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Politik

Das Sportamt zieht die Zügel an

Zahlreiche Vereine boykottieren die Umfragen der Stadt Regensburg. Die reagiert jetzt: Nur wer mitmacht, bekommt Geld.
Von Julia Ried

Die Bikepolo-Spieler des Freien TuS im Training: Auch sie profitieren von den Zuschüssen der Stadt für Vereine. Foto: Lucas Jockel
Die Bikepolo-Spieler des Freien TuS im Training: Auch sie profitieren von den Zuschüssen der Stadt für Vereine. Foto: Lucas Jockel

Regensburg.Die meisten Regensburger Sportvereine sind auf Zuschüsse der Stadt angewiesen. Nun müssen sie etwas für dieses Geld tun. Klubs bekommen die „Grundförderung“ nur noch, wenn sie der Stadt Informationen liefern: Darunter versteht das Sportamt, dass sie einmal jährlich an einem „Datenabgleich“ und einer Umfrage zur Sportentwicklung teilnehmen.

Die Stadt hat die Klubs auch in der Vergangenheit schon befragt – mit mäßigem Erfolg. Die Bereitschaft, Auskunft zu geben, sei sehr unterschiedlich, „so dass durch geringe Rücklaufantworten keine verlässlichen Folgerungen getroffen werden können“, beklagt die Verwaltung in der Vorlage für den Sportausschuss des Stadtrats, der die Reform der Förderrichtlinien am Donnerstag einstimmig beschloss. Sportamtsleiter Johann Nuber sagt auf Nachfrage der Mittelbayerischen: „In der Regel waren die Rückläufe im Bereich von 20 bis 30 Prozent, beim aktuellen Fragebogen zur Sportentwicklungsplanung bei circa 55 Prozent.“

Zuständige sind auf Rückmeldungen angewiesen

Sportreferent Dr. Hermann Hage erläutert: Die Regensburger Sportszene sei so groß, dass die Zuständigen im Rathaus schon aus organisatorischen Gründen die Rückmeldungen benötigten – etwa, um die Hallenbelegung zu planen. Auch zur Weiterentwicklung der Sportmöglichkeiten brauche die Stadt Informationen, sagt der Sportamtschef: „Durch den Abgleich von Nachfrage und Angebot können wir natürlich steuerend eingreifen, zum Beispiel durch erhöhte Sportförderung in Mangelbereiche oder durch eigene Angebote.“

„Ein Verein muss transparent sein, in jeder Hinsicht.“

Anton Zimmermann, Präsident des Freien TuS

Der Sportamtschef betont: Der Arbeitsausschuss des Sportbeirats der Stadt, ein gewähltes Gremium von Vertretern der Sport- und Schützenvereine, habe der Neuregelung einstimmig zugestimmt und auch befürwortet, „dass die Verwaltung eine ,Gegenleistung‘ erwarten kann“.

Anton Zimmermann, Präsident des Freien TuS Regensburg mit „an die 750 Mitgliedern“, ist nicht Mitglied des Sportbeirats, findet diese Argumentation aber ebenso einleuchtend. „Wie soll die Stadt einen Sportentwicklungsplan machen, wenn sie nicht weiß, was los ist in den Vereinen?“, fragt er.

Vorsitzende kämpfen mit „irrsinnigen Belastungen“

Dass andere Klubs hier passen, könne daran liegen, dass Vereinsvorsitzende ohnehin mit „irrsinnigen Belastungen“ kämpften, weil die Bürokratie schier „explodiert“. „Wenn da noch ein großer Fragebogen auftaucht, könnte ich mir vorstellen, dass der eine oder andere sagt: ,Ich hab genug am Hals‘.“ Karl Reithmeier vom Sportverein Harting allerdings sagt: „Wenn man mal so einen dreiseitigen Fragebogen ausfüllen muss, ist das keine große Belastung“ – schließlich kümmere sich das Sportamt sehr gut um die Vereine.

In der Datenbank der Stadt sind derzeit 133 Sport- und 29 Schützenvereine verzeichnet. Davon erhalten 81 Grundförderung – knapp 710 000 Euro gab die Stadt 2017 dafür aus. Diese bekommen nur Vereine, die mindestens 150 Mitglieder haben und in der Jugendarbeit aktiv sind.

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