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Inklusion

Die Mensa wird rollstuhlfreundlich

Ein Tablettwagen bringt Rollstuhlfahrern mehr Unabhängigkeit. Das Studentenwerk will nun alle seine Mensen damit ausstatten.
Von Sebastian Wintermeier

Studentin Sabrina Chiarelli und Grace Alrai probierten den Tablettwagen als erste aus. Foto: Wintermeier
Studentin Sabrina Chiarelli und Grace Alrai probierten den Tablettwagen als erste aus. Foto: Wintermeier

Regensburg.Jeden Tag pendelt Rollstuhlfahrerin Sabrina Chiarelli mit dem Zug von Nürnberg nach Regensburg, um an der OTH Regensburg Soziale Arbeit zu studieren. Mittagessen gibt es in der Mensa. Aber nicht alle haben ihre Kraft und Geduld: „Ich kenne Rollstuhlfahrer, die eher auf die Mensa verzichten, als dass sie dort jemanden nach Hilfe fragen“, erzählte sie beim ersten Test des neuen Tablettwagens.

In einer E-Mail hat Chiarelli das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz auf das Problem hingewiesen und mit ihrer Anfrage Erfolg gehabt. Denn das Studentenwerk reagierte prompt und besorgte einen vom Studentenwerk Hamburg entwickelten Tablettwagen. Das Gerät sieht aus wie ein Einkaufswagen mit Ablagefläche. Man befestigt den Wagen vorne am Gestänge des Rollstuhls und schiebt ihn vor sich her. Das Tablett kommt oben drauf.

Verschüttete Suppe ist ein Problem von gestern

Studienbegleiterin Grace Alrai, selbst Rollstuhlfahrerin, unterstützt Chiarelli im Hochschulalltag. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Alrai fährt mit dem Tablettwagen voraus. Es geht vorbei an der Essensausgabe und dem Getränke-Kühlschrank bis zur Kasse. Die Essensausgabe ist noch zu erreichen, aber die Tür des Getränke-Kühlschranks ist sperrig. Es wird nicht leicht sein, sie zu öffnen.

Trotzdem verläuft der Test erfolgreich. Alrai erklärt danach die praktischen Vorteile des Tablettwagens. Vorher habe man sich das Tablett auf den Schoß stellen müssen. Von da kann es aber leicht runterrutschen. Deshalb habe man auch Probleme gehabt, leicht zu verschüttende Gerichte wie Suppen, Getränke oder schwere Teller mitzunehmen. Außerdem könne man jetzt auf dem Tablettwagen mit nur einer Fahrt ausreichend Essen mitnehmen. Für Studentin Chiarelli entscheidend: „Man muss nicht mehr ständig jemanden um Hilfe bitten.“

Die beiden Testerinnen sehen auch Verbesserungsbedarf. Weil der Aufbau vorne mit einer undurchsichtigen Metallblende abgeschlossen ist, sei es schwer, darüber zu sehen. Außerdem sei das Wenden der Konstruktion an engeren Stellen nicht ganz leicht.

Angebot wird ausgeweitet

Nach neuesten Berechnungen des Deutschen Studentenwerks sind etwa elf Prozent aller Studierenden beeinträchtigt. Wie viele davon im Rollstuhl sitzen, kann man nur schätzen. Lohnen würde sich der Tablettwagen aber auf jeden Fall, sagte Stefanie Feuerer von der Beratungsstelle für Studierende mit Beeinträchtigung an der Universität Regensburg. Der Wagen erweitere den Personenkreis, der die Mensa selbständig benutzen kann.

Nach dem erfolgreichen Test werden jetzt alle Mensen im Zuständigkeitsbereich des Studentenwerks Niederbayern/Oberpfalz mit dem Tablettwagen ausgestattet. „Sollte einer pro Mensa nicht ausreichen, werden wir einen zweiten besorgen“, sagte Geschäftsführerin Gerlinde Frammelsberger. Außerdem bittet das Studentenwerk alle Kunden mit Beeinträchtigung um weitere Verbesserungsvorschläge zum Thema Barrierefreiheit.

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