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Geschichte

„Unter Tage“ am Keilberg in Regensburg

1820 nahm die Bergbau-Tradition im heutigen Stadtteil ihren Anfang. Dr. Armin Gugau hat zum Thema ausführlich geforscht.
von Daniel Steffen

Wie hier im Besucherbergwerk im sächsischen Annaberg-Buchholz könnte es „Unter Tage“ in Keilberg ausgesehen haben. Foto: dpa/Woitas
Wie hier im Besucherbergwerk im sächsischen Annaberg-Buchholz könnte es „Unter Tage“ in Keilberg ausgesehen haben. Foto: dpa/Woitas

Regensburg.Am 26. August 1858 verunglückte der erst 19-jährige Bergknappe Georg Winklmaier in einem 30 Meter tiefen Bergwerksschacht am Keilberg. „Ein Kübel sey zurück in die Tiefe dem Georg Winkelmaier auf dem Hintertheil des Kopfes gefallen und habe ihm das Genick eingeschlagen“, schrieb der damalige Irlbacher Pfarrer in das Sterbebuch. Für CSU-Stadtrat Dr. Armin Gugau gab dieser tödliche Unfall den Anstoß, sich näher mit der Geschichte des Bergbaus am Keilberg auseinanderzusetzen. Er nahm sich zahlreiche historische Karten und Pläne zur Hand, um die Bergbau-Tradition des heutigen Regensburger Stadtteils nachzuzeichnen.

Schon 1820, so fand er heraus, wurden am Keilberg Eisenerz, Farb- und Porzellanerde abgebaut. Die Anfänge sind verbunden mit dem Namen Georg Mann. Dem Hammerschmied aus Schönhofen ist es nach mehrjährigen Bemühungen gelungen, eine Erzlagerstätte aufzufinden und freizulegen. Dies geschah Jahrzehnte bevor sich die Kalkwerksbetriebe Funk, Micheler und Kummer (das heutige Unternehmen Walhalla-Kalk) gründeten.

1841 nahm der Abbau Fahrt auf

Gugau zufolge schlugen die ersten Versuche, sich mit dem Abbau zu etablieren, fehl. „Erst 1841 gelang es Georg Mann, einen kleinen Bergbaubetrieb zu etablieren“, sagt er. Das königliche Berg- und Hüttenamt Bodenwöhr übertrug dem Hammerschmied am 30. Januar erneut ein Grubenfeld auf Eisenerz. Ihm war gestattet, innerhalb dieses Feldes alle Bodenschätze unterhalb der Erdoberfläche abzubauen. Der Betrieb befand sich nahe der „Hohen Linie“ und trug den Namen St. Theresienzeche. „Die Zeche bestand aus einem Schacht, einer Schachthütte und einer Erzwäsche“, erläutert Gugau.

Diese Aufnahme aus der Annagrube im Oberallgäu zeigt, wie eng es in den Eisenerzgruben war. Foto: dpa/Hildenbrand
Diese Aufnahme aus der Annagrube im Oberallgäu zeigt, wie eng es in den Eisenerzgruben war. Foto: dpa/Hildenbrand

Aus einer Tiefe von 14 Metern beförderten dort die Bergknappen zunächst 600 Tonnen Roteisenerz, das nach Lichtenwald bei Altenthann und in ein Hammerwerk bei Essing verschifft wurde. 1845 stellte sich dann der Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen auf die Förderung von Porzellanerde um. Mit der Porzellanerde wurden Manufakturen in Regensburg, Nymphenburg und Ansbach-Bruckberg beliefert. Im Jahr 1855 errichtete der Betrieb am Keilberg eine Schlemmhütte, in der die Porzellanerde aus der Erde herausgewaschen wurde.

Komplizierter gestaltete sich die Reinigung des Erzes. Da die Keilberger um ihre sparsamen Wasserquellen fürchteten, zertrümmerten sie die 1841 angelegten Wassergruben gleich nach ihrer Fertigstellung. Deshalb musste Georg Mann mit der Erzwäsche nach Schwabelweis ausweichen, wo er ein geeignetes Grundstück mit Brunnen fand. Für dessen Nutzung musste er eine jährliche Pacht in Höhe von 20 Gulden entrichten. Mit Ochsengespannen wurde das Mineral aus Keilberg nach Schwabelweis angeliefert.

