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Kunst

Das richtige Auge für das Wesentliche

Vor 20 Jahren wurde die Regensburger Photogilde gegründet. Nun zeigen 15 Mitglieder Arbeiten im Bezirksklinikum.
Von Julia Meidinger, MZ

  • Hobbyfotograf Wolfgang Puscher ist mit einer Gruppe Gleichgesinnten nach Island gereist, um Naturphänomene mit der Linse einzufangen. Besonders stolz ist er auf das Foto eines Felsbrockens, der wie verloren in der Landschaft liegt. Foto: Meidinger
  • Photogilde1: 5.v.l. (vordere Reihe): Vorstand Klaus Meichner 6.v.l. (vordere Reihe): OB Wolbergs, links neben ihm: medbo-Vorstand Helmut Hausner. Die Restlichen: Die Mitglieder der Regensburger Photogilde. Foto: Meidinger
  • Astrid Lampe: Sie präsentiert auf der Jubiläumsausstellung Fotos von der Münchner U-Bahn-Landschaft. Besonders die Vielfalt der Formen hat es ihr angetan. Foto: Meidinger

Regensburg.Eine leere U-Bahn-Halle mit einem rot leuchtenden Deckengewölbe, das sich ins Unendliche zu ziehen scheint. Ein alter Baumstamm, dessen Rinde sich zu einem staunenden, fast menschlichen Gesicht verformt hat. Ein Feuer in der Nacht, dessen Flammen in alle Richtungen züngeln. Diese Fotos säumen neben vielen anderen die Wände des achten Hauses im Bezirksklinikum.

Unterstützung aus der Gruppe

Die Regensburger Photogilde feiert ihren 20. Geburtstag, seit Freitag können die Fotografien im Rahmen der Jubiläumsausstellung besichtigt werden. „Anfangs waren wir nur eine Handvoll Fotografen und haben uns ,Arbeitskreis kreative Fotografie‘ genannt“, erzählt der Vorsitzende Klaus Meichner. Erst später habe sich die Künstlergruppe für die Bezeichnung „Gilde“ entschieden. „Damit bezeichnete man im Mittelalter eine Gruppe von Leuten mit gleichen Interessen, die sich gegenseitig unterstützen – das trifft den Charakter der Regensburger Photogilde“, erklärt Meichner den rund 80 Besuchern. Er bedankte sich bei medbo-Vorstand Helmut Hausner dafür, dass die Photogilde im Bezirksklinikum ausstellen dürfe – es werde immer schwieriger, die geeigneten Räumlichkeiten für eine Fotoausstellung zu finden. Hausner offenbarte seine medizinische Sicht auf die Fotografie: „Als Psychiater gebe ich meinen Patienten immer den Rat, im Augenblick zu leben und diesen zu genießen.“ Genau das würden die Fotografen machen. „Sie geben dem Augenblick Dauer“, sagte Hausner. Auch Oberbürgermeister Wolbergs verriet seine Begeisterung für die Fotografie. „Ich erinnere mich daran, als im vergangenen Jahr die Stimmung bei uns angesichts des wachsenden Flüchtlingszustroms zu kippen drohte. Doch dann ging das Foto eines toten syrischen Jungen am Strand der Türkei um die Welt und alles änderte sich auf einen Schlag.“ Die Menschen hätten Mitleid empfunden.

Die Regensburger Photogilde feiert Geburtstag

Das einschneidenste Ereignis in den vergangenen 20 Jahren der Photogilde? Die digitale Revolution, da sind sich die Hobbyfotografen einig. „Wir alle fotografieren heute digital“, erklärt Astrid Lampe. Die Vorteile gegenüber der analogen Fotografie seien gewaltig. „Früher hatte man einen Film, mit dem man eine begrenzte Zahl an Fotos schießen konnte. Die Bilder hat man erst gesehen, nachdem sie entwickelt wurden“, erklärt Lampe. Kollege Wolfgang Puscher stimmt ihr zu. „Der Umstieg von der analogen zur digitalen Fotografie ist das Beste, was uns passieren konnte.“ Die Auswahl des richtigen Films habe ihm zu analogen Zeiten einige Umstände bereitet. „Wenn man einen 100er Film dabei hatte und das Licht war schlecht, hatte man eben Pech.“

Fotografie braucht Zeit

Die beiden Fotografen sehen aber auch die Nachteile der digitalen Fotografie. „Früher musste man sich besser konzentrieren, da man nur eine begrenzte Anzahl an Fotos machen konnte.“, sagt Puscher. Heute werde er manchmal dazu verleitet, „einfach draufzudrücken“. Doch Astrid Lampe betont: „Wir sind keine Knipser.“ Fotografie brauche immer noch Zeit, die Bearbeitungsmöglichkeiten seien heute sehr vielfältig. „Die verschiedenen Programme bieten unzählige Möglichkeiten. Ich arbeite aber nur mit Kontrasten, Schatten oder Sättigungen.“ Ihr Ziel sei es, das Foto möglichst so zu belassen, wie es aufgenommen wurde.

Auch Wolfgang Puschers Bilder sind kaum bearbeitet. Ein weißer Felsen, der, von Gischt umgeben, an einen schwarzen Strand gespült wurde. Vor diesem Foto steht Wolfgang Puscher, sein Gesichtsausdruck verrät Künstlerstolz, zärtlich fährt er die Konturen des übermenschlich groß erscheinenden, weißen Brockens nach. „Dieses Foto habe ich auf Island gemacht“, erklärt der Hobbyfotograf. „Dort werden Gletscherteile ins Meer gespült, deswegen säumen Eisbrocken den schwarzen Lava-Strand. Aus diesem Grund wirkt das Ganze wie eine Schwarz-Weiß-Fotografie, obwohl es nicht bearbeitet wurde.“ Der Brocken war keinen Meter hoch, die Makroeinstellung lässt ihn viel mächtiger wirken. Puscher gerät ins Schwärmen, wenn er von der Verschiedenheit der angespülten Eisbrocken erzählt, die „durchsichtig, strahlend blau oder von Asche-Streifen überzogen sind“.

Für die Jubiläumsausstellung der Regensburger Photogilde hat ein jedes der 15 aktiven Mitglieder vier eigene Fotos ausgewählt. Die meisten sind im vergangenen Jahr entstanden, viele davon sind Reisefotografien, Naturaufnahmen, aber auch Aufnahmen des Regensburger Doms befinden sich darunter. Was ein gutes Foto ausmache? „Ein Fotograf muss das richtige Auge haben“, erklärt Astrid Lampe. „Das ist wie beim Skifahren. Die teuerste und tollste Ausstattung hilft nichts, wenn man nicht damit fahren kann.“

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