MyMz
Anzeige

Reaktion

„Endlose Betonwürfel“ am Brandlberg

Die Anwohner sind über die Bebauungsgröße verärgert. Man habe über die Verdichtung nicht vorzeitig informiert, klagen sie.
von Daniel Steffen, MZ

An der Pilsen-Allee baut das Immobilienzentrum ein Quartier mit deutlich mehr als 500 Wohnungen. Foto: Steffen
An der Pilsen-Allee baut das Immobilienzentrum ein Quartier mit deutlich mehr als 500 Wohnungen. Foto: Steffen

Regensburg.„Es war einmal eine wunderschöne Glanzbroschüre, die für die Anwohner des Brandlberges wie ein Wunder aus 1000 und einer Nacht gewirkt hat“, erinnert sich Konrad Birkmeier. Dieses Gefühl schlummerte erst vor wenigen Jahren in ihm, als noch die Rede von den „Obstgärten“ am Brandlberg war. „Eine hässliche und schon lange leerstehende Fabrikhalle sollte verschwinden, ein Gewerbegebiet vor unserer Nase umgewidmet werden und dafür ein wunderschönes Wohngebiet entstehen“, führt der Geschäftsführer des ortsansässigen Männer- und Burschenvereins an. Doch dann kam alles anders, sagt Birkmeier und lässt seinen Blick in Richtung Großbaustelle schweifen.

„Eine hässliche und gedankenlose Trabantenstadt“ sei das, was derzeit aus dem Boden gestemmt werde. „Endlose Betonwürfel, die sich aneinanderreihen“, so sieht Birkmeier den Brandlberg. Statt 150 Einfamilienhäuser, wie ursprünglich vorgesehen, entstünden nun weit über 500 Wohneinheiten.

„Fühle mich belogen und betrogen“

Anwohner Manfred Kautetzky formuliert es noch drastischer: Er fühle sich „belogen und betrogen“, weil er von der ursprünglich angedachten Größenordnung der Neubausiedlung ausgegangen sei. Weder das Immobilienzentrum, noch die Stadtverwaltung, noch Stadträte hätten ihn über die massive Verdichtung am Brandlberg informiert. Erst in der Presse habe er darüber erfahren.

Die Hoffnungen auf eine grüne Idylle am Brandlberg scheinen zerstört. „Es wird nicht mehr viel Platz für das Grün geben, das von den Entwicklern mal angedacht war“, sagt Birkmeier. Nein, so habe er sich das nicht vorgestellt, auch wenn die städtischen Verantwortlichen nun „jubeln“ würden, da „der so dringend benötigte Wohnraum entsteht“. Auch Anwohner Werner Unger kann es sich nicht vorstellen, „dass bei der engen Bebauung genug Platz für die Begrünung bleibt“. Ihn berühre die Maßnahme aber weniger, weil er auf von seinem Haus aus „nur einen kleinen Teil“ der neuen Wohnbebauung sehe.

Sowohl er als Birkmeier kritisieren jedoch, dass den Investoren eine immer größere Verdichtung der Wohnfläche überlassen worden sei, ohne dass die örtliche Infrastruktur angepasst worden sei. „Tatsache ist, dass der Stadtteil jetzt und wohl auch künftig nur über eine einzige Straßenanbindung verfügt“, sagt Birkmeier und meint damit die bestehende Kreuzung Grünthaler Straße/Glashüttenstraße.

2000 „Neue“ und ein Nadelöhr

Er verweist darauf, dass über das „einspurige Nadelöhr“ der Verkehr mit künftig 2000 Neueinwohnern abgewickelt werde. Skeptisch ist auch Alfred Pangerl, der Vorsitzende des Männer- und Burschenvereins. Er sagt: „Ich bin mal gespannt, wie das mit dem Verkehr wird, wenn alle neu eingezogen sind.“ Spätestens in zwei Jahren werde man das sehen.

Die Bemühungen der Anwohner, etwas an der Verkehrsführung zu ändern, scheinen vorerst gescheitert: „Alle unsere frühzeitigen Vorschläge nach einer vernünftigen Verkehrsanbindung wurden von der Politik und der Verwaltung nur mitleidig in den Bereich der Fabeln verwiesen“, sagt Birkmeier verärgert. Sowohl die Idee eines Kreisverkehrs an der bestehenden Einmündung als auch eine zweite Anbindung über die Pilsen-Allee hätten die Stadtverwaltung nicht überzeugt.

Antrag abgelehnt

  • Rückstaus nicht auszuschließen

    Im März 2016 lehnte die Stadtverwaltung einen Anwohner-Antrag nach einer Neuerschließung des Stadtteils Brandlberg ab: Der vorhandene Knotenpunkt sei „dank der vorhandenen Abbiegestreifen ausreichend leistungsfähig, um die zusätzlichen Verkehre abwickeln zu können“, hieß es in den Unterlagen des Stadtplanungsamts. Zeitlich begrenzte Rückstaus in den Hauptverkehrszeiten seien „jedoch nicht auszuschließen“.

  • Pilsen-Allee wirke sich positiv aus

    Durch den Bau der Pilsen-Allee habe das „Verkehrssaufkommen in der Grünthaler Straße deutlich nachgelassen“, lautete ein weiteres Argument. (mds)

Weitere Nachrichten vom Brandlberg finden Sie hier.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht