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Prävention

Gefährlich: Böller in der Hand

Feuerwerkskörper können großen Schaden anrichten. Handchirurg Dr. Nicolas Dedy kennt die Risiken und die Folgen.
Von Angelika Lukesch

Unser Bild zeigt ein Handmodel, nachdem darin ein legaler Böller gezündet worden ist. Der Regensburger Handchirurg Dr. Nicolas Dedy warnt davor, die Risiken, die von Feuerwerkskörpern ausgehen, zu unterschätzen. Foto: Paul Zinken/dpa

Regensburg. Silvester steht vor der Tür und viele Menschen freuen sich darauf, Raketen steigen zu lassen und Böller zu werfen. In den Läden werden die unterschiedlichsten Feuerwerksvarianten angeboten. Wer es gerne selbst knallen lässt, hat die Qual der Wahl. Doch das Böllerschießen und Raketenzünden kann große körperliche Schäden anrichten, wenn man nicht sorgsam damit umgeht. Neben einer großen Anzahl von leichteren Brandwunden kommt durchschnittlich pro Jahr im zertifizierten Handtraumazentrum der Barmherzigen Brüder (eines von sieben in Bayern) eine schwere Handverletzung durch Feuerwerkskörper vor. Hier werden die schwierigsten Fälle im Bereich der Handchirurgie behandelt.

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Dr. Nicolas Dedy arbeitet seit Jahren im Handtraumazentrum bei den Barmherzigen. Er hat einen Überblick darüber, welche Handverletzungen beim unachtsamen Umgang mit Böllern und Feuerwerkskörpern entstehen können. In der Regel entstehen nach seinen Angaben Handverletzungen hauptsächlich beim Anzünden von Böllern, da man diese ja dabei in der Hand hält. „Bei 70 Prozent aller Feuerwerksverletzungen ist die Hand mit im Spiel“, sagt der Spezialist.

Auch Kinder sind gefährdet

Diese Verletzungen reichen von Brandwunden bis hin zu abgerissenen Fingern. Auch Kinder sind besonders gefährdet, allerdings ist hier der sorglose Umgang des Umfelds ausschlaggebend. Kinder seien ja von der Körpergröße her wesentlich „weiter unten“ als Erwachsene. Wenn nun bei ausgelassenen Silvesterfeiern manche Menschen anderen Leuten Böller vor die Füße oder einfach ziellos in die Menge werfen, dann könne solch ein Feuerwerkskörper bei einem Kind großen Schaden anrichten. „15 Prozent aller schweren Feuerwerksverletzungen betreffen Kinder“, sagt Dr. Dedy.

Dr. Nicolas Dedy warnt vor den schweren Verletzungen, die Böller an der Hand verursachen können. Foto: lla

Und noch eine statistische Zahl, die aufhorchen lässt: „90 Prozent aller Feuerwerksverletzungen betreffen Männer“, 97 Prozent dieser Männer sind zwischen 15 und 30 Jahren alt. „Natürlich ist an Silvester oft Alkohol mit im Spiel, dadurch werden Menschen unvorsichtiger“, stellt der Handchirurg fest.

Als schwere Handverletzung wird eine Verletzung eingestuft, die operationspflichtig ist und stark beeinträchtigend. In 80 Prozent aller Fälle, sagt der Handchirurg, ist der Daumen beteiligt, dann der Zeigefinger und eventuell auch noch der Mittelfinger. Dies liegt auf der Hand, da Daumen und Zeigefinger die Böller im Pinzettengriff festhalten.

„90 Prozent aller Feuerwerksverletzungen betreffen Männer.“

Dr. Nicolas Dedy, Handtraumazentrum Barmherzige Brüder

Doch wie passiert solch ein Unfall? Es kann an einer falschen Einschätzung liegen, dass die Lunte des Böllers viel schneller abgebrannt ist, als vorhergesehen: Der Böller explodiert, während er noch in der Hand gehalten wird. Dabei können Finger ganz oder zum Teil abgerissen werden. „In 25 Prozent aller Daumenverletzungen durch Feuerwerkskörper müssen Amputationen oder Teilamputationen vorgenommen werden“, sagt der Handspezialist. Die Schwere der Verletzung hängt vom Explosionsradius ab. Meistens explodiert der Böller bei solchen Verletzungen noch direkt in der Hand.

