MyMz
Anzeige

Freizeit

Junge Feuerwehrler segelten übers Meer

Die Burgweintinger waren mit einem Zweimastklipper im Ijsselmeer unterwegs. 16 Jugendliche waren als Matrosen gefordert.
von Roland Ebner

Die jungen Matrosen und ihre Betreuer vor dem ersten Segel setzen,  Foto: Oliver Bulla
Die jungen Matrosen und ihre Betreuer vor dem ersten Segel setzen, Foto: Oliver Bulla

Regensburg.Dass Feuerwehrler zwangsläufig eine Vorliebe fürs Wasser haben, ist einleuchtend. Dass diese Liebe sich aber auch aufs weite Meer erstreckt, erscheint doch eher ungewöhnlich. Nun, die Burgweintinger Wehr hat das demonstriert. Zusammen mit ihrer Jugend ist sie ans holländische Ijssel- und Wattenmeer gefahren – aber nicht zum Baden, sondern zum Schippern, und zwar auf einem Zweimastklipper mit einer Gesamtlänge von 32 Metern. 16 Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren und zehn Erwachsene durften sich dabei die Matrosenjäckchen überziehen und dann die Segel setzen.

Auf Schülerfahrten spezialisiert

Das Ganze hatte freilich eine umfangreiche Vorgeschichte, wie FFW-Jugendwart Stefan Prechtl der MZ erzählt: „Den Gedanken an eine derartige Fahrt hatte ich schon seit mehreren Jahren, konkreter habe ich mich erst im Sommer 2017 damit befasst.“ Ziemlich aufwendig sei dann die Vorbereitungsphase gewesen. Insbesondere die Punkte „Absicherung“ sowie „Finanzierung“ erwähnt Prechtl hier.

Entschieden habe man sich schließlich für einen „Anbieter, der sich auf Schüler- und Klassenfahrten spezialisiert hat“. Ein umfangreiches Versicherungs-Paket habe alle möglichen Gefahren abgedeckt. Prechtl: „Bei der Finanzierung beteiligte sich der Förderverein der Wehr, so dass ein angemessener Unkostenbeitrag pro Teilnehmer möglich war.“ War wohl auch nötig: Immerhin summierten sich die Gesamtkosten auf etwa 10 000 Euro, bilanziert Prechtl auf Nachfrage.

Was die Segler wohl in der Ferne erwartet? Foto: Oliver Bulla
Was die Segler wohl in der Ferne erwartet? Foto: Oliver Bulla

Im November vergangenen Jahres wurden dann die Eltern der Jugendlichen über die Fahrt informiert und das Interesse an dem nautischen Unternehmen erkundet: „Die Nachfrage war so groß, dass dem Vorhaben nichts mehr im Weg stand. Gebucht wurde schließlich das niederländische Segelschiff „Nirwana“. Und dem fröhlichen Segeltörn stand nichts mehr im Wege.

Die nötige Detailplanung mit Prechtls Stellvertretern Christian Janker und Christian Bischoff im vergangenen Frühjahr hatte sich unter anderem auch mit dem nicht unwichtigen Speiseplan zu befassen. „Nachdem wir uns entschlossen hatten, alle Lebensmittel samt Getränke in Regensburg einzukaufen und in die Niederlande mitzunehmen, stand wenige Tage vor der Fahrt ein Großeinkauf an“, so Prechtl. Alleine 1000 PET-Flaschen wurden an Bord gebracht. Und mit 50 Kilo Kartoffeln hatte der Smutje in der Kombüse auch gut zu tun – selber kochen war nämlich angesagt!

Die junge Crew insgesamt war sehr gefordert und zwar nicht nur auf dem Sonnendeck - auch dort wurde nämlich geschrubbt. Prechtl: „Das Schiff hat insgesamt vier Segel, die jeden Morgen aufzuziehen waren. Während der Fahrt musste jedes der vier Teams sein Segel im Wind halten, getreu den Ansagen von Skipperin Irene. Waren die Handgriffe zu Beginn der Fahrt noch etwas chaotisch, so gingen diese zum Ende hin in einen ruhigen und routinierten Ablauf über.“ Eine „Spitzengeschwindigkeit“ von gut zehn Knoten, etwa 18 Stundenkilometer, sei dabei erreicht worden.

Prechtl: „An Bord verkündete Skipperin Irene immer das Tagesziel und versprach, uns am Freitag wieder in unserem Abfahrtshafen Enkhuizen abzuliefern.“ Die eigentliche Route habe man vorab allerdings nicht planen können, da Wetter- beziehungsweise Windlage im Vorfeld nicht bekannt gewesen seien.

Fünf Tage von Montag bis Freitag haben die jungen Teerjacken auf dem offenen Meer verbracht, vier Nächte in unterschiedlichen Häfen. „Und eine Nacht sind wir nach dem ‚Trockenfallen‘ auf dem offenen Meer vor Anker geblieben“, erinnert sich der Jugendwart. Ungefähr 115 Seemeilen, etwa 200 Kilometer, haben die „See-Feuerwehrler“ auf diese Weise zurückgelegt.

„Die Woche verging schneller als gedacht und unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt.“ Jugendwarte samt Betreuerteam und vor allem die Jugendlichen zeigten sich begeistert vom Segeltörn, nahmen von der Fahrt zahlreiche Eindrücke und neue Erfahrungen mit.

Gestärkter Teamgeist

Raphael zum Beispiel zeigt sich noch immer angetan vom Navigieren: „Das Steuer der Nirwana übernehmen zu dürfen, war für mich ein ganz besonderer Moment.“ Noah wiederum haben alleine schon „die Ausmaße der Segel sowie die Kraft des Windes beeindruckt“. Kai hat das Ganze wohl eher ruhig angehen lassen: „Das Bugnetz war wie eine Hängematte - perfekt zum Chillen.“ Und Paul fand die „gemeinsamen Badepausen am offenen Meer cool“. Artur resümiert für alle: „Die Fahrt verging viel zu schnell, gerne wäre ich noch ein paar Tage länger an Bord geblieben.“

„Vom gestärkten Teamgeist sowie von der Erkenntnis, dass es im Leben Situationen und Aufgaben gibt, die man alleine nicht meistern kann, wird die Jugendgruppe der FFW Burgweinting noch lange profitieren“, beteuert Prechtl. Und: „Ein Segelschiff in dieser Größe alleine zu steuern und heil von A nach B zu manövrieren, ist ein Ding der Unmöglichkeit!“

Früher Frachtschiff

  • Anfänge:

    Die ‚Nirwana‘ wurde 1910 als Einmastklipper ‚Neeltje‘ gebaut. Bis ca. 1940 segelte sie in der Frachtfahrt. Danach wurde der Klipper motorisiert.

  • Umbau:

    Das Schiff wurde 1991 zum komfortablen Zweimastklipper umgebaut. Der Frachtraum wurde zur Unterkunft für 26 Personen. Seit dem Jahr 2008 ist Irene Toxopeus die Eignerin.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht