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Papstbesuch

Orgel-Wunder in Regensburg wird wahr

Stiftsorganist erfüllt dem Papst einen Wunsch: „Der Papst hat mir gesagt, er würde gern ausgiebig die neue Orgel hören.“
Harald Raab

Norbert Düchtel, Stiftsorganist der Basilika zur Alten Kapelle in Regensburg, erfüllt Benedikt XVI. einen Wunsch. Foto: dpa
Norbert Düchtel, Stiftsorganist der Basilika zur Alten Kapelle in Regensburg, erfüllt Benedikt XVI. einen Wunsch. Foto: dpa

Regensburg.Der Papstbesuch in Regensburg: Für die meisten wird er ein Event, für viele immerhin noch ein religiöses Ereignis sein. Für einen aber werden es auf jeden Fall wenigstens zehn Minuten intensivst erlebten Glücks – mit langem Vorlauf und lebenslanger Erinnerung. Für Norbert Düchtel, den Stiftsorganisten der Basilika zur Alten Kapelle wird ein Wunder wahr.

Papst Benedikt weiht heute um 11Uhr die ihm zugedachte Orgel in der berühmten Rokoko-Kirche ein. Und Düchtel spielt extra für den Heiligen Vater, der vor dem Altar mit Blickrichtung zur Orgel sitzen wird. Was, das verrät der glückliche Organist noch nicht. Nur so viel: Er hat ein Stück von Johann Sebastian Bach ausgewählt, gemeinsam mit dem Papstbruder, Ex-Domkapellmeister Georg Ratzinger, und anderen Orgelspezialisten. „Nicht einfach war das“, verrät der Musiker. „Wir haben aus 50 Stücken die Auswahl getroffen. Es gibt ja auch bei Bach kaum etwas, das nur zehn Minuten dauert. Mehr hat uns das strenge Protokoll nicht zugestanden.“

Hat der Papst nicht selbst einen Wunsch geäußert? Tatsächlich ist Düchtel am 17. April bei einer Audienz in Rom dabei gewesen. Düchtel: „Ich habe den Heiligen Vater gefragt. Er hat mir lächelnd geantwortet, er würde nur gern ausgiebig die neue Orgel in der Alten Kapelle hören wollen.“

Der Heilige Vater lächelte

Das mit dem Wunder hat natürlich selbstverständlich einflussreiche irdische Helfer gehabt. Als vor zwei Jahren Hubert Schöner zum Stiftsdekan geweiht worden ist, waren die Ratzinger-Brüder (Joseph Ratzinger damals noch Kardinal) in der Alten Kapelle dabei. Der Papst ist ein alter Duzfreund Schöners. Als die Gedenkstiftung Peter Kaiser aus Vaduz im Fürstentum Liechtenstein ihren Sponsoring-Betrag zum Orgelbau erheblich aufzustocken versprach, wenn das Instrument dem neuen Papst geweiht würde, war das Einverständnis aus dem Vatikan selbstredend schnell eingetroffen.

Wohl 800000 Euro – nix genaues weiß man – hat das Wunder einer neuen Orgel hinter dem glanzvollen Prospekt von 1791 gekostet. Düchtel, der Orgelfachmann par excellence mit Konzerterfahrung in ganz Europa und darüber hinaus, hält das neue Instrument für ein Prunkstück seiner Art auf dem alten Kontinent. Orgelfreunde aus aller Welt würden noch mehr als bisher zu Konzerten und liturgischen Feiern nach Regensburg in die Alte Kapelle kommen. „Das verdanken wir alles unserem Papst“, freut sich Norbert Düchtel.

Freilich, jedes Glück hat seinen kleinen schwarzen Fleck. Als der Stiftsorganist am vergangenen Mittwoch gegen 24 Uhr vom Üben in der Alten Kapelle im Auto heim nach Nittendorf fuhr, wurde er von der Polizei geblitzt. Er wäre halt noch so im Schwung gewesen, dass er vielleicht ein wenig schneller gewesen sein könnte, als es die schnöde irdische Straßenverkehrsordnung erlaubt haben mag, gibt Düchtel zu bedenken. Aber was wäre schon ein Strafzettel gegen seine unbändige Freude.

Düchtel kommt nicht aus einer Organistendynastie

Von einer Gottesgnade spricht der 57-jährige Düchtel, wenn er nach seiner Laufbahn als Musiker gefragt wird. Er habe seine Passion zum Beruf und zum Gotteslob machen können. Obendrein habe ihn die Vorsehung mit einem gesunden Optimismus und viel Disziplin ausgestattet.

An der Wiege in Würzburg war ihm nicht gesungen worden, dass er einmal Professor „für künstlerisches Orgelspiel“ an der Staatlichen Hochschule für Musik in Detmold und Dozent an der Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik in Regensburg werden würde. Dazu ist er amtlicher Orgelsachverständiger der Diözese Regensburg.

Nach Selbstauskunft, kommt Düchtel aus allem anderen als aus einer Organistendynastie wie viele seiner Kollegen: „Ich habe das früher einmal bedauert“, sagt er. „Doch es hat auch etwas Gutes gehabt. Ich musste mir alles hart erarbeiten.“ Sein Vater sei nur „leidenschaftlicher Radiospieler“ gewesen. Die Mutter habe Klavier gespielt, aber nur so für den Hausgebrauch. Doch sie habe ihm sehr früh schon Klavierunterricht erteilen lassen. Ministrant war er dazu. Und als einmal der Organist bei den Karmeliten in Würzburg krank geworden war, musste er als Elfjähriger am Harmonium einspringen. „Es war fürchterlich“, erinnert sich der Organist heute an sein Debüt.

Musikstudium mit 15 Jahren

Mit 13 Jahren hospitierte er am Würzburger Staatskonservatorium für Musik, wo er als 15-Jähriger den Status eines Vollzeitstudenten bekommen hat. Und das wohlgemerkt neben seinen Schülerpflichten im Gymnasium. 1978 legte er seine Künstlerische Staatsprüfung im Konzertfach „Virtuoses Orgelspiel“ an der Hochschule für Musik in München ab. Seit 1979 unterrichtet er an der Regensburger Musik-Hochschule und seit 1988 dazu in Detmold. Seit 1985 hat er das ehrenvolle Amt des Basilikaorganisten an der Alten Kapelle inne.

Den seinen gibt’s der Herr zwar nicht im Schlaf, aber er befähigt sie dazu, ihre Zeit im vollen Maß auszuschöpfen. Düchtels Konzerttätigkeit als Organist und Cembalist wie auch Rundfunk- und TV-Aufnahmen, sowie CD-Einspielungen führten ihn von Rom bis Neapel, von Budapest bis Madrid, von Toulouse bis Lubljana und auch nach Bogotá in Kolumbien.

Musik ist sein Leben. Und das kann man mit Fug und Recht ein erfülltes nennen. Norbert Düchtel, der höchst musische Mensch, der in seiner knapp bemessenen Freiheit gern zur Entspannung ein Kochbuch liest, hat seinem Herrgott nicht nur viel, sondern alles zu verdanken – und natürlich seiner Frau, die ihm nicht nur ein erfülltes Familienleben führen hilft. Wenn er zu Ehren des Heiligen Vaters die Orgel spielen wird, sitzt sie daneben und blättert die Noten um.

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