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Projekt

„Soziale Stadt“ muss warten

Ein Begegnungszentrum soll für ein gutes Miteinander im multikulturellen Osten Regensburg sorgen. Doch es eröffnet erst 2020.
Von Julia Ried

Das Familienzentrum Königswiesen ist Anlaufstelle für Menschen aus vielen Ländern. Das soll auch das neue Zentrum im Osten werden. Foto: altrofoto.de
Das Familienzentrum Königswiesen ist Anlaufstelle für Menschen aus vielen Ländern. Das soll auch das neue Zentrum im Osten werden. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Für den sozialen Frieden im Kasernenviertel, wo besonders viele Flüchtlinge und andere Menschen mit geringem Einkommen leben, hat die Stadt ein Großprojekt aufgelegt: Für circa 5,3 Millionen Euro baut sie ein neues, multikulturelles Begegnungshaus inklusive Jugend- und Familienzentrum und vielfältigen Bildungs- und Beratungsangeboten. Auf den Treffpunkt, laut Stadt ein „Leitprojekt“ des Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“, müssen die Bürger aber länger warten als geplant: Vor Sommer 2020 eröffnet er nicht.

Auf diesem Grundstück in der Guerickestraße soll das Begegnungszentrum entstehen. Foto: Julia Ried
Auf diesem Grundstück in der Guerickestraße soll das Begegnungszentrum entstehen. Foto: Julia Ried

Das räumt die Stadt in dem Beschluss zu der Baumaßnahme, den am Donnerstagabend der Stadtrat einstimmig fasste, ein. Aufmerksame Bürger des Viertels haben es vermutet: Trotz Ankündigungen, das Haus werde im Herbst 2019 oder Ende 2019 den Betrieb aufnehmen, tut sich auf der Baustelle in der Guerickestraße nichts. Der Zeitplan sei konkretisiert worden, sagt Stadtsprecherin Katrin Butz auf Nachfrage – Gründe dafür nennt sie nicht.

Hier sehen sie den Standort des neuen Begegnungszentrums.

Johann Brandl, Vorsitzender des Bürgervereins Süd-Ost, bezweifelt angesichts der hohen Auslastung der Baufirmen und des Mangels an pädagogischen Fachkräften auch, dass der neue Zeitplan zu halten sein wird. „2021 ist vielleicht realistisch.“ Er macht keinen Hehl daraus, dass er sich als Bewohner des Viertels von der Stadt alleingelassen fühlt. „Die Flüchtlingskrise hat 2015 begonnen. Es ist seitdem nichts passiert, außer dass Transit- und Ankerzentren geöffnet haben. Es wird immer viel versprochen, aber es wird wenig gehalten.“ Und viele Alteingesessene vermissten schon viel länger einen Treffpunkt. „Wir warten weiterhin auf ein Begegnungszentrum. Wie seit 35, 40 Jahren.“ Das Fehlen eines solchen Hauses schmerze umso mehr, als dass nächstes Jahr das Antoniushaus generalsaniert werde.

Fast alle Flüchtlinge im Osten

Nach Angaben der Regierung der Oberpfalz lebt derzeit die große Mehrheit der Flüchtlinge in Regensburg im Kasernenviertel, wie neben Brandl auch Flüchtlingshelfer von Campus Asyl und Bernadette Dechant, CSU-Stadträtin aus dem Stadtosten, beklagen: 1380 von 1460 Asylsuchenden sind hier in staatlichen Einrichtungen untergebracht. Im im August eröffneten Ankerzentrum in Bajuwaren- und Zeißstraße leben rund 680 Menschen, rund 700 sind in sechs Gemeinschaftsunterkünften im Kasernenviertel untergebracht. In der näheren Umgebung leben zahlreiche weitere Migranten: In Osten- und Kasernenviertel liegt der Ausländeranteil bei etwa 25 Prozent, so hoch wie sonst nirgends in der Stadt.

Politik

5,3 Millionen für sozialen Frieden

Das Begegnungszentrum im Regensburger Kasernenviertel wird noch größer. Kritiker sagen: Der Standort liegt abseits.

Dennis Forster, Vorstandsmitglied von Campus Asyl, sagt über das Kasernenviertel: „Es kommen hier viele soziale Probleme der einheimischen Bevölkerung zusammen mit der Aufgabe, die Flüchtlinge, die hier leben, zu integrieren.“ Vor diesem Hintergrund begrüße er das Anliegen der Stadt, mit einem Begegnungshaus den sozialen Zusammenhalt im Viertel zu fördern – auch wenn das Projekt nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein könne, der zudem zu spät komme. Währenddessen verschärfe das Ankerzentrum die soziale Lage, weil es dazu angelegt sei, den Kontakt der Flüchtlinge mit der einheimischen Bevölkerung und ihre Integration in den Regensburger Alltag zu unterbinden. Das erhöhe den psychischen Stress der Bewohner. „Damit steigt der Hang zur Kriminalität.“ Forster betont: „Wir finden es schon fast eine Schande, dass die Stadt hier aufräumen soll, was die Staatsregierung veranstaltet mit dem Ankerzentrum.“

CSU: „Reparaturbetrieb“

CSU-Stadträtin Dechant sieht die Stadt sehr wohl in der Verantwortung, was die Entwicklung des Viertels angeht. „Das ist ein Reparaturbetrieb für verfehlte Stadtplanung über Jahrzehnte hinweg“, sagt sie über das Begegnungszentrum und weitere Projekte im Rahmen der „Sozialen Stadt“.

SPD-Stadträtin Evelyn Kolbe-Stockert dagegen zeigt sich froh über den Stand des Projekts: „Das geht seinen Weg.“ Probebohrungen für das Zentrum fänden statt, aktuell verhandle die Stadt mit der Regierung über eine mögliche Erstattung von Kosten. Auch nehme das Quartiersmanagement der „Sozialen Stadt“ im Oktober die Arbeit auf. „Das ist dann auch schon unterwegs und ein Ansprechpartner.“

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