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Universität

Kater Pep ist Forschungsobjekt

Das Tier avancierte durch eine Facebook-Gruppe zum Internet-Phänomen. Sophie Meistring schreibt ihre Bachelorarbeit darüber.
Von Heike Haala, MZ

Kater Pep in der Bibliothek der Uni Regensburg. Bald könnte er selbst die Seiten einer ganzen Bachelorarbeit füllen.
Kater Pep in der Bibliothek der Uni Regensburg. Bald könnte er selbst die Seiten einer ganzen Bachelorarbeit füllen. Foto: Hofmann

Regensburg.Als Sophie Meistring zum ersten Mal von Kater Pep gehört hat, war sie gerade mit Freunden unterwegs. In ihrer Clique waren der Kater und seine Facebook-Gruppe „Pep Tracking“ das Thema des Abends. Am nächsten Tag klickte Meistring selbst in die Gruppe, sah die Bilder von der Katze und las die Kommentare der Netzgemeinde. Das Pep-Fieber hatte sie gepackt.

In den kommenden zwei Monaten wird sich Meistring noch einmal besonders intensiv mit dem Kater auseinandersetzen. Denn sie studiert im 8. Semester Informationswissenschaften und brütet gerade über ihrer Bachelorarbeit. Das Thema der bis zu 60 Seiten langen Arbeit ist das Internet-Phänomen Kater Pep.

Im Januar ging der seit März verschwundene Kater Pep viral, nachdem die MZ über die Facebook-Gruppe „Pep Tracking“ berichtet hatte. Der Artikel wurde unzählige Male geteilt und gelesen, die Mitgliederzahl der Facebook-Gruppe schoss in die Höhe (aktueller Stand: 4267). „Sogar in Spanien berichteten die Medien über Pep“, sagt Meistring. Eine Bekannte von Yvonne Weißflach – Peps Frauchen – hatte die Gruppe im Dezember 2014 eigentlich gegründet, damit die beiden Frauen dem umtriebigen Kater leichter auf die Schliche kommen. Peps liebstes Hobby war es, sich an den Fakultäten und Einrichtungen der Universität und der OTH herumzutreiben. So viel, dass er bisweilen lediglich noch einmal in der Woche nach Hause kam. Der Gedanke: Die Gruppenmitglieder posten Fotos von Peps Aufenthaltsort, damit Weißflach stets weiß, wo sich der Kater gerade aufhält. Innerhalb von Tagen bildete sich eine riesige Fangemeinde. Das Internet-Phänomen war geboren. Ende März verschwand Pep aber spurlos und ist bis heute nicht mehr aufgetaucht.

Kater Pep in der Bibliothek der Uni Regensburg. Bald könnte er selbst die Seiten einer ganzen Bachelorarbeit füllen.
Kater Pep in der Bibliothek der Uni Regensburg. Bald könnte er selbst die Seiten einer ganzen Bachelorarbeit füllen. Foto: Hofmann

Die Leitfragen der Pep-Studie

In ihrer Bachelorarbeit wird Meistring nun am Leitbeispiel von Kater Pep analysieren, wie Informationsflüsse im Internet verlaufen. Es interessiert sie, wer in der Lage ist, Themen zu setzen, denen die Netzgemeinde nicht widerstehen kann. Zudem will sie herausfinden, welche Faktoren dazu beitrugen, dass der Pep-Hype losbrach. Liegt es daran, dass Pep so süß war? Trug auch seine ständige Präsenz auf dem Campus einen großen Teil zu seiner Internet-Bekanntheit bei? Und welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, dass die Menschen heute per Smartphone jederzeit in der Lage sind, Informationen abzurufen?

Diesen Fragen will Meistring auf den Grund gehen. Auf die Idee dazu ist sie durch einen Scherz eines Professors gekommen. Prof. Bernd Ludwig ist Informationswissenschaftler an der Universität Regensburg, Universitätsstraße, und dachte in einem Gespräch über die Entwicklung einer App laut nach: „Wieso lassen sich dafür keine Finanzierer finden, wenn es diese Katze bis in die spanischen Medien schafft?“

In diesem Moment wusste Meistring, dass sie ihr Thema gefunden hatte. Immerhin hatte sie den Hype um Kater Pep live mitbekommen und deswegen Bezug zu dem Thema. Der große Vorteil daran ist, dass sich die Daten, die sie dafür braucht, auf Facebook und in den Medien nahezu lückenlos nachvollziehen lassen. Zudem sind alle Akteure, die ihren Teil zum Internet-Phänomen Pep beitrugen, vor Ort und können ihr Auskunft geben.

Als sie ihr Thema im Oberseminar anderen Studierenden vorstellte, sorgte es für Gesprächsstoff. Deswegen ist sich Meistring sicher, dass sie ihre Bachelorarbeit mit dem Thema bestreiten will. Die Arbeit wird eine Schnittmenge aus Forschungsfeldern der Soziologie, der Psychologie, der Medieninformatik, der Informationswissenschaften und der Vergleichenden Kulturwissenschaften sein. Den theoretischen Teil ihrer Arbeit hat Meistring gerade hinter sich. Jetzt geht sie an den Praxisteil. Mit Peps Frauchen und der Gruppengründerin will sie für ihre Pep-Studie ebenso Interviews führen wie mit den Mitgliedern der Facebook-Gruppe und den Medienexperten, die das Thema verbreiteten. Die Tatsache, dass Pep seit Monaten verschwunden ist, stelle kein Problem für das Vorankommen ihrer Arbeit dar.

Die Kraft der Neuen Medien

Prof. Ludwig ist schon gespannt auf das Ergebnis von Meistrings Pep-Studie. Ihn interessieren die Kräfte, die bei der Nachrichtenverbreitung in den Neuen Medien im Spiel sind. Außerdem stellt er die Frage, wie die Akteure diese Kräfte nutzen, um ihre Information möglichst weit und schnell zu verbreiten.

Die Bachelorarbeit ist aber nicht das einzige seitenfüllende Werk zu Kater Pep, das derzeit in Planung ist. Der Kölner Verlag Bastei Lübbe will die Geschichte von Pep als Lesebuch nach dem Vorbild des Bestsellers „Bob, der Streuner: Die Katze, die mein Leben veränderte“ veröffentlichen. Ein Erscheinungstermin für dieses Buch steht noch nicht fest.

Die Pep-Chronologie

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