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Stadtentwicklung

Regensburger Kaufleute kämpfen für RKK

Der Verein der Altstadthändler macht sich für neues Leben am Ernst-Reuter-Platz stark: als Investition in die Zukunft.
Von Julia Ried

Unübersichtlich und geprägt von Verkehr: So empfindet die Vorstandschaft der Altstadtkaufleute das Areal zwischen Bahnhof und Ernst-Reuter-Platz. Sie wünschen sich hier ein RKK. Foto: Tino Lex
Unübersichtlich und geprägt von Verkehr: So empfindet die Vorstandschaft der Altstadtkaufleute das Areal zwischen Bahnhof und Ernst-Reuter-Platz. Sie wünschen sich hier ein RKK. Foto: Tino Lex

Regensburg.Das Areal zwischen Hauptbahnhof und Maximilianstraße ist ein „Stadteingang“. Doch im Moment dominieren es Autos, dazu ist es unübersichtlich und für einige auch angstbesetzt – so sieht es die Vorstandschaft des Altstadtkaufleute-Vereins. So soll es hier auf keinen Fall bleiben, sagen Geschäftsführer Ingo Saar und Vorsitzender Ulrich Dombrowsky von „Faszination Altstadt“. Während eine Initiative Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen das Kultur- und Kongresszentrum (RKK) sammelt, setzen sie sich offensiv für das Projekt und damit auch für eine Umgestaltung des Umfelds ein.

„Dieser Raum ist von einer Aufenthaltsqualität, die gleich Null ist“, sagt Buchhändler Dombrowsky im Gespräch mit der Mittelbayerischen. In Bezug auf die Bäume, die die RKK-Gegner erhalten wollen, fragt er: „Gibt es nicht in diesem Grün auch Angsträume?“ Die Frage ist für ihn rhetorisch, denn bei der Bürgerbefragung im vergangenen Jahr zeigte sich das. Passanten auf dem Bahnhofsvorplatz könnten sich schlecht orientieren.

Die Regensburger Altstadtkaufleute sind für ein RKK:

Die Regensburger Altstadtkaufleute sind für ein RKK. Video: Julia Ried

„Und Sie haben die Maxstraße“, schließt Dombrowsky seine Aufzählung. Auszuführen, warum die nicht anziehend ist für Regensburger, Besucher der Stadt und damit potenzielle Kunden der Altstadt-Geschäfte, spart er sich, das ist bekannt: Grau ist sie, geprägt auch von Leerständen und Ein-Euro-Läden. „Insofern ist ein Druck da, etwas zu tun.“

Das RKK als „Schlussstein“

Ulrich Dombrowsky ist Vorsitzender von Faszination Altstadt. Foto: Julia Ried
Ulrich Dombrowsky ist Vorsitzender von Faszination Altstadt. Foto: Julia Ried

Saar erklärt: „Allererste Priorität hat die Verbesserung des ÖPNV gemeinsam mit der Aufwertung dieses Stadtraums. In diesem ganzen Prozess ist das RKK so etwas wie der Schlussstein, der für Regensburg ganz neue Potenziale heben kann.“

Die Argumente der Gegner lässt er nicht gelten. Der Einwand, dass zu viele Bäume gefällt werden müssten, springe zu kurz. „Die Planungsgruppen sind auf diese Wünsche eingegangen“, sagt er in Bezug auf die Bürgerbeteiligung im vergangenen Jahr. Er glaube deshalb: „Es wird am Ende der Maßnahme dort mehr Bäume geben als heute.“ Von der städtischen Pressestelle heißt es dazu: „Ob sich die Zahl der Bäume nach allen Arbeiten erhöht oder nicht, lässt sich momentan nicht sagen.“ Zum Ausgleich sei sie aber bei Eingriffen in die Natur verpflichtet.

Die Stadt will den Verkehr am Bahnhof, hier der Busbahnhof Albertstraße, neu ordnen.
Die Stadt will den Verkehr am Bahnhof, hier der Busbahnhof Albertstraße, neu ordnen.

Bedarf für ein RKK in der angedachten Größe wird es Saars Meinung nach geben: „Wir planen hier für eine Nachfrage, die wir aktuell noch gar nicht kennen. Wir müssen Potenziale schaffen für Entwicklungen, die sich anbahnen“, sagt er mit Blick auf den Tagungstourismus. Dombrowsky nennt ein historisches Beispiel: „Auch die Steinerne Brücke war ein Zukunftsprojekt.“ Schließlich hätte man damals weiter mit Fähren die Donau überqueren können. „Eine Gesellschaft, die sich entwickeln will, muss die Zukunft organisieren, damit der Erfolg weitergehen kann.“ Auch das gegnerische Argument, dass ein solches Projekt noch mehr Verkehr in die Innenstadt ziehe, kontert Saar. „Es gibt keinen verkehrstechnisch günstigeren Standort als den Bahnhof.“

„Eine Gesellschaft, die sich entwickeln will, muss die Zukunft organisieren, damit der Erfolg weitergehen kann.“

Ingo Saar, Geschäftsführer von Faszination Altstadt

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen ein RKK wähnen sich indes beim Unterschriftensammeln auf einem guten Weg. 6400 Namen brauchen sie, um einen Bürgerentscheid zu beantragen. 4000 haben sie Anna-Lena Schnaudt zufolge. Unter anderem die Altstadtfreunde, die Sozialen Initiativen, die Linke, die ÖDP und die Grüne Jugend werben um Stimmen, mit denen sie das Projekt verhindern wollen.

Alle Berichte zum Regensburger Kultur- und Kongresszentrum finden Sie im MZ-Spezial!

Planungen laufen weiter

In der Verwaltung laufen inzwischen die Planungen für die Umgestaltung des Areals weiter, gerade wird die Ausschreibung des Freiflächen- und Verkehrskonzepts vorbereitet, sagt Stadtsprecherin Eva Faltermeier. Sie kündigt außerdem an: „Noch in diesem Jahr werden archäologische Sondagen stattfinden, um die genaue Lage des alten jüdischen Friedhofs zu bestimmen.“ Dies sei insbesondere für die Planung der Tiefgarage im Bereich Bahnhofsstraße/Maximilianstraße relevant. Die Gebäude auf dem Grundstück zwischen Albertstraße und Ernst-Reuter-Platz – darunter ist auch der markante Wirsing-Turm – würden vom Eigentümer bis spätestens Herbst 2019 abgetragen. Faltermeier erläutert: Auf dieser Fläche sei eine Interims-Drehscheibe für den öffentlichen Nahverkehr geplant, um im unmittelbaren Bahnhofsumfeld Bauarbeiten zu ermöglichen, etwa für den Zentralen Omnibusbahnhof und eben die Tiefgarage.

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Chronologie

  • Beteiligung:

    Im Frühjahr 2017 veranstaltete die Stadt zwei Ideenwerkstätten, im Herbst eine Bürgerbefragung.

  • Protest:

    Am 20. Februar 2018 kündigten Gegner eines RKK ein Bürgerbegehren gegen das Projekt an.

  • Stadtratsbeschluss:

    Am 22. Februar 2018 traf der Stadtrat den Grundsatzbeschluss für die Umgestaltung des Areals.

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