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Themenwoche

Mit der Tram zum Kongress

Planer und Gutachter haben Ideen, wie der Bereich um den Hauptbahnhof einmal aussehen könnte. Wir haben mit ihnen gesprochen.
von Heike Haala, MZ

Verkehr Hbf Regensburg 2 - Spherical Image - RICOH THETA

Regensburg.Ein zweigeschossiger zentraler Omnibus-Bahnhof (ZOB), ein Regensburger Kultur- und Kongresszentrum (RKK) mit Standorten am Ernst-Reuter-Platz und in der Maximilianstraße 26 oder der Erhalt des markanten Wirsing-Turms auf dem Keplerareal trotz eines neuen RKK – all das halten die beiden Planungsbüros, die Ideen der Regensburger im Beteiligungsprozess zur Neugestaltung des Bahnhofsareals konkretisierten, nicht nur für möglich, sondern auch für umsetzbar. Ein Gutachter empfiehlt der Stadt weiterhin eine Stadtbahn auf Schienen, eine weitere Gutachterin dagegen ein zentrales RKK. Die Mittelbayerische hat mit Andrea Gebhard, Sprecherin des Planungsteams Süd, Gisela Stete, Sprecherin des Planungsteams Nord, RKK-Gutachterin Dr. Gisela Hank-Haase und ÖPNV-Gutachter Helmut Koch gesprochen. Sie erläuterten die wichtigsten Aspekte ihrer Ideen.

Während die Gutachter im Auftrag der Stadt Fragestellungen zu klären hatten, mussten sich die Planungsbüros an andere Vorgaben der Stadt halten: Sie sollten den Bereich vor dem Hauptbahnhof für den Autoverkehr sperren. An dieser Stelle sollten sie weiterhin einen zentralen Omnibusbahnhof sowie eine Tiefgarage planen. Zudem galt es, ein RKK mit einem großen Saal für 1800 Besucher, einem kleinen Saal für 800 Besucher und weiteren Seminarräumen sowie eine neue Trasse mit Option für ein höherwertiges ÖPNV-System zu entwerfen, ohne dabei den Alleengürtel zu schwächen.

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Regensburger Kultur- und Kongresszentrum, Zentraler Omnibus-Bahnhof, ÖPNV-Trasse für die Straßenbahn und Erhalt des Alleengürtels: Derzeit möchte die Stadt von den Regensburgern wissen, wie wichtig ihnen jedes einzelne dieser Projekte ist. Dieser Fragebogen stößt aber auch auf heftige Kritik. Beteiligen Sie sich an der Bürgerbefragung der Stadt?

Ein Wirsing für Regensburg

Der Busbahnhof in der Albertstraße hat ausgedient Foto: Lex
Der Busbahnhof in der Albertstraße hat ausgedient Foto: Lex

Zum RKK liefern beide Planungsteams eine zentrale Variante, bei dem alle Räume in einem Neubau-Komplex untergebracht sind und eine dezentrale mit weiteren Räumen im Umfeld des Ernst-Reuter-Platzes. Der markante Wirsing-Turm mit seiner rot-blauen Fassade muss für keines der Planungsbüros zwingend abgerissen werden. „Wirsing war ein namhafter Architekt der Nachkriegszeit. Er hat etwa das Dorf für die Olympioniken in München entworfen. Regensburg könnte seinen ,Wirsing’ behalten“, sagt Planerin Stete. Wenn Wirsings Entwurf für Regensburg auch zwingend saniert werden müsste. Beide Planungsteams sehen etwa ein Café oder eine Bibliothek im RKK-Trakt am Ernst-Reuter-Platz vor. Der markante Wirsingturm muss für die Planer nicht fallen, aber saniert werden.

Das sagen die Experten zu den Planungen:

Video: Daniel Geradtz

Die Maximilianstraße könnte für den Verkehr gesperrt werden Foto: Lex
Die Maximilianstraße könnte für den Verkehr gesperrt werden Foto: Lex

Gegen den Erhalt des Wirsings hat auch RKK-Gutachterin Dr. Hank-Haase von GHH-Consult grundsätzlich nichts einzuwenden. Allerdings beißen sich ihre Vorstellungen von einem Kongresszentrum mit den dezentralen Varianten der Planungsteams. Das mache keinen Sinn. Für die Organisatoren habe es höchste Priorität, dass alle Veranstaltungen in einem Gebäude stattfinden können, so Hank-Hasse. Dem widerspricht Planerin Stete: Das aus der Perspektive der Kongressveranstalter gedacht, sagt sie. Die beiden Veranstaltungsorte am Ernst-Reuter-Platz und in der Maximilianstraße lägen „eine Zigarettenlänge“ auseinander – konkret 180 Meter – und Kongressteilnehmer seien froh, auch einmal Luft schnappen zu können.

