ gewesen.
Von Marianne Sperb, MZ

Der Katholikentag 2012 in Mannheim: 2014 ist Regensburg Schauplatz des Glaubensfests. Foto: dpa-Archiv

Regensburg.Im Mai 2014 werden Zehntausende Menschen in Regensburg Katholikentag feiern – ein großes Glaubensfest mit bundesweiter Ausstrahlung. Die Vorfreude wird überschattet von einer Debatte, die so gar nicht passt zum Bild vom harmonischen Miteinander. Nach MZ-Informationen versuchten Politiker, den Veranstaltungsservice Peter Kittel als lokalen Dienstleister der Kirche zu torpedieren. Indizien, der städtische Zuschuss für 2014 in Millionenhöhe solle an die Bedingung geknüpft werden, Kittel keinen Auftrag zu geben, wurden nach einer Sitzung des Koalitionsausschusses von CSU und SPD bekannt. Jetzt hat auch ein seriöser externer MZ-Gesprächspartner den Verdacht untermauert.

Der Informant besitzt gewachsene Beziehungen zu hohen Kirchenkreisen und ist bestens in Sachen Katholikentag bewandert. Aus Sorge, seine Gestaltungsmöglichkeiten einzubüßen, will er seinen Namen aber nicht genannt haben. Er schilderte der MZ ein Vorgespräch zum Katholikentag, das am 21. September in Regensburg stattfand. In der Runde ging es auch um das Thema, wie einzelne örtliche Organisationsaufgaben zu lösen sind. Auf die Frage, ob man Kontakt zum Veranstaltungsservice Regensburg Peter Kittel aufgenommen habe, machten zwei Kirchenvertreter klar, das sei „von der Stadt nicht gewünscht“, so der Insider zur MZ. Beide Männer hätten nicht ausdrücklich von einer Ausschlussklausel gesprochen, sich aber „indirekt darauf berufen, dass es von Seiten der Stadt Vorbehalte gegen Peter Kittel gibt“, zitiert der Informant.

Einer der beiden Kirchenvertreter war, den Angaben zufolge, Dr. Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Die MZ hakte in Bonn nach. Dort wird die Sache anders gesehen: „Dr. Vesper weist die Darstellung entschieden zurück“, so ZdK-Sprecher Theodor Bolzenius. Die Vergabe von Dienstleistungsaufträgen für 2014 werde von keiner Seite an derartige Klauseln geknüpft.

Bewerbungsfrist endet heute

Katholikentage organisieren jeweils eigens gegründete Vereine (2014 der „99. deutscher Katholikentag Regensburg 2014 e.V.“) bzw. deren Geschäftsstellen. In Regensburg werden in der Endphase, im Frühjahr 2014, an die 60 Menschen das Großereignis vorbereiten. Für einzelne Dienstleistungen sucht sich der Verein externe Partner und schreibt größere Aufträge im EU-Vergabe-Portal aus. Die Bewerberfrist für 2014 endet heute. Am 12. November wird der e.V. entscheiden, welche Partner in Regensburg zum Zug kommen. Wie viele Kandidaten zur Wahl stehen, wollte Bolzenius mit Verweis auf Ausschreibungsrichtlinien nicht sagen.

Die Kirche baute bei bisherigen Katholikentagen auf „Trialog“: Das Planungsteam aus Neustadt/Weinstraße begleitete die Veranstaltungen in Ulm, Saarbrücken, Osnabrück und zuletzt Mannheim. Die Agentur hatte jedes Mal die Ausschreibung gewonnen, betont Bolzenius. Auch den Papstbesuch 2011 habe die GmbH nach seinen Recherchen „zur vollsten Zufriedenheit des Bistums Erfurt“ vorbereitet.

