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Verkehr

Die Klenzebrücke kommt bis 2020

Das Bauwerk soll vier Gleise überspannen. Der Verkehrsclub sagt: Damit wäre Regensburg für einen Bahn-Ausbau nicht gerüstet.
Von Julia Ried

Dort, wo jetzt noch eine rot-weiße Absperrung steht, wird ab 2018 die Klenzebrücke an die Kirchmeierstraße angebaut. Foto: Tino Lex
Dort, wo jetzt noch eine rot-weiße Absperrung steht, wird ab 2018 die Klenzebrücke an die Kirchmeierstraße angebaut. Foto: Tino Lex

Regensburg.Das neue Wohnviertel im inneren Westen Regensburgs nimmt immer mehr Gestalt an. Am Dienstagnachmittag hat die Stadt nun per Mehrheitsbeschluss des Stadtplanungsausschusses die Verkehrsanbindung des neuen Quartiers geregelt, die für alle Regensburger den Weg aus dem Westenviertel in die Innenstadt verkürzen wird. Bis 2020 soll die Klenzebrücke, über die die Stadtpolitik schon seit 2011 debattiert, die Verbindung zwischen der Kirchmeierstraße und der Dechbettener Straße schaffen.

Das Bauprojekt hatte sich verzögert, weil sich die Stadt am nördlichen Ende einen Bahnhaltepunkt gewünscht hatte, den die Deutsche Bahn 2015 aber abgelehnt hatte. Seitdem ist beschlossen: Die Brücke wird sieben Meter schmaler als 2014 schon einmal angedacht. Sie wird, so die aktuelle Planung, mit einer Spannweite von knapp 27 Metern die Breite von vier Gleisen umfassen. Damit ist Platz für eine 6,50 Meter breite Fahrbahn und links und rechts jeweils für 1,85 Meter Gehweg und 2,50 Meter Radweg. Die Klenzestraße wird durch die Brücke um circa 260 Meter verlängert, so steht es in der Beschlussvorlage für die Stadträte.

Bogie: Brücke ist zu schmal

Grafik: MZ-Infografik
Grafik: MZ-Infografik

Wolfgang Bogie, Vorsitzender des Kreisverbands des Verkehrsclubs Deutschlands (VCD), hält die Brücke für zu schmal. Er trauere dem Bahnhaltepunkt nicht mehr hinterher, sagt er. An einer anderen Stelle zwischen Hauptbahnhof und Bahnhof Prüfening sei dieser wohl ohnehin sinnvoller – dort, wo Buslinien fahren, die das Umsteigen attraktiv machen.

„Der Verkehrsclub Deutschland lehnt diese Planung entschieden ab.“

Wolfgang Bogie, Vorsitzender VCD Regensburg

Und doch stellt Bogie fest: „Der VCD lehnt diese Planung entschieden ab. In der Brückenspannweite ist nicht einmal die Möglichkeit offen gehalten, ein fünftes Bahngleis an dieser Stelle zu realisieren, das für einen S-Bahn-ähnlichen Bahnbetrieb der Zukunft notwendig gewesen wäre.“ Nun blieben die Gleise dort ein „Flaschenhals“. Das widerspreche dem VCD-Ziel, das Bahnnetz in Stadt und Umland, den „Regensburger Stern“, leistungsfähiger zu machen.

Stadtsprecherin Dagmar Obermeier-Kundel kontert diese Kritik mit dem Verweis auf den Stadtratsbeschluss von 2015. Darin ist festgehalten, die Planung sei auf vier Gleise auszulegen. Damals erläuterte Planungsreferentin Christine Schimpfermann dazu, die Bahn habe ein neues, fünftes Gleis kategorisch ausgeschlossen.

Der neue innere Westen

  • Wohnquartier:

    Das neue Quartier auf den ehemaligen Bahnflächen wird sich zwischen der Kumpfmühler und der Dechbettener Brücke erstrecken. Vom Bebauungsplan sind rund 250 000 Quadratmeter abgedeckt. 1100 Wohnungen und Stadthäuser entstehen. Etwa 2700 Menschen sollen darin einmal leben. Außerdem sollen 70 000 Quadratmeter der Naherholung und Sportanlagen gehören. Die Grundstücksfläche des Quartiers- und Nahversorgungszentrums ist 10 870 Quadratmeter groß.

  • Zeitplan:

    Das Wohnquartier wird in drei Abschnitten, von Ost nach West, gebaut. Die Projektentwickler streben eine Fertigstellung im Jahr 2021 an. Im städtischen Investitionsprogramm 2017 bis 2021 sind für die gesamte Erschließung der ehemaligen Bahnareale im inneren Westen 10,675 Millionen Euro eingeplant. Dem Plan zufolge sollen 1,71 Millionen Euro davon vom Staat kommen und 4,28 Millionen Euro aus Kostenbeteiligung Dritter.

CSU-Stadtrat Christian Schlegl erinnerte im Planungsausschuss daran, dass auch die CSU nach wie vor unzufrieden sei mit dem Entfall des Haltepunkts. Seine Fraktion stimmte aber der Planung zu, im Gegensatz zu Irmgard Freihoffer von der Linken, die die Änderung des Beschlusses hin zu einer schmaleren Brücke kritisierte. Auch ÖDP-Stadtrat Benedikt Suttner hob die Hand gegen das Vorhaben.

Einige Vorarbeiten für den Brückenschlag hat die Stadt bereits erledigt. Bereits 2016 errichtete sie an der Kirchmeierstraße eine neue Kreuzung, in die die Klenzebrücke einmal münden wird. Die Sommer-Baustelle war eine Geduldsprobe für die 23 000 bis 25 000 Autofahrer, die nach Angaben der Stadt täglich auf der Trasse rollen. 2017 baute die Stadt dann Abbruchmaterial aus dem alten Jahnstadion am Damm auf der Nordseite ein.

2018 wird weitergebaut

Nun ist klar: Im nächsten Jahr wird weitergebaut. „Die Realisierung der restlichen Bestandteile des Gesamtprojektes ist für die Jahre 2018 bis 2020 geplant“, kündigt die Verwaltung an.

Die Gesamtkosten belaufen sich auf 7,5 Millionen Euro. Der Investor des neuen Wohnquartiers beteiligt sich. Auf Nachfrage der Mittelbayerischen konkretisierte Stadtsprecherin Dagmar Obermeier-Kundel: „Was allerdings die Höhe dieses Beitrags angeht, so befindet sich die Stadt Regensburg derzeit noch in der Abstimmungsphase. Abhängig von der Höhe dieser Kostenbeteiligung ist die staatliche Förderung.“

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