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Katholikentag

Pilgerführer fand die alte Heimat wieder

Hans Lauerer stammt eigentlich aus Reinhausen. Längst lebt der 64-Jährige woanders, aber, um sein Ziel zu erklären, kehrte er gerne zurück.
Von Walter Schiessl, MZ

Hans Lauerer, ein gebürtiger Reinhausener, ist ein glühender Fan des Jakobswegs. Foto: Schießl

Regensburg.Hans Lauerer (64) ist gerne in seine alte Heimat zurückgekommen. Der Regensburger, der aus Reinhausen stammt, zählt zu den altgedienten Jakobsweg-Marschierern. Er war schon in Santiago di Compostela und hat Etappen in Norwegen ebenso zu Fuß zurückgelegt wie in Tschechien, in der Schweiz oder in Frankreich. „Das gibt mit unheimlich viel“, erzählt der pensionierte Berufsmusiker, der in jungen Jahren im Orchester des Stadttheaters Bratsche gespielt hat.

Er ist bei den Touren meist mit seiner Frau unterwegs, aber auch mit Freuden oder Bekannten. Der bärtige Mann, der jetzt in Baden-Württemberg lebt,nennt als wichtigste Erkenntnis seiner Strecken, dass ihm beim Marschieren viele Gedanken in den Sinn kommen, die allesamt den Frieden zum Ziel haben. „Wer abends Musik macht und Geschichten erzählt, der wird nicht schießen“, sagt der überzeugte Pazifist.

Die Begeisterung weitergeben

Hans Lauerer steht vor einem Zelt am Grieser Spitz, an dem zahlreiche Ordensgemeinschaften Werbung für sich machen. Er gehört zu einem Stand, an dem sich einige Gemeinschaften der Jakobsweg-Pilger zusammengeschlossen haben. „Wir kommen aus vielen Bundesländern“, sagt der 64-Jährige, der für die potenziellen Marschierer wichtige Tipps bereithält. Es sei sehr wichtig, an Dinge zu denken, die zu Hause automatisch ablaufen. So sei es auf den Strecken bisweilen gar nicht so leicht, Wäsche zu waschen, Plätze zum Trocknen zu finden oder auch das richtige Schuhwerk parat zu haben.

Der Bratschist, der nur noch ab und zu im Landestheater Heilbronn spielt, wirkt glücklich, wenn er von seinen Wanderungen durch fast ganz Europa erzählt. „Man glaubt gar nicht, welche Leute man da trifft“, sagt Hans Lauerer. Und das sei eben auch das Besondere am Jakobsweg, jeder der Marschierer habe das gleiche Ziel. Nur die Routen, die Geschwindigkeit und die Größe der Gruppen unterschieden sich ab und zu. „Aber auch bei Etappen, die ich alleine mit meiner Frau absolviere, entdecken wir nach 30 Ehejahren immer noch viel Neues“, sagt der Ur-Oberpfälzer. Auf den Wanderungen erlebe man sich und natürlich auch die Partnerin vonseiten, die man im Alltag nicht oder nur kaum sehe. „Und das hat sehr viele Vorteile“, lacht Hans Lauerer. Der ehemalige Berufsmusiker intensivierte durch die Bewältigung der Jakobsweg-Passagen seinen Glauben „Das ist mir ganz wichtig“, sagt er. Man denke ein Stück um, was früher wichtig gewesen sei, zähle heute nur noch wenig. Der 64-Jährige fungiert inzwischen als Pilgerführer in Baden-Württemberg hält Vorträge und führt Wanderungen an. Natürlich wolle er seine Begeisterung für das Wandern mit dem großen Ziel Santiago die Compostela an Jung und Alt weitergeben. Das sei schon etwas ganz Besonderes, wenn man da mitwirken könne. Aus diesem Grund sei er ja auch zum Regensburger Katholikentag gekommen, erzählt der weit gereiste Mann, der schon alleine durch seine Ausstattung die Blicke auf sich zieht.

Die Erinnerungen bleiben

Hans Lauerer nennt als theologischen Faktor, der ihm wichtig sei, die Vermittlung eines versöhnenden Christus, wie es im spanischen Wallfahrtsort schon seit dem 12. Jahrhundert geschehe. Das Wirken von Christus werde durch die Fürsprache des Heiligen Jakobs den Menschen zuteil. „Das war in der römisch katholischen Kirche im den ersten Jahrhunderten noch völlig anders“, sagt der ehemalige Regensburger.

Auch wenn er und seine Frau bei den Wanderungen in ihren Rucksäcken nicht viel Platz für Souvenirs hätten, den Lauers fallen aber immer wieder Kleinigkeiten in die Hände, die sie bleibend an dem Jakobsweg erinnern. Da sind die Jakobsmuscheln, die der Pilgerführer um den Hals trägt und an seinem Wanderstab as Olivenholz befestigt hat, aber auch kleine Steine oder Holzstücke hat er mitgenommen und zuhause platziert. „Es gibt mir und meiner Frau sehr viel, wenn wir die Erinnerungsstücke an Winterabenden in Händen halten und an die Plätze, an denen wir sie gefunden haben, denken“, sagt Hans Lauerer. Den Jakobsweg will der 64-Jährige noch oft marschieren, sei es in der Bundesrepublik, sei es in Frankreich oder auch in Spanien. „Die Erkenntnisse sind für jeden Wanderer immer wieder neu“, sagt der Wander-Führer, der vor allem die Begegnungen auf den Etappen für „Geschenke Gottes“ hält. Die Gespräche an den Abenden seien unheimlich wichtig und wahrhaftig, sagt Hans Lauerer. Davon könne man oft lange zehren, die Erinnerung daran blieben haften. Und bisweilen gebe es auch ein Wiedersehen mit den Marschierern, viele fänden auch zu den Pilgergruppen, die in unregelmäßigen Abständen zusammenkämen.

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