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Spiritualität

Opferseele aus dem bayerischen Lisieux

Theologieprofessor Wolfgang Vogl spricht über „die beeindruckende Vita“ der Resl von Konnersreuth. Er war acht Jahre lang Pfarrer in Konnersreuth.
Von Dagmar Unrecht, MZ

An ihr scheiden sich die Geister: Resl von Konnersreuth. Foto: dpa

Regensburg. Therese Neumann aus Konnersreuth ist eine schillernde Figur. Bis heute polarisiert die weltbekannte Oberpfälzerin. So sollte der Katholikentagsvortrag über sie ursprünglich mit der Frage „Heilige oder Schwindlerin?“ betitelt werden. Doch das empfindet Referent Wolfgang Vogl, Professor für Theologie des geistlichen Lebens an der Universität Augsburg, als zu reißerisch, erzählt er am Samstagnachmittag im Festsaal der Marienschule gleich zu Beginn. Für diese Haltung erntet er sofort den ersten Applaus der rund 60 Zuhörer. Vogl, selbst acht Jahre lang Pfarrer in Konnersreuth, stellt lieber die Frage: „Eine Spiritualität für die Kirche von heute?“

Für den Wissenschaftler ist die Antwort eindeutig: Er hält Therese Neumann und die ihr zugeschriebenen Phänomene für authentisch. Psychosomatische Erklärungsversuche für die Stigmatisierungen lässt er nicht gelten. Während seines einstündigen Vortrags zeichnet er Thereses Lebensweg nach, die Entwicklung vom gesunden Kind aus armen Lebensverhältnissen hin zu einer Frau, die durch mannigfaltige Leiden zu ihrer eigentlichen Berufung findet: einem Leben als „Opfer- und Sühneseele“. Gerade diese Haltung, also stellvertretend für andere zu leiden, werde in Zukunft an Bedeutung gewinnen, ist Vogl überzeugt, denn die Kirche schaffe es immer weniger, Menschen zu erreichen.

Keine Zweifel

„Sich die Liebe Christi aneignen und weiterschenken“, das macht für Vogl die Spiritualität der Resl aus. Zwei Zuhörerinnen aus Konnersreuth, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchten, spricht der Wissenschaftler aus der Seele. Dass der Seligsprechungsprozess für die Resl, der 2005 offiziell noch vom damaligen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller eingeleitet wurde, sich so lange hinzieht, stört die beiden Frauen nicht. „Für uns ist das nur ein formaler Akt“, sagen sie. Zweifel an „ihrer Resl“ lassen sie nicht gelten.

Einer der strittigen Punkte, der von Kritikern immer wieder aufgegriffen wird, ist die Frage nach der angeblichen „Nahrungslosigkeit“. Auch eine Zuhörerin fragt zweifelnd nach. Referent Vogl räumt ein, dass die Resl eine korpulente Frau gewesen sei, „sie war guat beieinander, wie man auf bairisch sagt“. Sie habe aber nicht gefastet, sondern sich durch die Eucharistie ernährt gefühlt und daher nicht unter einer Nahrungslosigkeit gelitten.

„Schwestern im Geiste“

Ausführlich zeigt Vogl an diesem Nachmittag Parallelen auf zwischen Therese Neumann und Therese von Lisieux, beide Frauen hält er für „Schwestern im Geiste“. Konnersreuth sei das „bayerische Lisieux“, so Vogl. Die Französin, die am 17 Mai 1925 heiliggesprochen worden ist, soll Resl just an diesem Tag von ihren Lähmungen geheilt haben. Der Aktenberg für den Seligsprechungsprozess im Fall Neumann ist gewaltig, wann er abschließend bearbeitet ist, ist noch nicht abzuschätzen. Erst vor kurzem sind neue Materialien über die Oberpfälzerin auf einer Antiquariatsmesse aufgetaucht. Die zwei Zuhörerinnen aus Konnersreuth sehen das gelassen: „Wir haben Zeit.“

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