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Papstbesuch

Zaun verhindert fast Papst-Essen

Polizei will Köchin Agnes Heindl, die dem Papst einen Zwiebelrostbraten servieren möchte, nicht durchlassen.

Agnes Heindl servierte dem Papst Zwiebelrostbraten. Foto: Archiv
Agnes Heindl servierte dem Papst Zwiebelrostbraten. Foto: Archiv

Regensburg.Als Agnes Heindl zuletzt für Joseph Ratzinger kochte, war er noch Kardinal und Präfekt der römischen Glaubenskongregation. Nun durfte sie ihn zum ersten Mal seit seiner Wahl zum Papst mit Schmankerl verwöhnen. In der Wohnung des Papstbruders Georg Ratzinger servierte die 81-jährige Haushälterin als Vorspeise Brezensuppe mit Lebernockerln. Als Hauptgericht gab‘s Zwiebelrostbraten mit Spätzle, gemischtem Salat und Gelberübengemüse, zum Nachtisch dann noch Ananascreme. Vorab wurden auf der Terrasse als Aperitif Martinis gereicht.

Um das Menü war wild spekuliert worden. Kaiserschmarrn rangierte weit vorn. Agnes Heindl hatte charmant aber eisern geschwiegen. Nun überraschte sie „Benedetto“ mit einer herzhaften Speisenfolge. „Spätzle, Rindfleisch und Salat hat er immer mögen“, so die Meisterköchin, „und die Ananascreme hat es früher immer an den besseren Tagen gegeben“.

Fast wäre das Mittagessen an den starken Sicherheitsvorkehrungen gescheitert. Die Polizei wollte Agnes Heindl am Morgen erst nicht in die Sperrzone lassen. Doch die resolute Dame ließ sich nicht abweisen. „Dann kriegt der Heilige Vater nichts zum Essen“, sagte sie und schon wurde ihr der Weg geebnet.

„Benedetto“ schlug Sicherheitsleuten ein Schnippchen

Benedikt XVI. hatte schon eine Stunde vor dem Mittagessen – auf dem Weg zur Orgelweihe in der Alten Kapelle – überraschend bei Agnes Heindl vorbeigeschaut, die emsig beim Vorbereiten war. „Ja Heiliger Vater, sind Sie schon da? Ich bin ja gar nicht mit dem Essen fertig!“, entfuhr es ihr. Benedikt XVI. konnte sie beruhigen. „Ich habe einfach hereinschauen müssen“, bat er um Verständnis, um dann zum einzigen „offiziellen“ Akt an diesem privaten Tag seiner Pastoralreise zu entschwinden.

Nach der Andacht schlug „Benedetto“ dann seinen Sicherheitsleuten ein Schnippchen. Als er zu Fuß zur Luzengasse ging, bog er in Richtung Königsstraße ab, um am Absperrgitter Regensburgern die Hände zu schütteln. Eine Geste, die bei den Zaungästen auf große Begeisterung stieß. Nicht so bei den Sicherheitsleuten, nach deren Gesichtern zu schließen.

Erst danach ging es leicht verspätet in die Luzengasse, wo für den päpstlichen Besuch der rote Teppich ausgerollt worden war. Das Haus war mit Birken, Buchskugeln und Vatikanflaggen geschmückt. Die Gesellschaft wurde zu Tisch gebeten. BenediktXVI. aß mit gutem Appetit, schaffte aber seinen Zwiebelbraten nicht ganz. „Wir sind halt doch schon alte Leut‘, wir zwingen nicht mehr soviel“, sagt er als Erklärung, wie Prälat Heinrich Wachter hinterher berichtete. Der Dekan des Stiftskapitels St. Johann, selbst 76 Jahre alt, beugte sich dem Gesetz des Alters nicht und aß völlig auf. „Sehr schmackhaft.“

Bayerische Leckerbissen für den Papst

Wachter zählte zu den fünf Gästen, die am runden Tisch im Esszimmer Platz nehmen durften: Neben dem Papst und seinem Bruder Georg waren der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, der Stiftsdekan der Alten Kapelle, Hubert Schöner, der kenianische Bischof Martin Kivuva und der Direktor der Aufhäuser-Bank in München, Thadäus Kühnel, geladen – ein Papstfreund, der „Benedetto“ bayerische Leckerbissen wie Weißwürste oder (im Winter) Lebkuchen in den Vatikan schickt. Es gab angeregte Gespräche, teils über Privates, teils über religiöse Fragen. „Benedetto“ sei über die Herzlichkeit und Freundlichkeit, mit der er in seiner bayerischen Heimat empfangen worden sei, sehr bewegt gewesen, so Bischof Müller. Die Lage der Kirche in Deutschland und in der Diözese Regensburg war ebenfalls Thema, so Wachter. „Er hat sich dafür sehr interessiert“. Sogar (Kirchen-)Witze wurden erzählt, über die der Heilige Vater herzlich gelacht habe. Den besten Witz erzählte offenbar Bischof Müller. „Es war ein angenehmes und sympathisches Zusammensein – wie eh und je“, zog Wachter später Resümee.

Nach dem Mittagessen, legte sich Benedikt XVI. kurz zur Ruhe – er hat im Haus seines Bruders ein Schlafzimmer, über dessen Eingang das Wappen aus seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising gemalt ist. Agnes Heindl wachte über seinen Schlaf. Als Polizei-Hubschrauber über dem Haus kreisten, lief sie sofort auf die Straße hinaus zu den Sicherheitsleuten. „Der Heilige Vater schläft. Was macht ihr für einen Lärm?“ Kurz darauf dreht der Helikopter ab.

Nach der hart erkämpften Erholungspause fuhren der Papst und sein Bruder zum Familiengrab in Regensburg-Ziegetsdorf und anschließend zum Papsthaus in Pentling.

Für Agnes Heindl begann das große Aufräumen. Die Freude über den Papstbesuch mischte sich mit Melancholie. „Jetzt ist es vorbei. Ich bin schon ein bisschen traurig.“ Wann sie „Benedetto“ das nächste Mal bekochen darf, ist ungewiss.

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