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Für äußerst gefährlich hält Dr. Dedy selbstgebastelte Feuerwerkskörper sowie Feuerwerkskörper, die in Deutschland nicht zugelassen sind. Bei den selbstgebastelten Feuerwerkskörpern wird oftmals die Brenndauer der Lunte überschätzt und der Böller explodiert viel schneller als gedacht. Auch werde bei selbstgebastelten Böllern oftmals die Sprengkraft unterschätzt. „Ebenso gefährlich ist es, einen Böller, der nicht explodiert ist, noch einmal in die Hand zu nehmen und erneut anzuzünden“, warnt der Arzt. Es könne sein, dass der Böller verspätet trotzdem noch explodiert. Auch ist offensichtlich, dass eine bereits angebrannte Lunte viel zu kurz ist, um den Böller noch rechtzeitig von sich werfen zu können.

Gewebe ist oft stark geschädigt

Ist das Unglück tatsächlich geschehen und ein Daumen halb abgerissen, dann werden Spezialisten wie Dr. Dedy aktiv. Es sei zwar schwierig, einen durch einen Feuerwerkskörper halb abgerissenen Finger wieder zusammenzunähen, da durch die Hitze die Gefäße und das Gewebe rundherum oftmals sehr stark geschädigt werden, aber es sei möglich.

Regeln für Feuerwerkskörper

  • Kennzeichnung:

    Das Polizeipräsidium Oberpfalz warnt vor illegalen Feuerwerkskörpern. Es dürfen nur Feuerwerkskörper mit der Kennzeichnung BAM und CE (Kennzeichnung für europaweit zugelassene Feuerwerkskörper) verwendet werden. Auch aus benachbarten Ländern (in der Oberpfalz überwiegend Polen und Tschechische Republik) dürfen nur Feuerwerkskörper mit entsprechender Kennzeichnung eingeführt werden. Sogenannte Billigprodukte ohne die entsprechende CE-Kennzeichnung dürfen weder eingeführt noch verwendet werden.

  • Straftat:

    Die Einfuhr solcher Produkte ohne die entsprechende CE-Kennzeichnung stellt eine Straftat dar, da diese Feuerwerkskörper häufig richtigen Sprengstoff und nicht das „harmlose“ Schießpulver enthalten.

  • Kategorien:

    Kleinstfeuerwerke wie Wunderkerzen, sind ab zwölf Jahren zulässig. Die heuer nur von 28. bis 31. Dezember angebotenen Feuerwerkskörper dürfen erst ab 18 Jahren erworben und auch verwendet werden.

Auch völlig abgerissene Finger können Handchirurgen wie Dr. Dedy reimplantieren. Dazu müsse der abgerissene Finger jedoch korrekt gelagert sein: „Der abgerissene Finger sollte in einen sauberen Plastikbeutel gegeben und dieser in einen Behälter, der mit Wasser und Eis gefüllt ist, gelegt werden. Das abgetrennte Teil sollte nicht direkt in Eiswasser oder auf Eis gelegt werden, denn das ist für das Gewebe zu kalt“, sagt der Handchirurg. Richtig gelagert kann ein abgerissener Finger auch noch nach vier bis fünf Stunden reimplantiert werden. Die Verletzung selbst sollte mit einem sauberen Tuch bedeckt werden, auf keinen Fall sollte der Arm abgebunden werden, rät der Arzt. Bei Brandverletzungen sei es wichtig, die betroffenen Stellen mit viel kaltem Wasser zu kühlen.

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Dr. Dedy empfiehlt, Kinder wegen deren niedriger Kopfhöhe auf keinen Fall zu Silvesterveranstaltungen, vor allem solchen, die mit Menschenansammlungen einhergehen, mitzunehmen. In jedem Fall müsse man auf Kinder besonders gut achten, auch wenn privat Feuerwerkskörper angezündet werden. Wichtig sei auch der Schutz der Ohren bei Kindern und Erwachsenen, die durch laute Feuerwerkskörper ein Knalltrauma erleiden können.

Die Neugier der Kinder, die am nächsten Tag übrig gebliebene oder nicht abgebrannte Feuerwerkskörper einsammeln, um sie selbst zu zünden, dürfe nicht unterschätzt werden. Auch hier lauern große Gefahren.

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