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Katholikentag

Ökumenische Netzwerke wurden gestärkt

Große Augenblicke ökumenischer Nähe hat der evangelische Studentenpfarrer Friedrich Hohenberger in diesen Tagen erlebt. Dennoch bleibt er skeptisch.
Von Susanne Wiedamann, MZ

  • Große Geste beim Zentralen Ökumenischen Gottesdienst am Freitagabend im Dom: Katholiken und Protestanten verknüpfen Bänder, damit ein gemeinsames Netz aus Brücken entsteht. Foto: epd
  • Jesuitenpater Christian Herwartz (l.) und der evangelische Studentenpfarrer Friedrich Hohenberger Foto: Wiedamann

Regensburg.„Ich bin ein alter Kirchentagshase“, bekennt Friedrich Hohenberger. Regensburgs evangelischer Studentenpfarrer war seit 1979 Gast auf fast jedem Evangelischen Kirchentag, auf den beiden Ökumenischen Kirchentagen – und vor 24 Jahren zum ersten Mal auf einem Katholikentag. Damals gestaltete er zum Ende der Versammlung der Katholiken gemeinsam mit dem Jesuitenpater Christian Herwartz in Berlin-Kreuzberg einen ökumenischen Gottesdienst. „Wir hatten 60 Plätze, und es kamen 400 bis 500 Leute“, erinnert er sich lächelnd.

Der Jesuit Christian Herwartz war auch an diesem Sonntag an seiner Seite, beim ökumenischen Gottesdienst der Evangelischen Studentengemeinde (ESG) in der Neupfarrkirche aus Anlass des Katholikentags. Zwar war der Andrang kleiner als damals, aber die Kirche war gut gefüllt, fast alle Sitzplätze waren belegt. Und Hohenberger freut sich: „Mehr als die Hälfte der Gäste waren Katholiken. Es kamen viele auf mich zu, die sagten, es war ihnen sehr wichtig, einen ökumenischen Gottesdienst zu besuchen.“

Getrennt oder vereint?

Beim Thema „Ökumene und Katholikentag“ ist Hohenberger hin- und hergerissen. Das merkt man, auch wenn er ruhig und sachlich Stellung nimmt. Einerseits berichtet er von großartigen Augenblicken der ökumenischen Nähe, andererseits gibt es immer noch Barrieren, die nicht beseitigt wurden, Brücken, die ungebaut geblieben sind. Beim Festgottesdienst am Sonntag morgen im Stadion der Universität seien die Protestanten zwar willkommen gewesen. „Aber es ist ein Schmerz, dass wir nicht zur Kommunion eingeladen sind.“

Auf offizieller, institutionalisierter Ebene geschieht die Annäherung eher zaghaft, in kleinsten Schritten. Im Privatleben, im Alltag wird Ökumene dagegen oft ganz selbstverständlich gelebt, weiß Hohenberger. „Die Leute haben eine große Sehnsucht nach Gemeinsamkeit. Man wünscht sich, dass so ein ehrlicher Umgang auf allen Ebenen stattfindet.“

Dennoch ist Hohenberger auch des Lobes voll. „Es war schön, dass der Katholikentag hier war! Da kommen Menschen, die eines Sinnes sind, deren Grundbasis der Glaube ist. Das ist doch die kleinste Basis der Ökumene. Und die funktioniert“, berichtet der Geistliche aus etlichen Gesprächen. Im Vorfeld des Katholikentags sei die evangelische Kirche in die Vorbereitungen gut einbezogen worden. Und für die evangelischen Pfarreien sei es selbstverständlich gewesen, mitzuhelfen und beispielsweise Räume zur Verfügung zu stellen. Allerdings auch für kritische Katholiken.

Die Kirchengemeinde Dreieinigkeitskirche gab mit dem Ökumenischen Zentrum „Katholikentag Plus“ in Kooperation mit der Leserinitiative Publik Forum und der Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ solchen Referenten ein Forum, die im offiziellen Programm des Katholikentags nicht auftauchten: vom Theologen Eugen Drewermann bis zum Sprecher der österreichischen Pfarrerinitiative, Helmut Schüller. „Auch das ist Ökumene“, sagt Hohenberger.

Dass die Ökumene durch den Katholikentag nennenswerte Fortschritte erzielt hat, glaubt Hohenberger eher nicht. Doch: „Der Katholikentag hat die ökumenischen Netzwerke gestärkt!“ Seiner Beobachtung nach gab es viele schöne Zeichen und Aktionen der ökumenischen Verbundenheit, wie die Tages- und Stundengebete in der Bruderhauskirche.

Klare Worte von Käßmann

Was waren für ihn wichtige Stationen oder sogar Höhepunkte des Katholikentags? Hohenberger nennt unter anderm den Auftritt der evangelischen Reformationsbotschafterin Margot Käßmann, die versuchte, katholische Bedenken, die Protestanten wollten 2017 einen Lutherkult austoben, zu entkräften suchte. Und die Bibelarbeit von Rabbinerin Elisa Klapheck. „Da verschwinden die Grenzen. Da betreten wir Neuland.“

Ein Höhepunkt war laut Hohenberger der Zentrale Ökumenische Gottesdienst am Freitagabend im Dom, nach dem rund die Hälfte der Gläubigen noch zur anschließenden ökumenischen Vigil sitzenblieb. Dass der Gospelchor „Deliverance“, der an der Hochschulgemeinde angesiedelt sei, den Gottesdienst im Dom mitgestalten durfte, freut den Pfarrer nebenbei auch. „Es war schön, dass der Dom so voll war. Es war eine Abstimmung mit den Füßen. Die Leute wollten ökumenisch feiern!“

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