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Papstbesuch

Ein halbes Jahr auf die Messe gefreut

Was die Musiker und Sänger berichten, die das wirkungsvolle Papst-Programm mit Freude umrahmt haben.
Thomas Vitzthum

Ch. Dostal schrieb das Lied ohne große Absichten. Foto: dpa
Ch. Dostal schrieb das Lied ohne große Absichten. Foto: dpa

Regensburg.Papst Benedikt XVI. ist ein ausgewiesener Musikliebhaber. Das verpflichtet. Der Leiter der Domspatzen, Roland Büchner, Domspatz Michael Geitner (14), Domorganist Franz-Josef Stoiber und Diözesanmusikdirektor Christian Dostal schilderten ihre Eindrücke unmittelbar nach dem Ende des Gottesdienstes auf dem Islinger Feld. Kirchenmusikdirektor Christian Kroll äußerte sich nach der Akademischen Feier im Audimax.

Herr Büchner, man spricht von dieser Messe als einem Jahrtausendereignis. Hat sie sich so angefühlt?

Büchner: Wenn man beschäftigt ist mit Musik und sich Sorgen macht, dass alles klappt, dann ist man natürlich etwas abgelenkt. Doch auf einmal kommt der Papst und man spürt die Freude der vielen Menschen. Da wurde ich sehr bewegt.

Unter freiem Himmel singt es sich nicht leicht, wie ist es gelaufen?

Wir sangen unter einem Zeltdach, das man von den Thurn und Taxis-Festspielen kennt. Wir hatten eine Rückwand eingebaut, so dass wir uns sehr gut gehört haben und wunderbar singen konnten.

Was war der entscheidende Unterschied zwischen Ihrem Auftritt im Oktober in Rom und jetzt?

Das Schöne auf dem Petersplatz war, dass wir nur 30 Meter vom Altar entfernt standen. In Regensburg war die Musikerbühne dagegen sehr weit weg, was ich persönlich unsinnig und schade fand. Andererseits habe ich den Eindruck gehabt, dass die Musik rüber kam, auch wenn wir die Pilger mehr von hinten gesehen haben.

Michael, was war für dich der Unterschied zwischen Rom und Regensburg?

Michael Geitner: Damals waren wir beim Papst und jetzt war er bei uns. Beide Auftritte waren klasse. In der Sixtinischen Kapelle war es noch einen Tick besser, weil wir fast allein mit ihm waren.

Wie war die Stimmung auf dem Feld?

Alle haben leidenschaftlich mitgesungen. Ich glaube, dass es allen gefallen hat.

Herr Büchner, in Altötting kritisierten Pilger, dass die Musik an Sandalenfilme erinnere. Als das Papamobil über das Feld fuhr, erklang wieder eine Trompeten-Pauken-Mischung wie aus einem Gladiatorenfilm. Passt das zu dem bescheidenen Papst Benedikt?

Büchner (lacht): Trotz allem ist er Papst und wenn der auftritt, dann muss es auch ein bisschen krachen.

Herr Stoiber, die Orgel ließ es kaum krachen. Welches Instrument haben sie gespielt?

Stoiber: Auf einer Wiese kann man natürlich nur eine elektronische Orgel spielen. Aber ich hab’s sehr genossen, trotz der elektronischen Orgel.

Was war für Sie der Höhepunkt des Gottesdienstes?

Das Halleluja, das ich komponiert habe, war natürlich für mich der Höhepunkt. Die Chöre haben ihre Sache sehr gut gemacht, das war für mich sehr bewegend.

Herr Dostal, Ihr Lied „Wer glaubt, ist nie allein“ hat die Messe eröffnet, wie haben Sie diesen Moment erlebt?

Dostal: Darauf habe ich mich ein halbes Jahr lang gefreut. Als ich das Lied geschrieben habe, war noch nicht klar, dass es im Gottesdienst überhaupt aufgeführt wird.

Der Papst hat ein wenig mitgesungen. Haben Sie mit ihm geübt?

Um Gottes Willen (lacht). Er ist aber Abonnent der MZ, die das Lied veröffentlich hat und vielleicht hat es ihm sein Bruder, der bei den Proben dabei war, vorgesungen.

Wird das Lied über den Tag hinaus Bestand haben?

Mit Sicherheit. Es ist sogar in Norddeutschland auf positive Resonanz gestoßen. Mittlerweile gibt es auch eine Version auf Aachener Platt. In dem Lied geht es doch in erster Linie um etwas Inhaltliches, es ist eben nicht bloß für ein Event gemacht.

In der Messe fehlten die bei Jugendlichen beliebten „Neuen Geistlichen Lieder“. Haben sie darauf verzichtet, weil der Papst kein Fan dieses Liedgutes ist?

Natürlich glauben wir, dass wir ihm mit der Musikauswahl entsprochen haben. Der Verzicht auf diese Lieder war eine Grundsatzentscheidung. Diesen ganz anderen Stil konnte man schlecht in unser Konzept einbauen. Denn viele „normale“ Gottesdienstbesucher kennen sie nicht. Wir aber wollten, dass alle mitsingen können.

Herr Kroll, was bedeutet es für einen Protestanten, für den Papst zu singen?

Kroll: Es war für mich eine große Ehre. Fasziniert war ich vom hohen Niveau des Vortrags; das war ein intellektuelles Vergnügen. Dabei spürte man immer auch die große Bescheidenheit dieses Mannes.

Gab es anerkennende Worte vom Papst?

Er ist unheimlich freundlich gewesen. Er kam gleich auf mich zu, gab mir die Hand und hat mich mit „Herr Kroll“ angesprochen. Man hatte das Gefühl, das ist ein Mann, der hört uns gerne zu. Beim Rausgehen ließ er uns durch den Rektor bestellen, wie gut es ihm gefallen hat.

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