MyMz
Anzeige

Papstbesuch

Tagelang im Dauereinsatz

6500 Landes- und Bundespolizisten sicherten den Papst-Besuch, von der Islinger Messe bis zum Haus in Pentling

Viele Polizeibeamte aus ganz Deutschland wurden zur Sicherung des Papstes nach Regensburg gerufen. Foto: dpa
Viele Polizeibeamte aus ganz Deutschland wurden zur Sicherung des Papstes nach Regensburg gerufen. Foto: dpa

Regensburg.Für den reibungslosen Ablauf des Papstbesuches in seiner alten Heimat Regensburg waren 5000 Landes- und 1600 Bundespolizisten im Einsatz. Ihr Fazit kurz vor der Abreise des Papstes lautet: Alles hat super funktioniert, nahezu keine Vorkommnisse.

„In der Spitze waren 1600 Bundespolizisten im Einsatz“, sagt Johann Rachwalik, Sprecher der Bundespolizei im Medienzentrum auf dem Islinger Feld. Unterstützt wurden sie unter anderem von Kollegen aus dem brandenburgischen Blumberg, dem sächsischen Bad Düben, dem hessischen Hünfeld, aus Deggendorf und Bayreuth. Ihr Einsatzgebiet waren die Bahnhöfe. Die Aufgabe: Die Pilger sicher und in geordneten Bahnen zur Papstmesse zu leiten.

Johann Rachwalik hat die vergangenen Nächte in der Mädchen-Umkleidekabine der Burgweintinger Turnhalle verbracht, damit er es nicht weit zu seinem Einsatzort, dem „Medienzentrum“ auf dem Islinger Feld hat. Die Kollegen schliefen teils bei der Bundeswehr, teils bei den Einsatzabteilungen in Deggendorf oder Schwandorf und auch im Prüfeninger Blindeninstitut.

Positive Bilanz

„Was soll ich sagen, es war nichts“, sagt Rachwalik. Seine Bilanz: Keine zu Schaden gekommenen Personen, nicht einmal Taschendiebstähle. Einzige Vorkommnisse bei der Bahnpolizei waren eine spontane Kundgebung für den Einsatz von Kondomen nahe dem Hauptbahnhof, müde Pilger, die auf dem Rückweg vom Islinger Feld die Gleise überschritten oder den Weg an den Gleisen entlang abkürzen wollten sowie erboste Messe-Besucher, die sich über den Burgweintinger Bahnhof eine Abkürzung zum Hauptbahnhof erhofften. Mit 70000 Bahn-Pilgern hatte man gerechnet. Tatsächlich nutzten nur 14800 die Züge zur Papstmesse.

„Vielfach waren wir präventiv im Einsatz“, betont Rachwalik. „Sei es durch Kollegen in Zivil, sei es durch Hunde-Führer, die mit ihren Tieren Züge und Bahnhöfe bereits im Vorfeld inspizierten oder im Hubschrauber, der vor, während und nach der Abreise der Pilger im Einsatz war, um die Strecke nach Unregelmäßigkeiten und Hindernissen abzusuchen. „Sicherheit kann man nicht nach Rentabilität messen“, so Rachwalik. „Der Papst-Besuch ist das größte Event in der Geschichte Regensburgs und ich bin stolz, dass wir unseren Beitrag geleistet haben.“

3500 bayerische Landespolizisten wurden am Tag der Papstmesse von 1500 auswärtigen Kollegen der Bereitschaftspolizei unterstützt. Sie kamen unter anderem aus Berlin, Köln, Mainz und Göppingen. „20 Prozent der Kollegen waren allein mit dem Verkehr beschäftigt“, schätzt Pressesprecher Klaus Pickel. Der Rest verteile sich weitgehend auf Objekt-, Personen- und Veranstaltungsschutz. Über genaue Zahlen von Einsatztruppen, konkrete Aufgaben, zum Beispiel die permanent über Regensburg kreisenden Hubschrauber, wollen die Polizeisprecher keine Auskünfte geben — aus strategischen Gründen. Absoluten Schutz gebe es nicht, meint Polizeisprecher Oswald Ertl. Dass der Papst bei seinem Besuch in Regensburg zunehmend das Bad in der Menge suchte, sei in erster Linie ein Problem für die Personenschützer von der Schweizer Garde gewesen.

Straßen sind Sperrgebiet

Am „privaten“ Tag gestern waren immer noch über 2000 Landespolizisten im Einsatz. Zwei davon sind Polizeimeisterin Sylvia Schmigalla (22) und ihr Kollege Moritz Weber (20). Stationiert sind sie in der Kaserne der Bereitschaftspolizei 4 in München-Ramersdorf. Seit vergangenem Samstag reisen sie Papst Benedikt hinterher. Außer in Marktl werden die beiden vom Empfang am Flughafen bis zur Sicherung der Strecke zum Freisinger Dom heute überall mit dabei gewesen sein: als Schützer der Papamobil-Strecken, als Sektoren- und Veranstaltungsschützer in Altötting. Ihre Dienstzeit ist „lageangepasst“. Zweimal ist Papst Benedikt XVI. direkt an Sylvia Schmigalla und Moritz Weber vorbeigefahren. Und einen kleinen Blick auf das Papamobil haben sie dennoch ergattert, auch wenn sie während der Fahrt mit dem Gesicht zur Menge stehen müssen. „Ich fand es toll, dass Menschen aus ganz Europa auf dem Islinger Feld versammelt waren. Das Ausmaß des Geländes war beeindruckend“, sagt Polizeimeisterin Schmigalla. „Aber am schönsten und intensivsten war die Stimmung auf dem Kapellplatz in Altötting.“ Kollege Moritz Weber wird sich im nachhinein auch gerne an den Moment erinnern, als ihm Bundespräsident Horst Köhler auf der Autobahn-Zufahrt am Münchner Flughafen vom Auto aus zugewunken hat.

Gestern versahen sie ihren Dienst an der Straßensperre der Kreuzung Graßer Weg/Franz-Josef-Strauß-Allee. Die Durchfahrt nach Pentling war tabu. Immer wieder versuchten Einzelne, entweder mit abgelaufenen Durchfahrtspapieren oder angeblichen Verwandten in Papsthaus-Nähe durchzukommen. Doch an den Münchner Polizeimeistern gab es kein unberechtigtes Vorbeikommen.

„Unsere Tätigkeit ist immer gleich. Wir produzieren Sicherheit, egal für wen“, meint Hundertschaftsführer Lothar Schugsties, der auch beim Bush-Besuch in Stralsund dabei war. Der Papst-Besuch hingegen sei etwas Besonderes, ein „Jahrtausend-Ereignis“ eben. Nach einem freien Tag geht es für ihn weiter mit der „Wies‘n“ in München. Und am 11.10. kommt schon Russlands Staatschef Putin.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht