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Umwelt

Das Klärwerk arbeitet am Anschlag

Die Regensburger Anlage erreicht ihre Kapazitätsgrenze. Die Nachrüstung läuft. Das reicht drei Naturschutzverbänden nicht.
Von Julia Ried, MZ

Die Regensburger Kläranlage im äußersten Stadtosten ist immer mehr gefordert, weil die Region so stark wächst.Foto: Peter Ferstl
Die Regensburger Kläranlage im äußersten Stadtosten ist immer mehr gefordert, weil die Region so stark wächst.Foto: Peter Ferstl

Regensburg.Die Region Regensburg wächst stark. Das macht sich auch in den Abwassermengen bemerkbar, die das Klärwerk im äußersten Regensburger Osten verarbeiten muss. Naturschutzverbände schlagen jetzt Alarm: Die Kreisgruppe Regensburg des Bundes Naturschutz, der Landesfischereiverband und die Donau-Naab-Regen-Allianz fordern einen zügigen Ausbau des Klärwerks. „Dringend nötig“ nennen sie diesen in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Dr. Josef Paukner, Vorsitzender der Donau-Naab-Regen-Allianz, sieht „Gefahr im Verzug“. Es bestehe das Risiko, dass Grenzwerte überschritten werden.

Einen davon kann das städtische Klärwerk schon jetzt nicht einhalten. Das städtische Tiefbauamt beschreibt in einer Beschlussvorlage für den Umweltausschuss, der sich am Mittwoch mit einer Nachrüstmaßnahme beschäftigte, Überschreitungen des Grenzwerts für Phosphor bei „Belastungsspitzen“ und bei Starkregen oder Tauwetter in der kalten Jahreszeit. Um diesen in Zukunft „sicher einzuhalten“, sei eine Modernisierung der Anlage erforderlich. Der Umweltausschuss genehmigte die dafür notwendige Investition von 1,8 Millionen Euro am Mittwoch einstimmig. Das Regensburger Klärwerk klärt Abwässer aus einem Einzugsgebiet, in dem derzeit circa 270 000 Menschen leben. Es reicht von Maxhütte-Haidhof im Norden bis Obertraubling im Süden, von Pettendorf im Westen bis Donaustauf im Osten. Die Stadt rechnet bis 2036 mit einem Einwohnerzuwachs von 45 000 Menschen in diesem Gebiet; dazu kommt ein steigendes Volumen von Industrieabwässern.

„Fatale Folgen“ von Überdüngung

Paukner von der Donau-Naab-Regen-Alllianz sagt vor diesem Hintergrund: Nachrüstmaßnahmen wie die aktuell beschlossene ergäben nur Sinn, „wenn man gleichzeitig mit den Planungen für den Ausbau der Kläranlage beginnt“. Werden Grenzwerte wie der für Phosphor überschritten, trage das zur Überdüngung der Gewässer bei. Dies habe „fatale Folgen“. Welche, bekommen Fischer wie Jürgen Lukassek, Beauftragter des Landesfischereiverbands Bayern für Naturschutzfragen in der Oberpfalz, unmittelbar mit: Wasserpflanzen wachsen übermäßig, verbrauchen mehr Sauerstoff, womit weniger für die Fische bleibt. Im Extremfall führt das akut zu massenhaftem Fischsterben, was eher in ruhigen Gewässern vorkommt als in reißenden Flüssen. Langfristig hat die Überdüngung die Folge, „dass sich das Artenspektrum verschiebt zu den hoch toleranten Fischen“. Empfindlichere Arten leiden. „Ein typischer Fisch, der am Verschwinden ist, ist die Nase“, sagt Lukassek. Auch Lukassek wünscht sich eine möglichst schnelle Erweiterung des Klärwerks: „Da muss zielgerichtet mehr Tempo rein, damit die Kläranlage mit dem Bevölkerungs- und dem Gewerbewachstum Schritt hält.“ Die Reserve des Werks sei „nur noch minimal“, ein „Überlaufen“ drohe. „In den nächsten zwei Jahren werden wir Probleme bekommen.“

Der Chef des städtischen Tiefbauamts, Peter Bächer, streitet das vehement ab. Zum einen liege die aktuelle Überschreitung der Grenzwerte im gesetzlich erlaubten Rahmen. Auch was die Phosphorbelastung des Abwassers betrifft, gebe es deshalb „keine nachteiligen Auswirkungen auf die Umwelt“. Bächer sagt: „Man muss sich an den mittleren Werten orientieren. Und da stehen wir gut da.“ Das Wasserwirtschaftsamt bestätigte dies auf Nachfrage der Mittelbayerischen. Dicht an der Kapazitätsgrenze für einen optimalen Betrieb liegt die Anlage Bächer zufolge lediglich in Bezug auf die Posphorbelastung – und hier schaffe das Tiefbauamt mit der aktuell beschlossenen Maßnahme Abhilfe. Der hohe Phosporanteil im Abwasser sei den vielen Industrieabwässern in Regensburg geschuldet, vor allem denen aus der Halbleiterindustrie.

Tiefbauamt: Kein Zugzwang

Tiefbauamtschef Bächer verweist darauf, dass die Stadt die Kläranlage kontinuierlich nachrüstet. Aktuell seien neben der Verbesserung der Reinigung des Abwassers von Phosphor die Erneuerung der Belüftung und der Rechenanlage geplant. Dafür investiert die Stadt insgesamt 8,6 Millionen Euro. Bächer sagt: „Wir haben die Ad-hoc-Maßnahmen eingeleitet, aber es ist natürlich klar, wir müssen auf etwas Neues hinaus.“ Unter Zugzwang fühlt sich Bächer aber nicht. „Mit den drei Maßnahmen können wir die Kläranlage in den nächsten zehn bis 15 Jahren sicher betreiben.“ Und so lange werde es auch dauern, bis ein Ausbau des Werks abgeschlossen ist. Die Stadt bereitet die Planung dafür 2018 erst vor, sie beauftragt zunächst ein Ingenieurbüro mit einer Untersuchung. Nach Planungsbeginn werden dann fünf bis acht Jahre zu einer Inbetriebnahme des erweiterten Werks vergehen.

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