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Wenn es Schlag auf Schlag geht

Stefan Kaindl und David Deinzer bekommen während ihrer Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei in Nabburg auch Einheiten in Selbstverteidigung.
Von Heike Haala, MZ

Bei den Übungen werden die verschiedenen Kampfsportarten miteinander kombiniert.
Bei den Übungen werden die verschiedenen Kampfsportarten miteinander kombiniert. Fotos: Haala

Regensburg.Stefan Kaindl lässt den schwarzen Stock mit dem Griff um seine Hüften wirbeln, als wäre es ein Tambourstab. Dann passiert es: Der Stock fällt ihm aus der Hand. Die Schaumstoffmatten im Dojo dämpfen den Fall des schwarzen Stocks zwar ab, aber nicht so weit, dass das Geräusch nicht mehr zu hören wäre, wenn das Holz auf den Boden fällt. Und dieses verräterische Geräusch ist es, das der gesamten Klasse schließlich zum Verhängnis wird. „20 Liegestützen“, sagt Polizeihauptmeister Anton Dyadinistov und grinst.

„Mit dem Tonfa können die Polizisten ihr Gegenüber später auf Abstand halten“, sagt Polizeihauptkommissar Stefan Blendl. Der Tonfa ist ein Multifunktionswerkzeug. Er heißt bei der Polizei Einsatzmehrzweckstock, besser bekannt ist er allerdings als Schlagstock. Im Vergleich zu dem, was Stefan Kaindl drohen könnte, sollte ihm der Tonfa später im Einsatz aus der Hand fallen, sind die 20 Liegestützen ein Spaziergang. Sobald er als Polizist unterwegs ist, könnte es nämlich sein, dass er mit dem Tonfa Leib und Leben verteidigen muss.

Die Verteidigung muss sitzen

Die Übung mit dem Tonfa ist Teil der Ausbildung in „Einsatzbezogener polizeilicher Selbstverteidigung und Eigensicherung“. Den Anwärtern soll Handlungssicherheit im täglichen Dienst vermittelt werden. Es geht um einfache und effektive Techniken, mit denen die Polizisten eingreifen können. Diese sollen gefestigt und automatisiert werden, damit sie im Bedarfsfall schnell und wirkungsvoll angewandt werden können.

Am Ende der Stunde in Selbstverteidigung werden es 80 Liegestützen sein, die die Klasse miteinander stemmen müssen. Dyadinistov und sein Trainerkollege Polizeihauptmeister Andy Moser weisen sie Liegestützen bei Ungenauigkeiten im Unterricht an. Am Ende der Stunde sind sie als Summe von der Klasse zu absolvieren.

Daneben gibt es noch Liegestützen, die gleich während der Übungen im Zehnerpack absolviert werden. Stefan Kaindl stützt seine Arme auf die Knie und sieht seinem Übungs-Partner schwitzend und schnaufend dabei zu, wie er die Liegestützen absolviert. Der Anwärter hat während der Übung eine Linie übertreten, was er nun büßen muss, während Kaindl die paar Sekunden dazu nutzt, um nach Luft zu schnappen.

Voller Einsatz auch bei Frauen

David Deinzer kann sich an eine ganz besondere Einheit in Sachen Selbstverteidigung erinnern. Am Training nehmen nämlich männliche und weibliche Auszubildende teil. Er weiß noch gut, als er den ersten Kampf mit einer Kollegin austragen sollte. Zwar war die Frau ungemein standfest, Deinzer aber wollte ein Gentleman sein und hielt sich mit seiner Kraft zurück. Aber die Ausbilder kennen dieses Spielchen schon. Dyadinistov und Moser ertappen jeden dabei, der versucht, nicht mit voller Kraft kämpfen, obwohl die Ansage eindeutig eine ganz andere war. Die Angewohnheit, Frauen beim Training zu schonen, hat Dainzer sich erst abgewöhnt, nachdem ihn zum ersten Mal eine Frau auf die Matte gelegt hatte. „Das war schon ganz schön komisch“, sagt er, „aber inzwischen ist es normal für mich, mit Frauen zu trainieren.“

Die Anwärter ziehen sich dicke Schaumstoffhelme und Boxhandschuhe an. Bis der Schutz an Gesicht und Händen ordentlich sitzt, braucht es einige Zeit. Immer wieder ist das Ratschen der Klettverschlüsse im Dojo zu hören. Zunächst geht es um Schläge aus der Distanz. Wer hier richtig einschätzt, wann er aus der Deckung kommen kann und das nutzt, um auf dem Körper seines Gegenübers einen Treffer zu platzieren, der hat verstanden, worum es geht. Es gibt auch Schläge, die dazu da sind, um den Angreifer in unmittelbarer Nähe zu schwächen. Dyadinisatov zeigt Stefan Kaindl, wie er seinen Körper dabei drehen muss, um den Schlag auch ordentlich zu platzieren. Der schaut ihm schnaufend zu. Dass es bei den Übungen der Schlaggrundschule körperlich ganz schön zur Sache geht, das sind die beiden Anwärter bei der Polizei bereits gewohnt.

Nach so einer Unterrichtsstunde lassen die angehenden Polizisten meistens erst einmal die Flügel hängen: die Arme sind schwer, die Anwärter erwarten einen gehörigen Muskelkater. Die Hauptsache aber ist, dass sie sich bei diesen Trainingsstunden nicht verletzen, das könnte ihre ganze Ausbildung verzögern, schließlich müssen sie auch in anderen Fächern Prüfungen bestehen.

Die MZ begleitet zwei Polizisten aus der Region Regensburg durch ihre Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei. In der nächsten Folge gehen wir mit Stefan Kaindl und David Deinzer zur Vereidigung.

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