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Papstbesuch

Schweizer Garde hielt Papst zurück

Pentlinger Bürger hofften vergeblich auf Händedruck vom Papst, Schuld daran hat die Schweizer Garde.

Schweizer Garde verwehrt Pentlingern den Händedruck des Papstes. Foto: dpa
Schweizer Garde verwehrt Pentlingern den Händedruck des Papstes. Foto: dpa

Regensburg.Der kleinen Melanie laufen die Tränen über die Wangen. Stundenlang hat sie vor dem Feuerwehrgerätehaus in Pentling auf Papst Benedikt XVI. gewartet. Doch ihre Hoffnungen, sowie die tausender weiterer Schaulustiger, werden gestern Abend nicht erfüllt. Papst Benedikt fährt an der winkenden Menschenmenge vorbei, ohne noch einmal Hände zu schütteln und Kinder zu segnen. „Wir sind traurig, einfach nur traurig“, sagt Caroline Sennebogen aus Hölkering, die eigens noch einen Zwetschgendatschi für den Heiligen Vater gebacken hatte. „Weil er den doch so gerne isst.“ Und auch Bürgermeister Albert Rummel ist enttäuscht. „Aber man muss das auch verstehen, die Sicherheitsbestimmungen sind nun einmal sehr streng.“

Rummel: „Respektieren das“

Bereits zur Mittagszeit hatten sich etwa 200 Menschen vor dem Feuerwehrhaus versammelt, hofften, dass der Papst nicht nur in sein „Häusl“, sondern auch in den Ort kommen würde, um den Pentlingern noch einmal ganz nah zu sein. „Wir wissen nicht, ob er kommt, aber für uns würde ein großer Wunsch in Erfüllung gehen“, sagt der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Pentling, Hans Hopfensperger, der MZ. Immer wieder müssen die Polizisten, die sich bereits im ganzen Ort postiert haben, Fragen von Neugierigen abwehren. „Auch wir werden erst kurzfristig informiert, welche Route der Papst nimmt“, heißt es.

Auch Bürgermeister Albert Rummel weiß nicht, was an diesem für Pentling historischen Tag noch passieren wird. „Wir respektieren, wenn der Papst einen privaten Tag in seinem Haus verbringen möchte“, sagt er am Morgen der MZ. Natürlich hat das Gemeindeoberhaupt auch Verständnis dafür, dass sich die Bürger nichts sehnlicher wünschen, als einen Händedruck oder einen Segen vom Papst. Doch in Pentling werde, wie immer, Zurückhaltung groß geschrieben. „Wir wollen uns nicht aufdrängen. Wir sind einfach nur stolz, dass er zu uns nach Pentling kommt und respektieren seinen Wunsch nach Ruhe.“

Als die ersten Meldungen eintreffen, dass der Papst das Grab seiner Familie in Regensburg-Ziegetsdorf verlassen hat und inzwischen auf dem Weg nach Pentling ist, werden die Menschen zusehends nervöser. „Ich bin seit zwei Stunden hier, erzählt Hilde Holzer aus Obertraubling. Sie hat auch ihre Enkel mitgebracht, die sich die Zeit in der prallen Sonne mit Fangspielen vertreiben.

„Wer glaubt ist nie allein“

Kreisbrandrat Waldemar Knott bringt sich gegen 17 Uhr in Stellung, auch wenn noch immer nicht ganz klar ist, ob der Papst tatsächlich noch eine Runde durch den Ort drehen wird. Denn noch immer deuten weder Absperrbänder noch Polizeisperren auf so etwas hin. „Wer glaubt, ist nie allein“, gibt Knott zur Antwort, ob er auf ein persönliches Zusammentreffen mit dem Papst hoffe. Er sei sich ziemlich sicher, dass es sich der Papst nicht nehmen lasse, noch einmal persönlich mit den Pentlingern in Kontakt zu kommen. Auch Knott hat sich auf diese Möglichkeit vorbereitet und ein Geschenk für den Heiligen Vater im Gepäck.

Weil er keine Zeit fand, um zur Papstmesse auf dem Islinger Feld zu kommen, hat Anton Ruhland aus Kümmersbruck (Lkr. Amberg-Sulzbach) die Reise nach Pentling angetreten. „Ich habe dem Papst am Vormittag vor der Alten Kapelle die Hand drücken können“, erzählt er mit Stolz. Jetzt hofft er noch einmal diese Gelegenheit zu bekommen. „Ihn zu sehen bedeutet mir sehr viel, auch wenn ich noch viel lieber mit ihm die heilige Messe gefeiert hätte.“

Als die Polizei gegen 17.30 Uhr Absperrungen errichtet, kommt erste Nervosität bei den inzwischen mehr als 1000 Menschen auf. Eine Frauengruppe studiert noch einmal das Bistumslied für den Papst „Wer glaubt ist nie allein“ ein. „Wenn er kommt, singen wir es für ihn.“ Feuerwehrkommandant Hopfensperger trifft letzte Vorbereitungen für den hohen Gast und lässt noch einmal den Platz vor dem Feuerwehrhaus reinigen. „Für den Papst soll alles sauber sein.“

Papst wollte Pentlinger grüßen

Immer wieder patroullieren Sicherheitskräfte über den Platz. Der Bayerische Rundfunk schickt wieder Livebilder in alle Wohnzimmer und die Anspannung steigt mit jedem Blaulicht-Fahrzeug an, das die Hölkeringer Straße passiert. Die Altneihauser Feierwehrkapelln und die Kapelle Josef Menzl stimmen gemeinsam den Defiliermarsch an. Jubel brandet auf. Jetzt, so rufen die Menschen, kommt der Papst. Kinder schwenken ihre gelb-weißen Fahnen. Die Feuerwehr hat sich zusammen mit Bürgermeister Albert Rummel direkt an der Zufahrt postiert, um den Papst willkommen zu heißen.

Es ist nur ein Augenblick, in dem die Pentlinger ihrem Ehrenbürger auf Wiedersehen sagen können. Kurz nach 20 Uhr fährt die Limousine mit Papst Benedikt über die Hölkeringer Straße. Sie bleibt nicht stehen. Die Menschen, die sechs Stunden und noch länger gewartet haben, werden nicht belohnt. „Der Papst kann nichts dafür“, berichtet Gemeinderat Josef Eder später der MZ. „Er hat seinen Privatsekretär Georg Gänswein um einen Abstecher zu den Pentlingern gebeten“, erzählt Eder. Die bayerische Polizei wollte dem Papst diesen Wunsch erfüllen, errichtete deshalb Absperrungen und traf Vorbereitungen. Doch die Schweizer Garde lehnte laut Eder aus Sicherheitsgründen ab. „Wir sind einfach nur traurig und enttäuscht, dass Marktl die Gelegenheit zur Begegnung mit dem Heiligen Vater bekam und ausgerechnet seinem Heimatort diese Bitte abgeschlagen wurde“, fasst der Gemeinderat die Stimmung am Abend zusammen.

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