MyMz
Anzeige

Papstbesuch

Papst-Predigt für Herz und Verstand

Benedikt XVI. wurde auf dem Islinger Feld begeistert empfangen, auch von Gästen, die aus Australien angereist sind.
Christine Schröpf

Warten auf den Pontifex: Schon in der Nacht trafen die ersten Pilger auf der Papst-Wiese ein. Foto: Schönberger
Warten auf den Pontifex: Schon in der Nacht trafen die ersten Pilger auf der Papst-Wiese ein. Foto: Schönberger

Regensburg.Ein Papst für die Herzen und für den Verstand: Benedikt XVI. wird in Regensburg von den Gottesdienstbesuchern mit großer Wärme empfangen. Beifall brandet auf, als „Benedetto“ nach der Fahrt mit dem Papamobil kurz nach zehn Uhr im gold-weißen Gewand auf die Altarinsel schreitet. Der goldene Altar glitzert. Der Himmel zeigt sein strahlendstes Blau. Dann ertönen die ersten Töne des Bistumsliedes „Wer glaubt, ist nie allein“, das an das Motto der Pastoralreise anknüpft. Es ist der Auftakt für ein heiteres Glaubensfest in der größten Freiluftkathedrale Ostbayerns. Für Generalvikar Michael Fuchs ist es „ein Stück vom Himmel, ein Stück vom Paradies“. Bischof Gerhard Ludwig Müller bedankte sich bei Benedikt für das Geschenk seines Besuches. Er führe „die Herde Gottes auf die Weide der Worte.“

„Leben nicht verschleudern“

In seiner Predigt schlägt der Papst eine Brücke zwischen Glauben und Vernunft. „Seit der Aufklärung arbeitet wenigstens ein Teil der Wissenschaft emsig daran, eine Welterklärung zu finden, in der Gott überflüssig wird.“ Ein Versuch, der zum Scheitern verurteilt sei. „Immer wieder zeigt sich: Die Sache mit den Menschen geht nicht auf ohne Gott.“

Die Neuevangelisierung ist „Bendetto“ wie zuvor in München und Altötting das wichtigste Anliegen. Der Mensch müsse sich die zentrale Frage stellen, ob am Anfang allen Lebens die schöpferische Vernunft stehe, „der Schöpfergeist, der alles wirkt und sich entfalten lässt“, oder das Unvernünftige, das sonderbarerweise einen mathematisch geordneten Kosmos hervorbringe und auch den Menschen und seine Vernunft. Diese Vernunft wäre dann aber, das gibt er als Denkaufgabe den Pilgern mit auf den Weg, „nur ein Zufall der Evolution und im Letzten also doch auch etwas Unvernünftiges“.

Benedikt XVI. mahnt die Gläubigen, Verantwortung für die Welt zu übernehmen, erinnerte an das letzte Gericht. „Der Glaube will nicht Angst machen, sondern zur Verantwortung rufen. Wir dürfen unser Leben nicht verschleudern, nicht missbrauchen, nicht für uns selber nehmen. Unrecht darf uns nicht gleichgültig lassen, wir dürfen nicht seine Mitläufer oder sogar Mittäter werden.

Andächtige Stille herrscht auf dem Feld. „Benedetto“-Chöre, die sonst häufig die Messen des Papstes unterbrechen, sind in Regensburg seltener zu hören, verhallen ein bisschen auf dem großen Feld. Von einem „in sich hineinhören“, spricht Generalvikar Fuchs. Zu den Höhepunkten der Messe zählt auch die Gabenbereitung. Der Vorsitzende des Diözesankomitees, Philipp Graf von und zu Lerchenfeld, übergibt mit seinen Vorstandskollegen Michael Meier und Ingrid Wagner an den Papst eine Wolfgangsstatue. „Wir wollen Ihnen das Bistum zu Füßen legen“, sagt er dem Heiligen Vater. Benedikt XVI. spendet später 50 ausgewählten Personen die Kommunion. Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU), durch einen Fußbruch gehandicapt, humpelt auf Krücken die Stufen zum Altar hoch. Der Papst legt ihm die Hand auf die Schulter. Auch der früherere Bundestagsabgeordnete Benno Zierer, der Direktor der Liga-Bank Walter Alt, MMC-Präfekt Markus Spitzer und der früherer Sprecher des Bistums Regensburg, Dominik Wanner, empfangen vom Papst die Hostie. Es wurden zudem Menschen bestimmt, die schwere Krankheiten oder Schicksalsschläge bewältigen müssen. Dieser besondere Moment sollte ihnen Kraft geben, so Fuchs.

Pilger aus 14 Nationen

20 Kinder schmücken danach das Gnadenbild der Schutzmantelmadonna auf der Altarinsel mit Blumen. Jonas (11) und Lukas (8), die Söhne von Paul Höschl, sind darunter. Der Bistums-Baudirektor hat die Gestaltung des Altarraums koordiniert. Seine Jungs waren schon am Morgen ziemlich aufgeregt. „Normalerweise sind sie richtige Schlafmützen, aber heute sind sie gleich raus aus dem Bett.“ Der Papst verabschiedet sich anschließend von den Regensburgern, ruft den Segen auf sie herab. Er dreht sich mehrmals um. „Ich habe das Gefühl gehabt, er wollte noch einmal alle umarmen“, so der Generalvikar.

Pilger aus 14 Nationen sind nach Angaben des Bistums zum Gottesdienst gekommen. Polizei und Bistum sprachen am Abend in einer Schätzung von 230000 Menschen. Allein 7000 Gläubige waren aus Tschechien angereist. Außerdem hatten sich 500 Pilger aus Polen, 500 Pilger aus Österreich und knapp 100 Pilger aus Frankreich registrieren lassen. Einige waren sogar aus Sidney (Australien) und Kalifornien (USA) gekommen.

„Glaube bedeutet mir alles“

Um Mitternacht waren die ersten Pilger auf das Gelände geströmt, gegen vier Uhr morgens hatten sich viele tausend Menschen versammelt. „Herzlich willkommen in der alten Heimat. Die Ministranten aus Luhe grüßen Papst Benedikt XVI.“ steht auf einem Transparent mit dem Papstwappen, das Christian Käs und Magdalena Kick (beide 11 Jahre alt) nach oben halten. „Es ist schön, dass ich bei allem dabei bin“, sagt der Bub. Schwester Justa (67), Stationshelferin in der Unfallchirurgie des Krankenhauses Schwandorf, hält ein weiß-gelbe Vatikanfahne in einer Hand. Trotz eines längeren Fußmarsches zum Feld ist sie nicht müde. „Das macht die Freude, da ist man nicht erschöpft.“ Vom Papst erhofft sie sich, „dass er uns im Glauben stärkt und dass sein Besuch Früchte bringt für unser Land. Ich könnte nicht leben ohne den Glauben, er bedeutet mir alles.“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht