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Papstbesuch

Ungewohnte Ruhe in der Notaufnahme

Das Uniklinikum richtete Katastrophenstab für Pilger ein, doch zum Glück gab es nur sehr wenige Verletzte.

In der Notaufnahme des Uniklinikums blieben die intensiv-medizinischen Betten leer. Dennoch wurde ein Katastrophenstab gegründet. Foto: dpa
In der Notaufnahme des Uniklinikums blieben die intensiv-medizinischen Betten leer. Dennoch wurde ein Katastrophenstab gegründet. Foto: dpa

Regensburg.Sechs Uhr morgens: Verwaltungsdirektor Dr. Hans Brockhard ruft am Uniklinikum Regensburg die Katastropheneinsatzleitung (KEL) in der Technischen Zentrale zusammen. In vier Stunden wird Papst Benedikt XVI. auf dem Islinger Feld einen Gottesdienst feiern. Von 300 000 Pilgern ist die Rede, die in den kommenden Stunden mit Zügen, Bussen, Rädern und zu Fuß auf das Gelände kommen werden. Das Uniklinikum Regensburg wird eine der ersten Anlaufstellen für Verletzte sein, die einer intensiveren medizinischen Betreuung bedürfen.

Dr. Brockhard streift sich die orangefarbene Weste über. In den kommenden zwölf Stunden wird er abwechselnd mit Pflegedirektor Klaus Tischler als Leiter der Katastrophenstabs bereits von weitem für jedermann erkennbar sein. Das Uniklinikum arbeitet an diesem Tag in Vollbesetzung, es gibt Urlaubssperre, freie Tage wurden nur in Ausnahmesituationen gewährt. Um sechs Uhr morgens sind bereits alle Abteilungen im Dienst, die Notaufnahme sogar in doppelter Besetzung. 20 Intensivbetten und rund 80 Allgemeinbetten stehen für erkrankte Pilger zur Verfügung.

Angst vor einer Massenpanik

Niemand weiß, was auf das Klinikum an diesem Tag zukommt. Einen ähnlichen Menschenandrang hatte es in der Stadt noch nicht gegeben. Risikoreich sind vor allem die An- und Abreisezeiten der Pilger. Die größte Angst haben die Ärzte und Pflegekräfte der Uni allerdings vor einer Massenpanik auf dem Islinger Feld. „Wenn plötzlich ganz schnell ganz viele Menschen zur Versorgung in die Klinik kommen“, beschreibt Dr. Markus Zimmermann, Leiter der Notaufnahme, den „worst case“, den schlimmsten Fall, der eintreten kann.

Für eine solche Situation wurden Vorsorgemaßnahmen getroffen. Ein so genannter Massenanfallplan wurde erstellt. Nach einem Farbsystem werden die Patienten nach der Schwere ihrer Erkrankungen eingeteilt, um trotz einer Ausnahmesituation Qualität und schnelle Betreuung sicher stellen zu können, erläutert Zimmermann. Für die Papstpilger werden an diesem Morgen vier Schockräume für lebensbedrohliche Erkrankungen bereitgehalten. Weitere vier Räume stehen für akute Notfälle zur Verfügung. Zwei Operationssäle werden ständig für Papstpilger freigehalten, im Notfall können bis zu 18 OP-Räume mit Pilgern belegt werden.

Bereits um 6.20 Uhr meldet der Leiter der Unfallchirurgie, Professor Michael Nerlich, die ersten verletzten Pilger aus der Notaufnahme an die Katastropheneinsatzleitung. „Erste Stürze auf unbeleuchteten Feldwegen“, so Nerlich. Regelmäßig erhält die Katastropheneinsatzleitung Meldung aus der Notaufnahme. Man steht in ständigem Kontakt. „Die Kommunikation ist absolut entscheidend“, sagt Dr. Brockhard. Denn der Katastrophenstab greift zwar nirgends ein, „doch hier werden die Entscheidungen getroffen“.

Herzinfarkt am Islinger Feld

Es ist inzwischen sieben Uhr. In der Notaufnahme ist es immer noch ruhig. Eine Ordensschwester ist besorgt. Sie hat sich das Handgelenk gebrochen und fürchtet nun, nicht mehr rechtzeitig zum Papstgottesdienst auf das Islinger Feld zu kommen. In der Notaufnahme entscheidet man sich deshalb für einen Gips zur Stabilisierung, eine notwendige Operation, soll die Ordensschwester aus der Pfalz dann nach der Heimreise durchführen lassen. Sie schafft es noch rechtzeitig zum Papst und ist glücklich.

Um 7.25 Uhr meldet die Notaufnahme einen Pilger mit Herzinfarkt. Der Mann war auf der Papstwiese zusammengebrochen, er wurde noch vor Ort reanimiert. Nach der Erstversorgung wird er auf die Intensivstation des Uniklinikums verlegt.

Im Fernsehen werden inzwischen Bilder vom Islinger Feld gezeigt. Schnell wird klar, dass wohl wesentlich weniger Pilger angereist sind, als dies im Vorfeld prognostiziert worden war. Im Klinikum herrscht eine ungewöhnliche Ruhe. „Dass die Gänge so leer sind, haben wir hier noch nicht erlebt“, berichtet Pressesprecherin Cordula Heinrich. Und so können auch viele Mitarbeiter aus der Klinik den Gottesdienst auf Großleinwänden in den Hörsälen verfolgen.

Um 15 Uhr zieht Einsatzleiter Brockhard eine erste Bilanz. Insgesamt wurden elf Pilger in die Notaufnahme eingeliefert. Davon wurden sechs chirurgisch und fünf internistisch behandelt. Zwei der Patienten mussten auf die Intensivstation verlegt werden, drei weitere wurden stationär aufgenommen. Es ist kein gewöhnlicher Tag in der Notaufnahme. „Denn an einem normalen Arbeitstag versorgen wir etwa drei Mal so viele Patienten“, sagt Brockhard.

Inzwischen ziehen die Pilger wieder nach Hause. Im Uniklinikum herrscht Erleichterung. Viele Stunden hatte man sich auf den Ernstfall vorbereitet. Jetzt ist man nur noch froh, dass er nicht eingetreten ist.

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