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Papstbesuch

Islam-Schelte bei Rede an der Uni

Die Rede des Papstes an der Universität Regensburg hat international Aufsehen erregt, doch droht ihm nun eine Fatwa?
Matthias Hoenig und Peer Meinert

Seine Vorlesung schlägt schon international Wellen. Foto: Archiv
Seine Vorlesung schlägt schon international Wellen. Foto: Archiv

Regensburg.Dass Papst Benedikt XVI. dem Dschihad, dem Heiligen Krieg im Islam, eine Absage erteilte, hat den „Heimatbesuch“ in Bayern noch einmal spektakulär in die Welt getragen. „Papst Ratzinger exkommuniziert das Schwert Mohammeds“, schrieb die römische Zeitung „La Repubblica“ gestern.

„Wehe dem, der den Glauben gegen die Vernunft und gegen Gott aufzwingen will“, spitzte die Zeitung die Islam-Schelte Joseph Ratzingers zu. Er hatte den Vortrag in der Universität Regensburg gehalten, wo er früher Dogmatik lehrte. Der Papst hatte aus einem historischen Dialog des Kaisers Manuel II. Phaleologus mit einem gebildeten Perser über das Christentum und den Islam zitiert – geführt im Winterlager zu Ankara 1391 und vom Kaiser aufgezeichnet – wohl ein paar Jahre später während der Belagerung Konstantinopels (1394-1402).

Es geht darin um die zentrale Frage nach dem Verhältnis von Religion und Gewalt, und Ratzinger zitiert – für heutige Moslems womöglich provozierend – den Kaiser: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten. Gott hat keinen Gefallen am Blut.“

Unterschied im Gottesbild als große Gefahr

Und Ratzinger fasst mit eigenen Worten zusammen: Nicht vernunftgemäß zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider. „Für die moslemische Lehre hingegen ist Gott absolut transzendent. Sein Wille ist an keine unserer Kategorien gebunden und sei es die Vernünftigkeit.“ Den Unterschied im Gottesbild zwischen Christentum und Islam sieht der Papst als große Gefahr: „Hier tut sich ein Scheideweg im Verständnis von Gott und so in der konkreten Verwirklichung von Religion auf, der uns heute ganz unmittelbar herausfordert.“

Auf aktuelle Weltkonflikte, etwa Nahost oder den internationalen Terrorismus, ging Benedikt XVI. in dem akademischen Vortrag über das Verhältnis von Glaube und Vernunft von der Antike bis zur Gegenwart nicht mit einem Wort ein. Beobachter in Rom sehen dennoch einen neuen Ton des katholischen Kirchenoberhauptes im Umgang mit dem Islam.

Ratzinger dürfte mit dem „Blitzstrahl dieses antikoranischen Zitats“ („La Repubblica“) wenige Monate vor seinem Besuch in der Türkei für Aufregung in der islamischen Welt sorgen. Und dass der Papst zudem auf eine Sure aus dem Koran verwies, wonach „kein Zwang in Glaubensfragen“ ausgeübt werden dürfe, macht die Sache nicht weniger brisant. Der Tübinger Theologe Hans Küng sieht in der islamischen Welt Auswirkungen des Papst-Referats: „Diese Äußerungen werden wohl von vielen Muslimen nicht positiv aufgenommen werden und bedürfen dringend der Differenzierung.“

Ratzinger scheut sich nicht, das Wort Islam zu erwähnen

Auch die römische Zeitung „Corriere della Sera“ beschäftigte sich gestern intensiv mit der Regensburger Rede des Papstes. Joseph Ratzinger habe sich nicht gescheut, das Wort Islam zu erwähnen. Er habe sich gedrängt gesehen, vom Obersten Propheten zu sprechen, Suren des Korans zu zitieren und dabei eine „pazifistische“ Lesart zu Gunsten der so genannten „gemäßigten Muslime“ zu entwickeln.

Das, so befürchtet der Kommentator der Zeitung, könne jedoch die Entrüstung der radikalen islamischen Flügel hervorrufen. Denn für diese sei es nicht hinnehmbar, dass ein „Ungläubiger“, und sei es auch der Papst, den Gläubigen Allahs Lehren erteilen darf. „Ist eine Fatwa gegen Papst Benedikt XVI. in Sicht?“, fragt sich der „Corriere della Sera“ besorgt. Angesichts der heutigen Zeiten und des heutigen Klimas sei das nicht auszuschließen. Eine Fatwa, also ein islamisches Rechtsgutachten, war 1988 gegen den britischen Schriftsteller Salman Rushdie ausgesprochen worden. Die Fatwa hatte wegen angeblicher Gotteslästerung zum Mord an dem Autoren aufgefordert.

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