Ein Glaubensfest neuen Zuschnitts

Anders im Eichsfeld: Für die Vesper, die Benedikt XVI. dort 2011 mit 90 000 Pilgern feierte, wurde „Trialog“ kurzfristig vom Auftrag entbunden; Peter Kittel übernahm. „Wir haben mit Herrn Kittel die allerbesten Erfahrungen gemacht“, sagt Dr. Werner Henning, Landrat im Landkreis Eichsfeld. „Er nahm sehr schnell Tuchfühlung auf mit dem Klima vor Ort.“ Ohne Kittel wäre die Vesper „zur großen Pleite“ geworden. Er sei dankbar, dass die Kirche die Reißleine gezogen hatte, so der CDU-Mann. Mit „Trialog“ seien seine Mitarbeiter „nicht gut klar gekommen“: „Wenig einfühlsam, oberlehrerhaft, theoretisch“, nennt der gläubige Katholik als Stichworte.

„Ein Katholikentag ist was völlig anderes als ein Papstbesuch“, sagt Theodor Bolzenius. Für 2014 brauche man eine Ausstellungsarchitektur, für Tausende Besucher, die nicht nur ein Mal ankommen und wieder abreisen, sondern über Tage bleiben. Dr. Albert Schmid, der der Leitung des Katholikentags 2014 angehört und Präsident des Landeskomitees der Katholiken in Bayern ist, sieht in 2014 die große Chance für ein Glaubensfest neuen Zuschnitts. In der kleinteiligen Altstadt sei das Ereignis vielleicht komplizierter zu organisieren als auf einem weitläufigen Messegelände; dafür verspreche der Schauplatz Regensburg intensive Kommunikation und großen Erlebniswert.

Während der Thüringer Landrat Henning eine geradezu glühende Empfehlung für den Organisator Kittel ausspricht, gibt es in Regensburg starke Vorbehalte gegen eine Auftragsvergabe der Kirche an den Unternehmer: „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mich das freuen würde“, sagte Norbert Hartl, Chef der SPD-Fraktion im Stadtrat, vergangene Woche. Oberbürgermeister Hans Schaidinger schweigt zu dem Thema („no comment“). Bürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) bekräftigte, wie zuvor Hartl, er freue sich sehr, dass der Katholikentag 2014 in Regensburg stattfindet; ein Zuschuss der Stadt zu dem Glaubensfest stehe außer Frage. Die Finanzhilfe der Stadt habe er zu keinem Zeitpunkt an eine Bedingung geknüpft. Wer Aufträge erhält, sei Sache des ZdK. „Meinetwegen kann das auch der Kittel machen.“

Wolbergs 2008 und das Gesetz

In einem Interview im Februar 2008 für den Online-Dienst regensburg-digital klang das noch ganz anders: Sollte er OB werden, sagte Wolbergs damals im Wahlkampf, würde er Kittel „niemals einen Auftrag erteilen. Und sollten mich Gesetze dazu zwingen, würde ich alles tun, um diese zu umgehen.“ Jetzt bestätigte der Bürgermeister die Aussagen von 2008, relativierte aber: „Das habe ich damals in meiner Wut gesagt, nach einer üblen Kittel-Kampagne gegen mich. Das gilt heute nicht mehr, das ist ja logisch.“ Und weiter: „Ich weiß zu unterscheiden, was ich als Amtsträger zu tun habe und was ich persönlich denken kann.“

Für mediale Aufregung hat ein Bericht auf unserem Online-Portal gesorgt. Darin ging es um eine Anfrage von FW-Fraktionschef Ludwig Artinger in der Stadtratssitzung am vergangenen Donnerstag. Die MZ hatte schon frühzeitig von dieser Anfrage erfahren und sie vorbereitend in einen Text eingearbeitet, der selbstverständlich aber erst dann online gestellt werden sollte, nachdem Artinger die Frage gestellt hatte. Durch ein technisches Versehen erschien der Text allerdings schon am Nachmittag online. Anfrage und Sitzung liefen wie erwartet ab - der Text auf der Website war also auch in der Nachbetrachtung inhaltlich richtig.

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