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Nachwirkung

Sich wieder neu auf Gott einlassen

Der Katholikentag gab wichtige Impulse: Der Regensburger Stadtdekan Roman Gerl wünscht sich, die Katholiken sollten sich stärker zum Glauben bekennen.
Von Susanne Wiedamann, MZ

Stadtdekan Roman Gerl Foto: sw

Regensburg.Die Pfarreien haben auf dieses Glaubensfest hingelebt, es ausgestaltet und mit Leben erfüllt. Was bleibt davon, wenn die Stände abgebaut und alle Katholikentags-Besucher unterschiedlichster Konfessionen die Stadt wieder verlassen haben? Dass der Katholikentag in den Gemeinden weiterleben und weiterwirken wird, davon ist der katholische Stadtdekan Roman Gerl überzeugt. Er hat die fünf Tage als erfrischend und bestärkend erfahren.

„Wir haben gesehen, dass die Kirche sehr bunt sein kann. Diese Buntheit, diese Vielfalt gilt es hinüberzuretten in den Alltag“, sagt Gerl. „Es ist deutlich geworden, dass die Kirche den Dialog sucht. Dies soll fortgesetzt werden – zwischen den Christen und mit anderen religiösen Gemeinschaften.“

Ihn habe die Rede des Bundespräsidenten Joachim Gauck sehr angesprochen, der ein Ende der Gleichgültigkeit forderte. „Die Leute sollen ihren Glauben wieder mehr ins Gespräch bringen“, fordert Gerl. Auffallend sei beim Katholikentag gewesen, wie schnell die Menschen ins Gespräch kamen. „Ich hoffe, dass sich die Leute nicht wieder in ihr Schneckenhaus zurückziehen.“ Gerl sieht die Gleichgültigkeit mancher Kirchenmitglieder in Deutschland auch in einer kritischen Gesamtstimmung in der Gesellschaft gegenüber der Kirche begründet, die es den Menschen nicht leicht macht, sich zum Glauben und zur Institution Kirche zu bekennen.

„Ich denke, dass viele Christen heute schon eher in der Defensive sind, weil sie angegriffen werden, wenn sie sich zu ihrem Glauben bekennen. Ich erlebe das konkret in den Schulen. Wer ministriert, für den ist es nicht einfach, zu sagen: Ich gehe jeden Sonntag in die Kirche.“ Die Zeiten, in denen das Kirchgehen selbstverständlich war, sind längst vorbei. Heute liefen Kinder, die sich als gläubig outen, Gefahr, verlacht und ausgegrenzt zu werden. Das müsse sich ändern. „Die Kirche müsse deutlich machen, dass sie Räume der Sicherheit bieten kann.“

„Der Glaube, wenn man ihn gesund lebt, ist eine große Lebensbewältigungshilfe“, sagt Gerl. In vielen Vorträgen beim Katholikentag seien Themen wie Stress, Leistungsdruck, Burn-out angeklungen. „Der Katholikentag hat viele Räume der Stille gegeben.“ Den Gläubigen verstärkt solche Räume zu eröffnen, sei ein Auftrag über den Katholikentag hinaus. „Es heißt: Der Glaube kommt vom Hören. Da gehört die Stille unweigerlich dazu.“ Die Kirche schaffe es noch zu wenig, zu zeigen, wo sie solche Räume der Ruhe und Reflexion anbiete, ist Gerl überzeugt. „Wir müssen deutlich machen, worin die Lebenshilfe des Glaubens besteht.“

Und nicht nur das: „Christsein bedeutet, dass dem Menschen respektvoll begegnet werden soll. In unserer Gesellschaft kommt der Respekt aber immer mehr abhanden. Wir müssen auch Leute achten, die gläubig sind, auch wenn sie an etwas anderes glauben als wir“, sagt Gerl.

Die Arbeit in den Pfarrgemeinden hat nach Gerls Ansicht durch den Katholikentag wichtige Anregungen bekommen. Dennoch rät er nicht dazu, nun die Angebote übers Maß auszuweiten. „Weniger ist mehr, aber das wenige muss gut gemacht sein, auf den Menschen hin, seine Lebensbedürfnisse hin“, ist sich Gerl sicher. Es gebe Grundfragen, auf die die Menschen Antworten suchen. Diese Fragen gelte es, in den Pfarrgemeinden aufzunehmen.

Dem Stadtdekan hat das unkomplizierte Miteinander der Christen beim Katholikentag quer über alle Hierarchien hinweg sehr gefallen, „wo Bischöfe sich unters Volk mischen, wo das Oben und Unten überwunden wurden.“ Auch von diesem Geist wünscht er sich mehr für die Arbeit in den Gemeinden. „Jedes Pfarrgemeindemitglied, jeder einzelne, soll sich einbringen. Das ist wichtig: Jeder soll nicht mehr nur unbeteiligter Zuschauer sein, sondern mitgestalten.“ Der Katholikentag soll nach Gerls Überzeugung die Menschen auf den Weg bringen, sich wieder auf Gott einzulassen. Hierfür hätte die Versammlung ihren Gästen wichtige Impulse gegeben.

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