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Donnerstag, 26. April 2018 16° 3

Sanierung

Fußgängerzone macht nicht alle glücklich

Die Erneuerung in Regensburg ging 2017 schneller voran als geplant und ist 2019 beendet. Aber ist schneller auch besser?
Von Curd Wunderlich

Die Simulation zeigt die abgeschlossenen Arbeiten im Untergrund der Weiße-Lilien-Straße: Zunächst wurde der Kanal erneuert, anschließend wurden dann neue Gas- und Wasserleitungen sowie Kabel verlegt.Simulation: politide.eu

Regensburg.Freitag, der 13.: Eigentlich ein Tag, der bei vielen Menschen Furcht auslöst, weil er im Volksglauben für besonders viele Unglücke steht. Doch für Händler und Passanten in der Innenstadt sowie die Verantwortlichen im Rathaus war dieser Tag im Oktober heuer ein Glückstag.

Auf einem Pressetermin wurde bekanntgegeben: Die umfangreichen Sanierungsarbeiten in der Fußgängerzone können wohl ein Jahr früher beendet werden als geplant. Statt 2020 sollen die 7,6 Millionen Euro teuren Arbeiten nun also bereits Ende 2019 abgeschlossen sein.

Ende 2019 soll alles fertig sein

So waren alle Sparten (Gas, Wasser, Kanal, Telekommunikation und Strom) sowie der Straßenbau Ende des Jahres nicht nur wie geplant in der südlichen Pfauengasse und der Weiße-Lilien-Straße abgeschlossen, als die ausführende Firma Guggenberger die Baustelle über den Winter räumte; auch die Pfauengasse Nord und die Drei-Helm-Gasse sind bereits fix und fertig und in der Vier-Eimer-Gasse konnten Vorarbeiten für den geplanten neuen Brunnen vorgezogen werden.

Die neue Pflasterung in der Weiße-Lilien-Straße empfindet Professor Peter Morsbach als „einfallslos“. Foto: Wunderlich

Auf MZ-Anfrage skizziert die Stadt die weitere Ausführungsplanung so: 2018 sollen alle Sparten – also wieder Gas, Wasser, Kanal, Telekommunikation und Strom – in der Königstraße und Vier-Eimer-Gasse saniert werden. Auch der anschließende Straßenbau soll dort im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Analog will die Stadt dann 2019 in der Schwarzen-Bären-Straße und der Kapellengasse vorgehen. Und noch eine gute Nachricht hat die Stadt parat: „Die Kostenentwicklung entspricht der Kostenprognose. Das Budget wird eingehalten.“ Teurer als die veranschlagten 7,6 Millionen Euro soll die Aufhübschung der zentralen Altstadt also nicht werden.

Darüber, dass die Arbeiten nun wohl schneller vorbei sein werden als ursprünglich geplant, dürften sich neben den Rathausmitarbeitern und Passanten vor allem viele Einzelhändler in der Fußgängerzone freuen. Sie waren durch die Baustellen im vergangenen Jahr besonders leidgeplagt: Immer wieder waren die Eingänge zu ihren Geschäften wegen der Baustelle nur schwer erreichbar, ihre Werbeschilder wegen schweren Geräts vor den Fenstern kaum einsehbar.

„Es wird eine gestalterische Einheitssoße über die Fußgängerzone ausgegossen.“

Professor Peter Morsbach, Vorsitzender der Altstadtfreunde

Um den Geschäftsleuten die schwierige Bauphase zu vereinfachen und die zentrale Fußgängerzone auch in der Bauzeit attraktiv zu halten, hat die Stadt insgesamt 400000 Euro zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit einer PR-Agentur habe man „eine Vielzahl an Veranstaltungen und Aktionen“ erarbeitet, um die Menschen in die Altstadt zu locken, teilt die Stadt mit. Zudem seien die Einzelhändler immer wieder in speziellen Workshops über die nächsten Schritte auf der Baustelle informiert worden.

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Grundsätzlich hätten die Geschäftsleute Verständnis dafür, dass die über hundert Jahre alten Kanäle unter der Straße dringend saniert werden mussten und müssen, ist man im Rathaus überzeugt. Zudem würden sie und auch die Anwohner nach Abschluss der Arbeiten „von den schönen neuen Straßen und Plätzen“ profitieren. Der „altmodische Flickenteppich der zentralen Fußgängerzone“ sei schließlich „nicht mehr zeitgemäß“. Darin sind sich laut Stadt „alle einig“.

Nur einfallslos und pflegeleicht?

Ganz so eindeutig scheint das Stimmungsbild dann aber doch nicht zu sein. Professor Peter Morsbach, dem Vorsitzenden der Altstadtfreunde Regensburg, ist sein Unmut deutlich anzumerken, wenn er auf die Umgestaltung der Fußgängerzone angesprochen wird. Davor sei vonseiten der Stadt außer einer „Pseudo-Bürgerbeteiligung wie immer“ nichts gekommen, ärgert er sich im Telefonat mit der MZ.

Seiner Meinung nach „wird eine gestalterische Einheitssoße über die Fußgängerzone ausgegossen, einfallslos und pflegeleicht verlegtes Kleinsteinpflaster mit einer inneren Ablaufrinne“. Beispielsweise in der Weiße-Lilien-Straße möge das zunächst besser erscheinen „als das bisherige Sammelsurium an unterschiedlichen Straßenbelägen“.

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Jedoch habe die alte Fußgängerzone „eine dezidierte Gestaltungsqualität im Sinne einer bewussten, fast künstlerischen Auseinandersetzung zwischen Straßenraum und Häusern“, ist Morsbach überzeugt. Das werde beispielhaft in der westlichen Königstraße deutlich: Dort greife die Pflasterung die Hausfassaden auf und bilde so subtil ihre Architektur ab. „Einen vergleichbaren gestalterischen Willen kann ich in der Neugestaltung bisher nicht erblicken“, kritisiert der Altstadtfreund. Stattdessen entstehe „wieder eine Regensburger Simpelei“.

Im Rathaus wird man sich davon wohl eher nicht mehr beirren lassen. Zu glücklich scheinen die Verantwortlichen darüber, die schnellere Fertigstellung propagieren zu können.

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Kostenübersicht

  • Die Sanierung

    der Fußgängerzone kostet laut der Stadt rund 7,6 Millionen Euro.

  • Drei Millionen Euro

    kostet die Kanalsanierung, die restlichen 4,6 Millionen Euro gehen für die komplette Straßenerneuerung drauf.

  • Billiger wird

    die Maßnahme aber nicht. Das liegt daran, dass sich zwar der Zeitplan, jedoch nicht der Arbeitsaufwand ändert.

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