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Papstbesuch

Keine Extrawürste für den Papst

Herbert Schmalhofer bekocht den Pontifex im Priesterseminar, die Speisenfolge bleibt jedoch geheim.

Herbert Schmalhofer am eigenen Herd im Bischofshof am Dom: Während des Papst-Besuchs kocht er im Priesterseminar St. Jakob für den Pontifex und sein Gefolge. Er weiß: „Der Papst isst gern bayerisch.“ Foto: altrofoto.de
Herbert Schmalhofer am eigenen Herd im Bischofshof am Dom: Während des Papst-Besuchs kocht er im Priesterseminar St. Jakob für den Pontifex und sein Gefolge. Er weiß: „Der Papst isst gern bayerisch.“ Foto: altrofoto.de

Regensburg.Schmalhofer war einst der Leibkoch der Thurn und Taxis und ist heute eine Institution als Chef im Bischofshof am Dom und im Restaurant „David“. Früher hatte er den Dogmatik-Professor Joseph Ratzinger und dessen Bruder, Domkapellmeister Georg Ratzinger, häufig am Sonntag nach dem Gottesdienst zu Gast. Der spätere Papst bestellte gern Mehlspeisen, liebte einen feinen Tafelspitz, freute sich überhaupt an bodenständiger, bayerischer Küche und war vor allem: „sehr bescheiden“, erzählt Schmalhofer.

Nicht viel anders als früher wird der Speisezettel jetzt im Priesterseminar St. Jakob aussehen, wo der Pontifex gestern Abend mit seinem ungefähr 40-köpfigen Gefolge das erste Mahl eingenommen hat. Also: eher Braten und Strudel statt Hummer oder Trüffel.

Die Vorschlagsliste für das Essen entwarf die Küchencrew gemeinsam; von Benedikt XVI. selbst kamen keinerlei Vorgaben. Die Menüfolge bleibt Privatsache, vorab zumindest. Das Team einigte sich stillschweigend, mit Details nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, verdeutlicht Schmalhofer. Er verrät nur: Der Papst wünscht keine Extra-Würste. Er isst, was alle Gäste essen. Und: Benedikt XVI. kommt selbstverständlich ohne Vorkoster aus.

Drei Tage im „Exil“

Schmalhofer wird drei Tage lang „im Exil“ am Bismarckplatz schnippeln, brutzeln und abschmecken. Mit zwei Mitarbeitern und dem Team von St. Jakob stellt er die Versorgung der vatikanischen Delegation sicher. Frühstück, Mittag- und Abendessen für rund 40 Menschen – das erfordert großen logistischen Aufwand. In den Kühlräumen und Lagern am Schottenkirchen-Komplex wurden vorab Lebensmittel gebunkert, die Frischware kam zum letztmöglichen Termin – bevor in Regensburg wegen des Pilgeransturms und des Sicherheitskatalogs weiträumig gesperrt wurde. Schmalhofer: „Ich bin sicher: Ausgehen wird uns nichts.“

Im Bischofshof selbst wird Hochbetrieb herrschen. Das ganze Hotel ist von Gästen der Kirche gebucht und in der Gaststätte werden vor allem nach der Vesper im Dom heute Abend viele Gläubige einkehren wollen. Die Mitarbeiter haben, wie in vielen anderen Regensburger Lokalen und Läden auch, immer eine Arbeitsbestätigung in der Tasche, um durch die Absperrungen zu kommen, und übernachten teilweise bei Kollegen, weil sie sonst heute keine Chance hätten, ihren Arbeitsplatz zu erreichen.

Terminplan ist auf die Minute getaktet

Schmalhofer und seine Mitarbeiter zählen zu den ganz, ganz wenigen Menschen außerhalb des Papst-Gefolges, die zur Zeit Zugang zu St. Jakob haben. Vorab wurden sie amtlich „durchleuchtet“ und mussten sich einem Sicherheitscheck unterziehen.

Das Seminar, das ja nicht nur Priester-Anwärter versorgt, sondern etwa auch Tagungen ausrichtet und zeitweise fast als eine Art kirchlicher Hotelbetrieb fungiert, ist ausgezeichnet ausgestattet. Schmalhofer schwärmt: „Eine perfekt eingerichtete Küche. Da ist alles vorhanden.“ Und das Team vor Ort sei äußerst kompetent. Alle eine der Wunsch: Dem Heiligen Vater die Tage in der Heimat so angenehm wie möglich zu machen.

Der Terminplan des Pontifex ist auf die Minute getaktet. „Natürlich möchte man da, dass er es bei den Mahlzeiten schön hat, dass man ihm eine Freude macht“, sagt Schmalhofer. Er freut sich auf die ehrenvolle Aufgabe, den Mann zu bekochen, der die Maßstäbe für die 1,1 Milliarden Katholiken in aller Welt setzt.

Mit einer persönlichen Begegnung rechnet der Küchenchef nicht. „Wenn sich die ergäbe, wäre das wunderschön. Aber so, wie es aussieht, bin ich in der Küche und der Papst am Tisch. Das ist auch ganz richtig so“, sagt er. „Wenn ich sehe, wer jetzt aller glaubt, sich mit einem Anliegen an den Papst wenden zu müssen, dann denke ich mir: Der arme Mann. Sein Tag hat ja auch nur 24 Stunden. Ich finde, sein bisschen persönliche Zeit darf man nicht stören.“

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