Das sagt Planungs- und Baureferentin Christine Schimpfermann

Video: Simone Grebler

Warnung vor isoliertem Komplex

In diesem Zusammenhang warnt Stete auch davor, einen „isolierten Kongresskomplex“ in der Innenstadt zu errichten. Gegen diese Isolierung soll die öffentliche Nutzung des RKK-Gebäudes Abhilfe schaffen. Auch dagegen hat Hank-Haase nichts einzuwenden – solange dafür nicht das gesamte RKK „hochgefahren“ werden müsste. Denn so könnte es nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Sie meint damit, dass ein Café oder eine Bibliothek zwar in dem Gebäude unterkommen könnten. Der Zugang aber müsste über einen eigenen Eingang erfolgen, nicht jedoch über ein etwaiges Foyer, das in diesem Fall jederzeit geöffnet sein müsste.

Bestens vertragen würden sich nach den Aussagen der Gutachter Tram und RKK: Solange die von Helmut Koch von Komobile empfohlene Straßenbahn ihre eigene Trasse bekommt und damit Vorrang hat, könnten sich diese beiden Projekte regelrecht beflügeln. Ob das RKK dezentral, zentral, mit oder ohne Wirsing-Turm entsteht, wird sich nach der Bürgerbefragung zeigen: „Alles wird abgewogen“, sagt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt.

Zwei Meinungen zum RKK:

Dr. Isolde Schäfer (UKR) nennt die Gründe für ein RKK: Die Tagungsräume an der Universität und am Klinikum reichen nicht aus. Julia Köppel (Odeon Concerte) erklärt, warum sie ein RKK befürwortet: In Regensburg gebe es nur das Audimax als Konzertsaal.

Erfahren Sie in unserem Video mehr von den Projekten am Bahnhofsareal

Video: Simone Grebler

Das gilt auch für die weiteren Ideenskizzen der Planungsbüros. Sie unterscheiden sich vor allem in Bezug auf die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes. So sieht das Planungsteam Süd einen mehrstöckigen Omnibusbahnhof vor. Ein Gebäude also, in das die Busse einfahren. Die Passanten steigen im oberen Stockwerk in die Regionalbusse ein und im unteren Stockwerk in diejenigen Linien, die in der Stadt unterwegs sind. Ein zweistöckiges Gebäude anstatt der Busstellflächen vor dem Bahnhof und in der Albertstraße? Planerin Gebhard sagt: „Der Platz würde ausreichen.“ Denn Parken und auf den nächsten Einsatz warten würden die Busse dann nicht mehr vor dem Bahnhof, sondern an einer Wartestation. In der anderen Variante würde der ZOB so wie der in der Albertstraße aussehen, allerdings befindet der sich dann direkt vor dem Hauptbahnhof. Dort steht weiterhin ein Multifunktionsgebäude mit einem Fahrradparkhaus, mit Räumen für die Bundespolizei und den RVV oder WCs.

Am Ernst-Reuter-Platz soll das RKK entstehen:

Ernst Reuter Platz oben Regensburg - Spherical Image - RICOH THETA

Auch die Maximilianstraße wollen beide Planungsteams verändern. In einer Variante dürften hier nur noch wenige Autos fahren, der Teil der Alberstraße mit dem Busbahnhof würde verschwinden. Stattdessen befinden sich hier viele Bäume, ein Skateplatz, ein Spielplatz und Sitzbänke. Das andere Planungsteam dagegen will nicht nur den Bahnhofsvorplatz, sondern auch den südlichen Bereich der Maximilianstraße komplett für den Verkehr sperren. Das Eingangsportal in die Stadt wäre eine „urbane Achse“ für Radfahrer und Fußgänger.

Dr. Isolde Schäfer vom Universitätsklinikum erklärt, warum ein RKK nötig ist.

Auch Julia Köppel (Odeon Concerte) hält ein Kultur- und Kongresszentrum für notwendig.

Alle Hintergründe, Fakten und Informationen zum Regensburger Kultur- und Kongresszentrum finden Sie hier in unserem Spezial!

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