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Kultur

Heimat für Millionen Schätze

Im Museum hört die Regensburger Geschichte im 16. Jahrhundert auf. Ein neues Depot für 22 Millionen Euro schafft mehr Platz.
Von Julia Ried

Das Historische Museum Regensburg muss zur Lagerung seiner Schätze auch Ausstellungsfläche nutzen – und kann deshalb viele davon nicht zeigen. Das neue Depot soll Abhilfe schaffen. Foto: Tino Lex
Das Historische Museum Regensburg muss zur Lagerung seiner Schätze auch Ausstellungsfläche nutzen – und kann deshalb viele davon nicht zeigen. Das neue Depot soll Abhilfe schaffen. Foto: Tino Lex

Regensburg.Im Improvisieren sind die Mitarbeiter des Historischen Museums Regensburg erfahren: Ein ehemaliger Ausstellungsraum im ersten Stock des Hauses am Dachauplatz ist nun ein Fotolabor, einen zweiten nutzen sie, um neue Bestände aufzunehmen, und daneben lagern sie Schränke, Stühle und Wiegen aus den unterschiedlichsten Epochen. „Jammerschade“ findet das Museumschefin Dr. Doris Gerstl. Sie würde hier so gerne viel mehr zeigen. „Es fehlt allein von der Stadtgeschichte ein Viertel.“ Im Museum endet die bislang im 16. Jahrhundert. Die Zeit des „Immerwährenden Reichstags“ 1663 bis 1806, die Industrialisierung im 19. Jahrhundert, die Kriegs- und Krisenzeiten im 20. Jahrhundert und der Wiederaufbau danach haben hier keinen Platz mehr.

Abhilfe soll das neue Depot für die städtischen Museen mit Stadtarchiv in Burgweinting schaffen. Für das Projekt, das die Stadt nun im dritten Anlauf plant, will sie knapp 21,7 Millionen Euro investieren – beim zweiten Stadtratsbeschluss zu dem Thema im Jahr 2015 waren noch überschlägig 13,5 Millionen Euro eingeplant. „Heftig“ seien die Kosten, räumte Kulturreferent Klemens Unger am Dienstag im Kulturausschuss auf Nachfrage mehrerer Stadträte ein, bevor das Gremium das Projekt einstimmig beschloss. Museen und Archiv hätten neue Amtsleiter bekommen, erklärte er – die Vorgänger waren in Pension gegangen. „Und wir sind auch klüger geworden.“ Die neuen Chefs hätten die Planung noch einmal überarbeitet, etwa hinsichtlich der Notwendigkeiten der Digitalisierung; mit Unger besuchten sie auch Depots andernorts. Auch rechnet der Kulturreferent mit üppiger Förderung. Der Baubeginn ist für Anfang 2019 geplant, die Fertigstellung für 2020.

Depot ist ein Provisorium

„Wir haben in Regensburg bisher ein Provisorium“, sagte Kulturreferent Unger im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Die Objekte der städtischen Museen, die nicht in der Schausammlung zu sehen sind, werden zur Zeit im Historischen Museum selbst, im Leeren Beutel sowie in verschiedenen Zwischendepots in mehreren, über die ganze Stadt verteilten Lagern bewahrt. Für die Mitarbeiter ziehe das einen „Riesen-Aufwand“ nach sich – auch seien die Lagerbedingungen „nicht ausreichend“, etwa, was das Raumklima betrifft. „Ganz zu schweigen davon, dass Schauräume im Museum als Depot genutzt werden und nicht für Ausstellungen zu Verfügung stehen.“ Besuchern verborgen seien nicht nur Schätze aus der neueren Zeit, sondern etwa auch die Münzsammlung aus der Römerzeit oder die Gemälde aus der Barockzeit, sagt Unger.

„Hochbedeutend“ nennt Dr. Alexander Wießmann, Restaurator in der Landesstelle für nichtstaatliche Museen, den Regensburger Bestand und nennt als Beispiele die Werke der „Donauschule“ um Albrecht Altdorfer, Ostendorfers Reformationsaltar, die Möbel- und Textilsammlung und die archäologische Sammlung. „Das ist vom Feinsten, was sich da in den Jahrzehnten und Jahrhunderten angesammelt hat.“ Umso wichtiger sei die Lösung der Depotproblematik. „Das ist wirklich ein Quantensprung, wenn jetzt die Lagerung professionell angepackt wird.“ Bisher passen auch aus Wießmanns Sicht die Rahmenbedingungen dafür nicht.

Auch Stadtarchivar Lorenz Baibl braucht dringend mehr Platz. Seine circa 9500 laufende Meter Archivgut vom 13. Jahrhundert bis heute lagern aktuell im Runtingerhaus in der Keplerstraße – „kein Archiv-Zweckbau“, wie Baibl betont – und in einem Außendepot in Burgweinting. Baibl freut sich auch auf einen hellen, modernen Lesesaal für die Bürger. Auch ein Vortrags- und Seminarraum soll der Vermittlung der Stadtgeschichte dienen.

Archiv und Forschungszentrum

Für das neue Gebäude mit Depot und Archiv sind insgesamt 6600 Quadratmeter Nutzfläche vorgesehen. Auch Werkstätten und Büros für die Mitarbeiter von Museum und Archiv finden dort Platz. Wissenschaftler können in dem Haus, das die Stadt auch „Forschungszentrum“ nennt, in „Vorlegeräumen“ auch an wertvollen Stücken arbeiten. Forschern erspare das Haus viele Wege, betont Unger. Fast alle kulturhistorisch relevanten Bestände und Archivalien der Stadt seien zukünftig an einem Ort zugänglich. Denn in den Neubau ziehen auch das Archiv der evangelischen Kirche sowie die Bibliothek des Historischen Vereins für Regensburg und die Oberpfalz. Und nebenan, auf demselben Grundstück westlich der Sportanlage, errichtet die Diözese ein Depot für ihre Kunstsammlungen samt Archiv. Domkapitular Thomas Pinzer sagt: Die Nutzfläche stehe noch nicht fest; sie liege zwischen 2000 und 4000 Quadratmeter.

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