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Politik

RKK: Pro-Kampagne kommt

Die Unterstützer des Vorhabens am Kepler-Areal formieren sich. Sie wollen massiv für ein „Nein“ beim Bürgerentscheid werben.
Von Julia Ried

Regensburg braucht ein RKK, sagen die Unterstützer der Pro-Kampagne – unter anderem, weil es den Ernst-Reuter-Platz als „Stadteingang“ belebe. Foto: Tino Lex
Regensburg braucht ein RKK, sagen die Unterstützer der Pro-Kampagne – unter anderem, weil es den Ernst-Reuter-Platz als „Stadteingang“ belebe. Foto: Tino Lex

Regensburg.Befürworter eines Regensburger Kultur- und Kongresszentrums (RKK) am Ernst-Reuter-Platz wollen den RKK-Gegnern eine massive Pro-Kampagne entgegensetzen. In etwa zwei Wochen wollen sie beginnen, in der Öffentlichkeit um ein „Nein“ zum RKK-Stopp beim Bürgerentscheid am 14.Oktober zu werben: etwa mit Informationsständen und aufwendig gestalteten Broschüren, die auch als Postwurfsendung an die Haushalte verteilt werden sollen, und mittels sozialen Medien. Das bestätigte Michael Quast, Geschäftsführer des Stadtmarketings, gestern der Mittelbayerischen.

„Wir organisieren die Kampagne mit“, gab Quast Auskunft. Eine Reihe von engagierten Bürgern – davon die meisten aus den Reihen der etwa 220 Mitglieder des Vereins – hätten die Geschäftsführung um Unterstützung beim Einsatz für ein RKK gebeten, erläutert Quast zum Hintergrund der Aktion. Inzwischen unterstützten diese mehr als 100 Personen, Institutionen und Unternehmen. Etwa 60 Beteiligte wollen sogar als „Testimonial“ in der Broschüre mit Pro-Argumenten Gesicht zeigen.

Das Motto der Werbeaktion ist ausweislich eines Entwurfs der Broschüre „Nein zum Planungsstopp“. In dem Flyer sollen die Argumente der Gegner – dass ein RKK einseitig den Interessen der ansässigen Firmen und ihren Verbänden diene, noch mehr Verkehr in die Innenstadt ziehe und zu viel Natur zerstöre -– widerlegt werden. „Wir wollen ganz klar dafür werben, dass beim Bürgerentscheid am 14. Oktober mit Nein gestimmt wird“, erläutert Quast. Die Stadt brauche ein RKK: Das belebe den Stadteingang, könne einen schönen Konzertsaal und ein Kultur- und Begegnungszentrum bieten. „Natürlich brauchen wir auch ein Kongresszentrum an der Stelle, um eine ganze Reihe von Veranstaltungen abbilden zu können, die wir jetzt noch nicht abbilden können.“

Ein Befürworter ist Wolbergs

Die Befürworter der Kampagne kommen Quast zufolge vor allem aus Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch aus der Kulturbranche; darunter sind etwa Vertreter der Altstadtkaufleute, die sich bereits im Juni öffentlich für ein RKK positionierten, aber auch von Unternehmen, von Universität und Hochschule. Auch der derzeit vom Dienst suspendierte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs ist bei dem Werbe-Feldzug mit von der Partie, laut Quast als Privatperson. In einer E-Mail bittet er die Adressaten – sofern sie der Meinung sind, dass ein RKK dringend notwendig ist – darum, für diese Ansicht auch mit ihrem Namen und Gesicht in der geplanten Broschüre einzustehen.

Was sich die Altstadtkaufleute von einem RKK versprechen, sehen Sie hier im Video.

Die Regensburger Altstadtkaufleute sind für das RK

Dr. Achim Hubel von der Initiative „Kein RKK auf dem Kepler-Areal“ ist irritiert, dass auch er als stadtbekannter RKK-Gegner diese E-Mail erhalten hat. Den emeritierten Professor für Denkmalpflege empört, dass sich das Stadtmarketing so für das Bauvorhaben auf dem Ernst-Reuter-Platz in die Bresche wirft – schließlich handle es sich um einen Verein, der von der Stadt finanziell unterstützt werde. „Damit dürfen die sich meines Erachtens nicht auf eine politische Seite schlagen.“

Michael Quast und Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra sehen das anders: Für das Stadtmarketing gelte die Neutralitätspflicht der Kommune beim Bürgerentscheid – anders als für die Tochterunternehmen – nicht, sagen sie einhellig. Zwar bekommt der private Verein etwa 150 000 Euro Zuschüsse im Jahr von der Stadt, das übliche Gesamtbudget ist laut Quast etwa dreimal so groß. Doch Quast sagt: „Wir sind nicht städtisch und wir dürfen und müssen uns sogar, wenn unsere Mitglieder das wünschen, positionieren.“ Er erläutert weiter: „Diese ganze Kampagnen-Geschichte wird rein aus privaten Mitteln finanziert.“ Es gebe „große Sonderzuwendungen“. Zur konkreten Höhe des Budgets möchte er derzeit keine Auskunft geben – es gingen kontinuierlich weitere Zusagen für Zuwendungen ein.

Finanzielles Ungleichgewicht

Für den 14. Oktober ist der Bürgerentscheid zum RKK terminiert. Symbolfoto: Uwe Anspach/dpa
Für den 14. Oktober ist der Bürgerentscheid zum RKK terminiert. Symbolfoto: Uwe Anspach/dpa

Hubel beklagt, dass die RKK-Befürworter als Vertreter der Geschäftswelt ungleich finanzkräftiger seien. Die Kampagne der Werbe-Profis muss trotzdem nicht zwingend erfolgreicher sein, sagt Dr. Benjamin Krämer vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Mit Geld und mit Professionalität kann man natürlich erst einmal Reichweite erzielen und Aufmerksamkeit für das Thema schaffen.“ Was zu glatt, werbemäßig und offiziös wirke, könne aber auch den Widerwillen der Bürger erregen. Dies gelte auch, wenn bekannte Persönlichkeiten für eine Sache werben. Persönliche Betroffenheit überzeuge mehr als abstrakte Aussagen. Was die Rolle des Stadtmarketings betrifft, so sieht Krämer „ein gewisses Dilemma“. „Einerseits werden sie von offizieller Seite teilweise finanziell unterstützt, andererseits kommen da natürlich Leute zusammen, die ein Interesse haben und das natürlich vertreten wollen.“ Auflösen lasse sich so ein Dilemma, wenn eine Kampagne personell und organisatorisch komplett getrennt von der Stadt läuft und die Initiatoren darüber aktiv informieren.

Alle Berichte rund um das Regensburger Kultur- und Kongresszentrum finden Sie in unserem MZ-Spezial!

Bürgerentscheid-Chronologie

  • Sammlung:

    Bis 13. Juli sammelten die Gegner Unterschriften – auch bei einem „Protest-Picknick“ am Bahnhof.

  • Beschluss:

    Am 14. August beschloss der Ferienausschuss des Stadtrats den Bürgerentscheid am 14. Oktober.

  • Wahlkampf:

    Ab September wollen die Initiatoren noch heftiger für ihre Sache werben, auch auf der Straße.

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