„In den ersten drei Jahren förderte der gelernte Bergbauingenieur 584 Tonnen Porzellanerde.“

Dr. Armin Gugau

Auch die Arbeit unter Tage konnte Gugau erforschen –unter anderem deshalb, weil die Ausgaben für Gerät und Werkzeug gut dokumentiert sind. So wurde das Gestein mit Keilhauen (auch Pickel genannt) gebrochen und mit Radkarren im Stollen bis zum Schacht gefahren. „Im Schacht luden die Arbeiter das Material in Kübeln um und zogen es mit einer Seilwinde nach oben“, erklärt Gugau. Das obere Ende des Förderschachts befand sich in einer verschließbaren Schachthütte. „In die Stollen gelangte man über eine Leiter, die an den Wänden des Schachts angebracht war. Dieser war mit Brettern ausgekleidet, während die Stollen mit Stämmen abgestützt wurden.“ Ein Seifensieder aus Reinhausen versorgte die Arbeiter mit einem Talg-Brennstoff für die Grubenlampen.

Zwischenzeitlich probierten weitere Unternehmer in Keilberg ihr Glück: Ihr Vorhaben scheiterte jedoch, da die Gruben keinen Gewinn abwarfen und nicht genügend günstige Arbeitskräfte vorhanden waren. Die St. Theresienzeche blieb trotz hoher Verschuldung weiter bestehen, wechselte aber mehrfach den Besitzer. 1868 schließlich nahm sich der spätere Kalkwerk-Inhaber Joseph Micheler der Zeche an: Er benannte den (erstmals wirtschaftlich erfolgreichen) Betrieb in die Zeche „Gut Glück“ um. „In den ersten drei Jahren förderte der gelernte Bergbauingenieur 584 Tonnen Porzellanerde“, berichtet Gugau über diese Zeit.

Zeche wurde 1894 geschlossen

1877 ließ Micheler für das geförderte Eisenerz eine Mühle mit Dampfbetrieb auf dem Gelände seines neu gegründeten Kalkwerks errichten. „Die daraus gewonnene Farberde wurde in der Ölfarbenindustrie und bei der Weiterverarbeitung von Zement und Kalkputzen verwendet“, beschreibt Gugau. Bis zur Zechen-Schließung im Jahr 1894 existierten entlang der Hohen Linie ein Eisenerz- und ein Porzellanschacht. Letzter befand sich in Höhe des heutigen Spielplatzes des Kindergartens St. Michael und lag 46 Meter tief. Als Grund für die Schließung führt Gugau an, dass massenweise Grubenwasser in die Schächte eindrang, was die Arbeit nicht mehr rentabel machte.

„Danach wurden die Förderschächte verfüllt. Zeitzeugen berichteten aber, noch zu späteren Zeiten in den Stollen beim Eisenerzweg hineingekrochen zu sein.“

Dr. Armin Gugau

Allerdings sind bis in den 1. Weltkrieg hinein die Schachthütten, die Bergknappenwohnung und die Erzwäsche erhalten geblieben. „Danach wurden die Förderschächte verfüllt. Zeitzeugen berichteten aber, noch zu späteren Zeiten in den Stollen beim Eisenerzweg hineingekrochen zu sein“, sagt Gugau. Wie er vermutet, handelte es sich um einen 14 Meter tiefen und 40 Meter langen Versuchsschacht, der nicht vollständig verfüllt wurde. Im Dritten Reich wurden am Keilberg Probebohrungen gemacht. Der damalige NS-Oberbürgermeister Otto Schottenheim zeigte sich zuversichtlich, dass am Nordhang langfristig mit einem erneuten Erzabbau zu rechnen sei –nicht aber unter Kriegsbedingungen.

Die Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg als neuer Inhaber wollte das ErzVorkommen für Zeiten der Rohstoff-Knappheit aufbewahren. Der Versuch in den 60er-Jahren, ein neues Bergwerk mit 200 bis 300 Arbeitern zu errichten, blieb jedoch erfolglos. Die Regierung der Oberpfalz hob 1973 für die Maxhütte die Erlaubnis zum Aufsuchen von Eisenerz auf –und somit gehörte der Bergbau am Keilberg endgültig der Vergangenheit an.

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Der Fachaufsatz zum Thema

  • Straßennamen

    wie Schlemmhüttenweg und Eisenerzweg bezeugen die Bergbautradition bis heute. Vielen Keilbergern sei diese nicht mehr bekannt, da es an schriftlichen Abhandlungen mangele, sagt Armin Gugau.

  • Dokumentiert

    hat er die Bergbau-Geschichte in einem 74-seitigen Fachaufsatz. Dieser ist im Band 14 der „Tegernheimer Heimat- und Geschichtsblätter“ des Heimat- und Geschichtsvereins Tegernheim erschienen.

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