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Feuerwehr

Der „Eiserne Bader“ räumt den Spind

Nach 49 Jahren Einsatz scheidet Gerhard Seitz aus dem aktiven Dienst in Burgweinting aus. Ein Abend würdigt seine Leistungen.
Von Roland Ebner

Gerhard Seitz (rechts) war fast fünf Jahrzehnte für die FF Burgweinting im Einsatz. Foto: Stefan Prechtl
Gerhard Seitz (rechts) war fast fünf Jahrzehnte für die FF Burgweinting im Einsatz. Foto: Stefan Prechtl

Burgweinting.49 Jahre lang hat er der FF Burgweinting treue Lösch-Dienste geleistet. Jetzt, zum 65. Geburtstag, wurde Gerhard Seitz mit allen Ehren in den Aktiven-Ruhestand verabschiedet.

„Nun ist der Tag gekommen, an dem Du aus Altersgründen aus dem aktiven Dienst ausscheidest“, erklärte dazu Kommandant Stefan Prechtl. Und weiter: „Nach so vielen Jahren ist es gewiss kein leichter Schritt, den Spind zu räumen und beim Ertönen der Sirene das ‚Alarm-Radl‘ in der Garage zu lassen.“ Nicht viele, so Prechtl, hätten bis zum Schluss durchgehalten. „Aber du bist einer der Eisernen, auf dich war Verlass bis zum letzten Einsatz“, rühmte der Kommandant in seiner Abschiedsrede.

1970 in die Wehr eingetreten

Mit 16 Jahren ist der gebürtige Burgweintinger 1970 in die Wehr eingetreten. „Damals wurde noch ein Mann gesucht fürs Leistungsabzeichen Bronze. Und da hat man halt mich gefragt, weil mein Vater eh schon bei der FFW gewesen ist“, erzählt Seitz im Gespräch mit der Mittelbayerischen: „Und wohlgefühlt hab’ ich mich bei der Wehr gleich von Anfang an.“

Da war er noch der Friseur-Lehrling im Geschäft des Vaters an der Obertraublinger Straße. Haare schneiden und Feuer löschen sollten dann jahrzehntelang sein Leben prägen.

Aufgrund seiner Verdienste und Qualifikation wurde Seitz vor neun Jahren zum Hauptlöschmeister befördert. Zahlreiche Lehrgänge hat er besucht und Leistungsabzeichen erworben. Auch auf internationaler Ebene habe er den Namen der Burgweintinger Wehr vertreten, lobte Prechtl. Der Erwerb der Österreichischen Leistungsabzeichen in Münster und Lienz sei allen Teilnehmern noch in guter Erinnerung. Das ist nicht alles: Für 25-jährigen aktiven Dienst wurde ihm 1996 das silberne Ehrenkreuz verliehen. Das goldene Ehrenkreuz folgte dann 2009 im Kurfürstenzimmer der Stadt Regensburg.

Multiplikator in Sachen Werbung für die Feuerwehr

Prechtl verweist hier auf „unzählige Einsätze“, die Seitz gefordert hatten. Großbrände, technische Hilfeleistungen mit Verkehrsunfällen sowie Hochwassereinsätze bilanziert der Kommandant: „Dabei hast du so oft deinen Mann gestanden und warst an vorderster Front vertreten.“

Für den „Bader“, wie Seitz von den meisten Einheimischen bis heute genannt werde, sei es bei dringenden Einsätzen „eine Selbstverständlichkeit gewesen, seine Kunden mit halb geschorenem Kopf sitzen zu lassen, nur um seinen Pflichten als aktiver Feuerwehrmann nachzukommen“.

Der „Bader“ sei aber auch ein Multiplikator in Sachen Werbung für die Feuerwehr, freut sich der stellvertretende Kommandant Wolfgang Ebentheuer: „In seiner Kundenbeziehung beim Haareschneiden weist er oft auf die Notwendigkeit einer Freiwilligen Feuerwehr hin, ganz gleich, welcher Andrang gerade vorherrscht.“

Aber auch als Brandmelder habe Seitz vor Jahren Spürsinn bewiesen, weiß Prechtl: „Beim Strohschoberbrand am Alten Fußballplatz, wo du zufällig vorbei kamst, hast du sofort die Brandgefahr erkannt und umgehend Alarm geschlagen.“ In Erinnerung geblieben sei auch der Blitzeinschlag im Haus eines Nachbarn. Laut Zeitungsberichten hätten die Seitz-Brüder gleich „umsichtig gehandelt und so größeren Schaden verhindert“.

Aber nicht nur im aktiven Dienst, sondern auch für den Feuerwehr-Verein, engagiert sich Seitz bis heute. Vor 18 Jahren wurde er als Kassenwart in den Vorstand gewählt und übt das Amt bis heute aus.

„Es war immer eine schöne Zeit“

Prechtl erinnert in dem Zusammenhang auch an das 125-jährige Gründungsfest der Feuerwehr, an dem Seitz Gerhards Ehefrau Sieglinde „die ehrenvolle Aufgabe der Fahnenmutter“ übernommen hatte: „Die gesamte Familie Seitz engagierte sich außerordentlich, so dass uns das Fest zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde.“ Der Name Seitz sei dergestalt seit Jahrzehnten mit der Freiwilligen Feuerwehr verbunden.

„Es war immer eine schöne Zeit“, resümiert Seitz auf Nachfrage: „Jeder konnte sich auf jeden verlassen.“ Und das war wohl auch nötig, wie er und Ebentheuer gemeinsam betonen. In den 70er und 80er Jahren seien die Einsätze mit dem „Risiko für Leib und Leben“ noch sehr viel härter und fordernder gewesen als heute. „Und auch deshalb“, so Seitz, „ist über die Jahrzehnte hinweg ein großer Freundeskreis entstanden.“

Seine schwersten Feuerwehrtage hat er dann im Januar 2012 erlebt, als das Dach der eigenen Feuerwache in Flammen stand. Seitz: „Da war ich fertig und hätte beinahe geweint.“

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