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Der Künstler mit der Drehleiter

Manfred Eisenhofer zirkelte seinen 16-Tonner millimetergenau in die Albertus-Magnus-Kirche – und wurde bundesweit bekannt.
Von Wolfgang Ziegler

Diesen 16-Tonnen-Lkw lenkte Manfred Eisenhofer rückwärts und ohne Sicht in die St. Albertus Magnus-Kirche. Foto: Ziegler

Regensburg. Es war Millimeterarbeit. Als Manfred Eisenhofer am Abend des Neujahrstages das Drehleiter-Fahrzeug der Regensburger Berufsfeuerwehr rückwärts durch das Portal der Kirche St. Albertus Magnus in der Schwabenstraße steuerte, war er „blind“. Die Seitenspiegel des 16-Tonnen-Lkw hatte er eingeklappt, weil sein 2,80 Meter breites Gefährt sonst nicht durch das 20 Zentimeter schmälere Kirchentor gepasst hätte, er war auf Gedeih und Verderb auf seine Feuerwehr-Kollegen angewiesen, die als Einweiser fungierten. Der 54-Jährige, der seit bald 32 Jahren bei der Berufsfeuerwehr Dienst tut, meisterte die schwierige Situation bravourös – und machte damit bundesweit Schlagzeilen.

Nachdem die Einsatzleitung beschlossen hatte, in der Albertus Magnus-Kirche einen sogenannten „Innenangriff“ mit der Drehleiter zu wagen, um den Deckenbrand zu bekämpfen, hatte Manfred Eisenhofer nur eine einzige Möglichkeit: „Ich musste rückwärts in das Gotteshaus fahren, weil die Drehleiter vorwärts einen viel zu großen Wendekreis hat und der Rettungskorb zudem eineinhalb Meter über das Führerhaus hinausragt“, erinnert er sich in der Rückschau.

Kunststück am Steuer

Um die Stufen zum Kirchenportal zu umgehen, war der Drehleiter-Maschinist – so die offizielle Bezeichnung – vorher vorwärts auf das Podest vor der Kirche gefahren, wo er zunächst quer zum Eingang stand. Dann stieß er zurück, lenkte den Lkw zunächst durch das schwere Eisentor vor dem Gotteshaus und dann durch das Portal bis kurz vor den Altar. „Die Außenspiegel mussten wir bei beiden Toren einklappen, sonst hätten wir keine Chance gehabt“, erzählt er im Gespräch mit unserem Medienhaus. Und auch in der Kirche selbst sei es sehr eng gewesen. „Ich konnte kaum aussteigen. Und auch die Abstützung für die Leiter konnte ich nur minimal ausfahren.“

Ein spektakulärer Feuerwehreinsatz

Das Kunststück zwischen den Kirchenbänken gelang trotzdem. Nur so konnten sich zwei Kollegen Eisenhofers alsbald daran machen, vom Drehleiterkorb aus unter schwerem Atemschutz das Feuer in über zwölf Meter Höhe zu bekämpfen. „Mit einem großen Brecheisen und einer Kettensäge mussten sie Brett für Brett entfernen und die Holzverschalung aufschneiden, um überhaupt an den Brandherd zu kommen“, berichtet der erfahrene Feuerwehrmann. Damit die Einsatzkräfte nicht im Rauch standen, sorgten andere Einsatzkräfte mit einem großen Lüfter permanent für Frischluft.

Unterdessen versuchten Mitglieder der ebenfalls alarmierten Freiwilligen Feuerwehren aus Burgweinting und Oberisling die Flammen von außen zu bekämpfen – „bei einem heißen Blechdach ein äußerst schwieriges Unterfangen“, wie die stellvertretende Leiterin des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz, Iris Grimm, im Interview erläuterte. „Dafür braucht man ein ganz spezielles Werkzeug, weil sich jeder normale Winkelschleifer ganz schnell frisst.“ Die Dachpappe unter dem Blech schmiere die Flexscheibe nämlich sofort zu. Doch auch das gelang.

Manfred Eisenhofer im Einsatz: „Es ging nur rückwärts!“ Foto: Auer

Iris Grimm ist denn auch besonders stolz auf die Einsatzkräfte, die den Brand in der St. Albertus Magnus-Kirche vorbildlich bekämpft hätten. „Niemandem soll etwas passieren, aber wir haben gezeigt, dass wir da sind, wenn wir gebraucht werden. Wir sind ausgebildet, um zu retten und zu löschen – eine Woche nur auf der Wache würde deshalb schnell langweilig werden. Die stellvertretende Amtsleiterin muss sich da aber keine Sorgen machen. Die Regensburger Berufsfeuerwehr absolviert weit über 2000 Einsätze pro Jahr.

Ein Einsatz für die Geschichte

Etwa ein Drittel davon erlebt Manfred Eisenhofer hautnah mit. Gearbeitet wird bei den hauptamtlichen Feuerwehrleuten nämlich mit drei Wachabteilungen, also im Drei-Schicht-System. Auf einen 24-Stunden-Arbeitstag, der sich nicht nur an Brand- und Unfallorten abspielt, sondern auch in den eigenen Werk- und Ausbildungsstätten der Berufsfeuerwehr, folgen 48 Stunden Freizeit.

Der Held von Albertus Magnus hatte an diesem 1. Januar gerade „Halbzeit“, als der Alarm ausgelöst wurde. Bis dahin war der Tag eher „durchwachsen“. Ein paar Mülltonnenbrände, ein paar Wohnungsöffnungen – mehr hatten die Retter nicht zu tun gehabt. Niemand rechnete damit, dass der Regensburger Berufsfeuerwehr einer der außergewöhnlichsten Einsätze der Geschichte bevorstehen würde. „So etwas habe ich in 32 Jahre nicht erlebt, und so etwas wird in den nächsten 50 Jahren wohl auch nicht mehr so schnell vorkommen“, sagt Manfred Eisenhofer.

Mehr Bilder vom spektakulären Einsatz finden Sie hier:

Brand in St. Albertus Magnus

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