MyMz
Anzeige

Papstbesuch

„Papst-drive-in“ am Papsthaus

Der Rummel um den Papstbesuch wird bald unerträglich, doch wie begrüßt man Papst Benedikt XVI.?

Inzwischen richtig berühmt: Hausmeister Rupert Hofbauer vor dem Wohnhaus seiner Heiligkeit in Pentling Foto: MZ-Archiv/altrofoto.de
Inzwischen richtig berühmt: Hausmeister Rupert Hofbauer vor dem Wohnhaus seiner Heiligkeit in Pentling Foto: MZ-Archiv/altrofoto.de

Pentling.Der Papst kommt! Ist Pentling, lange die wahre Heimat seiner Heiligkeit, fein herausgeputzt? „Pentling ist immer schön. Wir brauchen uns nicht rausputzen“, sagt Bürgermeister Albert Rummel (52) und lacht an diesem strahlenden Samstag um 11 Uhr. Schnell steigt er am neuen Rathaus mit anderen in den Bus nach München. Alle wollen den Papst begrüßen, sobald der landet und deutschen Boden betritt.

Um Benedetto gebührend empfangen zu können, wollten Albert Rummel und seine 19 mitreisenden Pentlinger weiß-blaue Fähnchen schwenken und ein Transparent entrollen. „Pentling grüßt seinen Mitbürger Papst Benedikt XVI.“, hieß es da. Rund um die Grußadresse waren bunte Hände zu sehen. Pentlinger Kindergartenkinder hatten das Transparent mit ihren Handabdrücken geschmückt.

„In freudiger Erwartung“

Straßen und Gassen sind gefegt. Die Filialkirche St. Johannes ist renoviert. „Viele Pentlinger sind in freudiger Erwartung“, sagt Rathauschef Rummel zum MZ-Reporter. An manchen Hausfassaden sieht man Fähnchen. In einem offenen Fenster hängt ein dickes Herz. Alle harren der Dinge, die da kommen sollen. Zu den Papst-Fans vor Ort gehört auch Karin Winner. „Der Papst ist ein bescheidener und demütiger Mann. Er hat wunderbar gepredigt“, erinnert sich die Hausfrau. „Ich wünsche ihm viel Gesundheit und Kraft, auch etwas Privatleben hier in seiner Heimat.“

„Das ist doch ungehörig“

Vor dem Papsthaus unweit des „J. Ratzinger-Gangls“ hängt eine Fahne mit den Vatikan-Farben weiß und gelb. Verrückt macht sich in der 6000-Seelen-Gemeinde niemand. Der Papst ist seit 1969 Bürger von Pentling und dank seiner Leutseligkeit und Liebenswürdigkeit gut bekannt. Allerdings fällt den Pentlingern der Touristen-Rummel auf die Nerven. „Wir erleben hier den reinsten Papst-drive-in“, klagt Paul Kottmann (44).

Der Braumeister lebt mit seiner Familie in einer Sackgasse in nächster Nachbarschaft zum Papst. Täglich kommen mehr Touristen. Aber nicht alle steigen aus, um sich Haus und Garten anzuschauen. „Viele Autofahrer kurbeln nur das Fenster runter, machen Fotos und fahren weg“, schimpft Paul Kottmann. Ihn nervt das permanente Foto-Shooting. Er ärgert sich auch über Krach und Abgase und sagt: „Das ist doch ungehörig.“

Zu den Opfern des steigenden Interesses gehört auch Rupert Hofbauer. Der Ex-Feuerwehrmann (62) kümmert sich mit seiner Frau Therese rührend um das Anwesen von Joseph Ratzinger, vormals Professor und Kardinal, nun Papst. Derzeit nimmt Hofbauer ständig Post für den Papst an – Bittbriefe, Bücher, Bierkrüge. Die Absender wollen, dass Benedikt XVI. alles signiert. Inzwischen kommen sogar schon Busse mit Neugierigen. „Ich muss um 6Uhr aufstehen“, klagt der Hausmeister sein Leid. Sicherheitshalber ist die Polizei ständig vor Ort. Zwei blaue Toilettenhäuschen sind inzwischen aufgestellt, bald sollen zwei Zelte folgen.

Berühmt wurde Hofbauer, als er die „Wasserklau-Aktion aus dem päpstlichen Gartenschlauch“ auffliegen ließ und Strafanzeige gegen die Täter erstattete. Vermummte hatten Wasser aus dem Papst-Garten in Flaschen abgefüllt. Sie wollten das Wasser vermutlich per Internet verhökern. Regensburger Staatsanwälte ermitteln. Es geht um Hausfriedensbruch und Diebstahl. Inzwischen hat Hofbauer auch die im Vatikan ausgestellte Ermächtigung in Händen. Tenor des Einschreibens: Sie sind berechtigt, im Namen des Papstes Strafanzeigen zu stellen.

„Papst wird nicht gestochen“

„Früher war der Papst-Garten ein halber Urwald. Inzwischen hat sich das Biotop hinter dem Privathaus des Papstes am Mitterweg zur gepflegten Gartenanlage gemausert. „Der Heilige Vater wird sprachlos, er wird fasziniert sein“, glaubt Martin Krauss. Der Berufsschullehrer aus Weiden hat mit Schülern Holz-und Drahtzäune, insgesamt 80 Meter, erneuert. Er hat vier Lkw-Ladungen mit Humus im Garten verarbeitet und Blumen gepflanzt.

Um dem Pontifex eine Freude zu machen, spendierte der Hildegard-Verein in Neumarkt 170 Töpfe mit blühenden rosa Rosen. Die Rose ist laut Hofbauer die Lieblingsblume des Papstes. Allerdings werden die Rosen nicht lange am Boden zwischen all den anderen Blumen wie Geißbart und Japan-Anemone/Typ „Wirbelwind“ stehen. Sobald der Papst abgereist ist, nimmt der Hildegard-Verein die 170Rosenstöcke an sich.

Ja, der Papst wird seinen Garten nicht wiedererkennen! Dafür hat auch der päpstliche Hausmeister gesorgt. Er baute eine runde Bank um einen Baum, ersetzte zwei lockere Stufen am Gartentor und legte auch sonst überall Hand an. Dass im Garten immer noch ein Bienenstock steht, stellt angeblich kein Sicherheitsrisiko dar: „Der Papst wird sicher nicht gestochen“, ist sich Hofbauer absolut sicher. Notfalls stehen Schutzengel parat.

„Herzlich willkommen daheim, Heiliger Vater. Dieser Strauß ist von Ihren Nachbarn für Sie.“ Exakt mit diesen Worten wird die elfjährige Daria im Auftrag aller Nachbarn seine Heiligkeit am „privaten Tag“ des Papstes, das ist der 13. September, begrüßen und Sonnenblumen übergeben. Die Schülerin ist schon ganz aufgeregt und überlegt, ob sie die Sonnenblumen mit oder ohne Knicks überreicht. Werden Nervosität und Lampenfieber zu groß, muss die ältere Schwester Sarah (16) einspringen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht