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Papstbesuch

Das größte Ereignis des deutschen TV

Der Bayerischer Rundfunk überträgt den Papstbesuch via Satellit in alle Welt. Das bedeutet im Vorfeld viel Organisation.
Von Hans Scherrer, MZ

Papst Benedikt XVI. winkt freudig seinen Gläubigen in Regensburg zu. Das Kirchenoberhaupt besucht bis zum 14. September 2006 seine Heimat Bayern.
Papst Benedikt XVI. winkt freudig seinen Gläubigen in Regensburg zu. Das Kirchenoberhaupt besucht bis zum 14. September 2006 seine Heimat Bayern. Foto: Gruber

Regensburg.„Ich glaube, das ist das Größte, was bisher in der deutschen Fernsehgeschichte gemacht worden ist“, sagt Roland Weese, der Fernsehproduktionsleiter vom Bayerischen Rundfunk. Und Weese kann gut vergleichen: Nicht nur, dass er beim Besuch von Papst Johannes Paul II. schon mit dabei war; auch bei der Fußball-WM war er verantwortlich im Einsatz. Diesmal ist es noch eine Hausnummer größer: Das Produktionshandbuch zum Papstbesuch in Bayern hat mit 442 Seiten Telefonbuchformat. Was nicht wundert: Insgesamt – also nicht nur in Regensburg – sind weit über 300 Kameras im Einsatz. Allein zwischen der Galgenbergbrücke und dem Priesterseminar waren gestern Abend, als Benedikt XVI. in Regensburg empfangen wurde, 28 Kameras aufgestellt. „Das ist notwendig, weil wir in drei verschiedenen Bildern in alle Welt senden“, erklärt Weese. Da ist zum Beispiel das Basis Bild, das via Satellit von allen Fernsehsendern in der ganzen Welt heruntergeholt und gesendet werden kann. Dieses Bild ist unkommentiert. Das heißt, dass die einzelnen Sender den Kommentar dazu selber liefern. Der BR stellt hier nur das Bildmaterial zur Verfügung. Und das hat seinen guten Grund: „Sonst müssten ja 100 TV-Teams im Dom arbeiten“, erläutert Weese diese Einteilung.

„Ich glaube, das ist das Größte, was bisher in der deutschen Fernsehgeschichte gemacht worden ist“

Roland Weese, Fernsehproduktionsleiter vom BR

Zirka 80 Kilometer Kabel wurden verlegt

Ursprünglich waren für den Papstempfang gestern Abend mehr Kamerapositionen geplant. „Darauf haben wir dann aber doch verzichtet – aus Kostengründen“, wie Weese erklärt. Nichtsdestotrotz ist der Materialaufwand immens: Zirka 80 Kilometer Kabel mussten verlegt werden. Und der BR hat seine eigenen Stromaggregate mit dabei, „weil es leicht hätte passieren können, dass bei dem enormen und vor allem schnellen Stromstoß, der vor allem in den Abendstunden benötigt wird, das örtliche Energienetz zusammenbricht.“ Und weil die Verbindung zwischen den Kameras und den Übertragungswagen nicht per Funk hergestellt werden kann, mussten eben diese großen Strecken an Kabel verlegt werden.

Sehen Sie hier die wichtigsten Stationen des Papstes auf seinem Weg zum Pontifikat.

Das Leben von Papst Benedikt XVI.

„Wir sind zwei Wochen lang durch die Altstadt gegangen und haben bei den Regensburger Hausbesitzern angefragt, ob wir bei ihnen die Kabel verlegen dürfen“, erzählt Weese und fasst das Ergebnis so zusammen: „90 Prozent waren sehr freundlich, haben uns das kommentarlos erlaubt; zirka zehn Prozent waren weniger freundlich. Und nochmals zwei Prozent waren gar so unfreundlich, dass sie uns keine Erlaubnis erteilt haben.“ Da musste man dann eigene Kabelschächte errichten und die Kabel über öffentlichen Grund verlegen.

„Wir sind zwei Wochen lang durch die Altstadt gegangen und haben bei den Regensburger Hausbesitzern angefragt, ob wir bei ihnen die Kabel verlegen dürfen“

Roland Weese, Fernsehproduktionsleiter vom BR

Was für eine Wahnsinnsarbeit das alles war, lässt sich nur erahnen. Seit 5. September ist Roland Weese hier in Regensburg pausenlos im Einsatz. Mit einem Acht-Stunden-Tag kommen weder er selber noch seine rund 1000 Mitarbeiter über die Runden. Allein um die verschiedenen Kamerapositionen – auch die ursprünglich geplanten – zu überprüfen, ist Weese den Weg von der Innenstadt bis zum Islinger Feld vier Mal zu Fuß abgegangen. „So was schadet niemandem“, meint er mit einem Augenzwinkern.

Überwachung des Equipments durch Sicherheitsdienst

Und schließlich stehen noch überall vor den einzelnen Kameras und dem technischen Gerät des BR dunkel gekleidete (und zumeist recht muskulöse) Männer von einem angemieteten Sicherheitsdienst herum, die das ganze Equipment bewachen. Wie nötig das ist, schildert Weese an einem Vorfall vom Sonntagabend: „Da haben sich zwei Burschen an einer Kamera zu schaffen gemacht. Doch die wurden dann überwältigt und der Polizei übergeben.“

Mehr zum Papstbesuch in Regenburg finden Sie hier.

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