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Papstbesuch

Der Gärtner der 1000 weißen Papst-Lilien

Stefan Roth liefert mit seiner Gärtnerei Bendler bei der Messe den Blumenschmuck für den Papst-Altar.

Stefan Rothl liefert den Blumenschmuck zum Großereignis
Stefan Rothl liefert den Blumenschmuck zum Großereignis

Regensburg.Allein mit Gottvertrauen wird man dem Heilsplan des Schöpfers längst nicht mehr gerecht. Auf den Straßen zur Papst-Wiese ist großflächige Plakatwerbung angesagt. Benedikt XVI. ermuntert zur Liebe als große Kraft, die ja Berge versetzen soll.

Eben diese sehr tätige Liebe zur Natur ist Stefan Roths Lebens- und Geschäftsmotto. Er ist mit seiner Gärtnerei Bendler unmittelbarer Nachbar des Glaubens-Großereignisses und liefert den Blumenschmuck dazu. Roth ist mit seiner Frau Monika – und vielen geladenen Gästen – nicht nur der Mann, der von seinem Gelände aus einen Logenplatz heute bei der Messe hat.

Seine Gewächshäuser und Blumenbeete am Unterislinger Weg sind im Morgenlicht überstrahlt von Kreuz und weißem Zelt-Baldachin der „größten Freilicht-Kathedrale Bayerns“. Segen ruht auf diesem Familienunternehmen, in der dritten Generation. Die Großeltern Bendler haben nach dem Krieg den Gartenbaubetrieb gegründet. Damals galt es, Gemüse für die hungernden „Stoderer“ zu ziehen. Heute blüht es in allen Sommer- und Herbstfarben auf der Familienscholle.

Die Roths praktizieren, woran andere scheitern

Der 37-jährige Gärtnermeister hat gestern mit seinen elf Angestellten und seiner ganzen Familie von exakt 18 bis 24 Uhr aus 1000 weißen Lilien (normaler Ladenverkaufspreis 1,50 Euro das Stück) auf Bux-Untergrund den Blumenschmuck für den Papst-Altar kreiert, genau nach liturgischer Vorschrift. Und weil man Wind und Wetter auch bei transzendenten Megahandlungen nicht so recht trauen kann, sind die Lilien diskret mit Draht gestützt. Die Blüten menschlicher Unschuld kommen vom Niederrhein, aus deutschem Anbau.

Die Roths praktizieren, was Deutschlands christlichen Großkirchen nicht gelingen will: Stefan und Monika Roth sind gelebte Ökumene. Er ist evangelisch, sie samt den beiden Kindern katholisch. „Es klappt vorzüglich“, empfiehlt der umtriebige Gärtnersmann sein religiös-familiäres Miteinander.

Übrigens funktioniert auch die Geschäftspartnerschaft mit beiden Kirchen. Da komme es auf den Preis, die Qualität und den Service an, auch bei der Ausschreibung für die acht Quadratmeter päpstlichen Blumenschmuck. Roth: „Wir haben sicher nicht den Zuschlag bekommen, weil wir nebenan sind, sondern weil wir mit unserem Angebot am besten abgeschnitten haben. Ein Geschäft ist es für uns nicht. Wir haben knappstens kalkuliert. Aber es ist halt eine Ehre.“ Und natürlich die beste Werbung, die man sich denken kann.

Liebe zur Natur trifft gesunden Geschäftssinn

Stefan Roth macht kein Hehl daraus, dass seine Liebe zur Natur mit einem soliden Anteil gesundem Geschäftssinn gepaart ist. Sein Interesse für die Gärtnerei hat auch etwas damit zutun, dass man mehr als König, ja fast so etwas wie ein kleiner Herrgott in seinen Gewächshäusern und Blumenfeldern ist. Roth: „Ich kann bestimmen, was wächst und auch wie. Ich entscheide über Schnelligkeit des Wachstums und über die Größe der Pflanzen.“

Sich regen bringt Segen. Die alte vom Glauben geprägte, aber auf Eigeninitiative setzende Volksweisheiten hat der Gärtnermeister verinnerlicht. 55 Stunden pro Woche arbeitet er – mindestens. Er und seine Frau müssen auch den Sonntag mit Arbeit heiligen.

Ob blauer Rittersporn, Dahlien oder die bunten Zinien, ob Primeln oder die elegant-vornehmen Chrysanthemen: Alles muss geplant sein.

Im Internet-Auftritt hat Roth längst vor dem Ordinariat die Werbung entdeckt. Wer über sich Schönes schreibt, der bleibt: Der Gärtnerei-Betrieb Bendler firmiert als „Nummer1“ in Regensburg. Obwohl im Umkreis Baumärkte und Garten-Center Konkurrenz machen, ist Roth frohen Mutes, dass er geschäftlich überleben kann. Statt auf Billigware aus Holland setzt er auf made in Regensburg.

Stefan Roths gärtnerisches Tun ruht letztlich in Gottes Hand. Und die hat – Billigkonkurrenz hin oder her – immer noch am längsten Saison. Aber nur, wenn man selbst fleißig mit werkelt.

Alle unsere Geschichten vom Papstbesuch 2006 finden Sie hier

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