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Papstbesuch

Papst betet am Grab seiner Eltern

Privater Tag für Benedikt XVI., er besucht sein Wohnhaus in Pentling und die Gebetsstätte seiner Eltern.

Papst Benedikt XVI. besucht in Begleitung seines Bruders Georg Ratzinger am Mittwoch das Grab seiner Eltern auf dem Ziegetsdorfer Friedhof bei Regensburg. Foto: dpa
Papst Benedikt XVI. besucht in Begleitung seines Bruders Georg Ratzinger am Mittwoch das Grab seiner Eltern auf dem Ziegetsdorfer Friedhof bei Regensburg. Foto: dpa

Regensburg.Tag des privaten Abschieds: Papst Benedikt XVI. hat gestern in Regensburg am Grab seiner Eltern und seiner Schwester still gebetet. Der Besuch auf dem Friedhof mit seinem Bruder Georg (82) gehörte zu den bewegenden Höhepunkten des weitgehend privat gestalteten Tages von Joseph Ratzinger (79). Ein Mittagessen bei seinem Bruder und eine Visite im früheren Wohnhaus in Pentling standen ebenfalls auf dem Programm.

Am Vormittag hatte es mit der Weihe der neuen Benedikt-Orgel in der prächtigen Rokokokirche zur Alten Kapelle noch einen offiziellen Termin im Rahmen der sechstägigen Pastoralreise des katholischen Kirchenoberhauptes gegeben. Bei der Orgelweihe verglich der Papst die Stimmigkeit der Orgelpfeifen mit der kirchlichen Gemeinschaft: „Wie in der Orgel eine berufene Hand immer wieder die Disharmonien zum rechten Klang vereinen muss, so müssen wir auch in der Kirche in der Vielfalt der Gaben und der Charismen immer neu durch die Gemeinschaft des Glaubens den Einklang im Lob Gottes und in der geschwisterlichen Liebe finden.“

Zum Mittagessen ging Benedikt dann zu Fuß zum nahe gelegenen Wohnhaus seines Bruders in der Innenstadt. Mit einigen persönlichen Weggefährten speiste der Papst und gönnte sich dann eine kleine Ruhepause. Im Haus seines Bruders machte er bis zu seiner Wahl zum Papst drei Mal im Jahr einige Tage Urlaub.

Pentlinger versammelten sich an Ratzingers Haus

Am Nachmittag fuhren die Brüder Ratzinger zum Friedhof im Stadtteil Ziegetsdorf. Dort verharrte der Papst im privatesten und berührendsten Moment seines Heimatbesuches mehrere Minuten betend am Grab seiner Eltern und der Schwester. Es war mit einem Strauß aus weißen Lilien, der Lieblingsblume von BenediktXVI., und roten Rosen geschmückt. Nach einem Blick in die dortige Pfarrkirche fuhren die Brüder nach Pentling weiter, wo sie sich in das Wohnhaus von Joseph Ratzinger zurückzogen, das dem Papst noch immer gehört.

Mehrere dutzend Bewohner Pentlings hatten sich dort versammelt. Benedikt XVI. ging spontan auf seine ehemaligen Nachbarn zu und begrüßte sie. Er nahm sich ausgiebig Zeit für Gespräche. Im Haus stärkten sich die Brüder nach einem Spaziergang im Garten noch mit einem kleinen Imbiss. Nach rund drei Stunden kam der Papst in der Dämmerung zum letzten Mal vor sein Haus und bedankte sich bei den Einheimischen für die stets gute Nachbarschaft: „Vergelt’s Gott“. Danach fuhr er zusammen mit seinem Bruder wieder ins Priesterseminar zurück.

Pontifex hat sich in keinem Punkt geändert

Indessen hat der Tübinger Theologe Hans Küng ein kritische Bilanz des Papst-Besuchs in Bayern gezogen. Er habe einen zwiespältigen Eindruck, sagte Küng. „Benedikt XVI. hat keine der Hoffnungen reformorientierter Katholiken erfüllt.“ Der katholische Theologe und Kirchenkritiker Eugen Drewermann hat dem Papst geistige und geistliche Unbeweglichkeit vorgeworfen. Auch während des Besuchs in Bayern habe sich gezeigt, dass der Pontifex sich in keinem Punkt geändert habe.

Unterdessen laufen die Ermittlungen der Polizei nach einer Sicherheitspanne beim großen Gottesdienst am Dienstag in Regensburg weiter. Ein junger Mann war auf den Altarhügel am Islinger Feld zugestürmt, auf dem der Papst die Messe zelebrierte. Die Sicherheitskräfte überwältigten den Mann, ließen ihn aber später wieder laufen, ohne seine Identität zu klären.

Heute Vormittag wird der Papst mit dem Hubschrauber von Regensburg nach Freising fliegen, wo seine Bayern-Reise mit einem Besuch der Domstadt zu Ende geht.

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