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Tradition

Hier schlägt das Herz der Universität

Nach 40 Jahren muss die Regensburger Uni-Pizzeria Ende des Jahres schließen. Davide D’Antoni blickt zurück – und nach vorne.
Von Louisa Knobloch, MZ

„Das hier oben war mein Leben, meine Berufung“, sagt Davide D’Antoni über die Uni-Pizzeria, die sein Vater 1975 gegründet hat.
„Das hier oben war mein Leben, meine Berufung“, sagt Davide D’Antoni über die Uni-Pizzeria, die sein Vater 1975 gegründet hat. Foto: Knobloch

Regensburg.Noch wirkt alles wie immer: Auf dem Freisitz der Uni-Pizzeria sitzen Gäste beim Mittagessen oder einem Kaffee zusammen, im Inneren des Lokals duftet es nach frisch gebackener Pizza. Doch damit ist bald Schluss: Nach 40 Jahren muss die Pizzeria auf dem Regensburger Campus zum Jahresende schließen. Die Universität hat den Pachtvertrag gekündigt – ein Schlag für Betreiber Davide D’Antoni und seinen Vater Michele, der die Pizzeria 1975 eröffnet hatte.

„Es ist sehr enttäuschend“, sagt Michele D’Antoni. „Ich habe mein Leben in das Lokal gesteckt, die Familie vernachlässigt, weil ich nur an die Arbeit gedacht habe.“ Seine drei Kinder habe er nur am Wochenende gesehen. Sohn Davide ist quasi in der Uni-Pizzeria aufgewachsen. „Schon mit drei Jahren stand ich da hinten und habe Pizzateig geknetet“, erzählt er. Davide besuchte die Hotelfachschule und übernahm die Uni-Pizzeria 2003, als sein Vater sich aus dem aktiven Geschäft zurückzog. „Das hier war mein Leben, meine Berufung“, sagt der 35-Jährige. „Jetzt scheint es anders zu kommen.“

Sein Vater Michele lebt seit einigen Jahren in den USA, er betreibt in der Nähe von Miami ein kleines Lokal. Im August wird er 74 Jahre alt, doch der Ruhestand ist nichts für ihn. Regensburg vermisst er sehr, sagt Michele. Fast 50 Jahre war die Stadt sein Zuhause, seit er im Februar 1957 als Jugendlicher mit dem Zug aus Sizilien hier angekommen war. Zehn Jahre später eröffnete Michele D’Antoni ein italienisches Lokal im Hofgartenweg, das heutige „Ninoverso“. Die Mitarbeiter des Hochschulbauamts kamen dort häufig zum Essen vorbei. Von ihnen erfuhr er, dass auf dem Campus der noch jungen Universität ein Café geplant sei, das privat vergeben werden sollte.

Auch der spätere Papst war Gast

Michele D’Antoni bekam den Zuschlag und eröffnete im Frühsommer 1975 sein Lokal. „Es sollte ursprünglich nur ein Café sein, aber es war schnell klar, dass es so nicht laufen kann“, erinnert er sich. Nach drei, vier Wochen hätten sie also angefangen zu kochen. „Plötzlich konnten wir uns vor Gästen kaum mehr retten.“ Als Konkurrenz zur Mensa habe man sich nie gesehen, die Zusammenarbeit mit dem Studentenwerk sei sehr gut gewesen, betont Michele D’Antoni. Damals habe auf dem Campus eine freundschaftliche Atmosphäre geherrscht. „Die ganze Verwaltung war traumhaft.“ Heute sei jedoch alles ganz anders geworden, viel kühler. „Auch die Studenten sind nicht mehr so locker wie früher“, findet Michele D’Antoni.

Seit 1975 gibt es die Uni-Pizzeria auf dem Regensburger Campus.
Seit 1975 gibt es die Uni-Pizzeria auf dem Regensburger Campus. Foto: Knobloch

Studenten, Mitarbeiter, Professoren – sie alle kamen in die Uni-Pizzeria. Sogar der spätere Papst Benedikt XVI., der damals noch Joseph Ratzinger hieß und an der Universität Regensburg Dogmatik und Dogmengeschichte lehrte, war des Öfteren zu Gast. „Er saß immer hinten in der Ecke“, sagt Michele D’Antoni. Als der Wirt seinen 50. Geburtstag feierte, kam Ratzinger zufällig vorbei. „Ich habe ihn eingeladen mitzufeiern.“ Micheles kleine Tochter Laura, die im Kinderwagen lag, segnete der spätere Papst damals.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Team der Uni-Pizzeria bewirtet, als sie zum Katholikentag 2014 in Regensburg war. „Nach der Eröffnungsfeier im Sportzentrum der Uni hat es begonnen, zu regnen – da haben sich Hunderte Besucher in die Pizzeria und unter unser Vordach gedrängt“, erinnert sich Davide D’Antoni.

Bei Kongressen an der Universität mit einigen Hundert bis mehreren Tausend Teilnehmern ist die Pizzeria als Caterer gefragt. Und bei den Konzerten im Audimax gehört es für viele Besucher dazu, vorher in der Uni-Pizzeria zu Abend zu essen und danach bei einem Glas Wein den Abend ausklingen zu lassen. „Il cuore dell’ università“ – das Herz der Universität – sei die Pizzeria, finden Davide D’Antoni und sein Vater. Dieses Motto steht über dem Eingang und auf den Speisekarten. „Die Pizzeria liegt nicht nur zentral auf dem Campus, sie ist auch eine echte Institution“, sagt Michele. Sogar einige spätere Ehepaare hätten sich in dem Lokal kennengelernt.

Pizzeria-Team schmiedet neue Pläne

Davide D’Antoni (r.) mit Kellner Filippo Mussolino. Seit 29 Jahren gehört dieser zum Team der Uni-Pizzeria.
Davide D’Antoni (r.) mit Kellner Filippo Mussolino. Seit 29 Jahren gehört dieser zum Team der Uni-Pizzeria. Foto: Knobloch

Dass der Pachtvertrag gekündigt wurde, liegt laut Universität daran, dass der betreffende Gebäudeabschnitt saniert werden müsse. Dies werde ein Jahr lang dauern. Für die Zeit danach wurde die Pizzeria neu ausgeschrieben. Auch Davide D’Antoni bewarb sich mit einem neuen Konzept. Das Rennen machte jedoch das Team des Regensburger Restaurants „Papageno“. „Entscheidend für die Auswahl waren das eingereichte Konzept, die Präsentation des Konzepts sowie Aspekte der Wirtschaftlichkeit“, hieß es von Seiten der Universität zur Begründung.

Davide D’Antoni schmiedet unterdessen schon neue Pläne: Zusammen mit seinem Pizzabäcker will er ab Oktober in den Räumlichkeiten des „Vitus“ in der Regensburger Innenstadt das „& Amici“ eröffnen. „Wir wollen einfache Küche ohne viel Tamtam, aber mit hochwertigen Zutaten anbieten“, sagt er. Auch Frühstück soll es im „& Amici“ geben. Bis zum Jahresende müssen Davide und sein Team drei Monate Parallelbetrieb schultern. Unterstützung bekommen sie von Michele, der eigens aus den USA anreist. Das Finale wird die Traumfabrik, die vom 28. bis 31. Dezember im Audimax gastiert. „Die bewirten wir bis zur letzten Minute“, sagt Davide. Ihn freut, dass viele Stammgäste schon angekündigt haben, auch ins neue Lokal zu kommen. „Auf Facebook hat jemand geschrieben: Wir sind da, wo du bist.“

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