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Freizeit

Die Modelleisenbahn ist wieder trendig

Die 40. Börse der Regensburger Eisenbahnfreunde in der ESV-Halle ließ keine Wünsche offen. Die Spur Null gewinnt an Fahrt.
Von Ralf Strasser, MZ

Der Trend geht zur Spur Null und zur Spur Eins – größer, detailfreudig, aber auch teurer.
Der Trend geht zur Spur Null und zur Spur Eins – größer, detailfreudig, aber auch teurer. Fotos: Ralf Strasser

Regensburg.Heiko Dietsch freut sich. „Wollen Sie mal sehen?“, fragt der Kallmünzer und packt vorsichtig und mit Stoffhandschuhen bewaffnet einen Speisewaggon aus Blech aus. „Spur eins“, sagt er, „Baujahr 1905.“ Die Augen leuchten, 160 Euro hat er bezahlt. „Ein Schnäppchen. Jetzt wird er ganz sanft entrostet und dann darf er so fahren, wie er ist.“

Heiko Dietsch ist ein Modellbahner, einer den die Sucht am rollenden Miniaturmaterial auf der Schiene schon längst gepackt hat. Neben ihm steht Hobbyhändler Georg Köhler aus Heidelberg, früher als Biologe im Beruf erfolgreich, jetzt „aus Spaß an der Freud und an der Eisenbahn“, unterwegs auf den Börsen in Bayern. „Ich hab schon überlegt, ob ich den Speisewagen mit nach Regensburg nehme, aber meine Frau hat gemeint, das muss jetzt weg“, sagt er lachend.

Plattform für gute Geschäfte

Plattform für das erfolgreiche Handelsgespräch ist die 40. Modellbahnbörse der Regensburger Eisenbahnfreunde (RSWE). Die Börse ist beliebt. Schon eine halbe Stunde nach Beginn drängen sich an die 160 Menschen in der ESV-Halle, die am Sonntag zum Mekka der Modelleisenbahner aus der ganzen Oberpfalz wurde. „Das sind unsere „Hardcorefans“ schmunzelt Bernd Heinrich, Pressechef der RSWE.

Katja Hirmer und Christian Stahl aus Amberg sind zwar keine Eisenbahnpuristen, aber die Sammelleidenschaft, die vor allem dem Zubehör gilt, hat sie längst erreicht. „Was soll denn der Baywa-Lkw kosten?“, fragt Hirmer. „Gibst mir einen Zehner“, meint RSWE-Mitglied Hans Niederhofer. „Günstiger geht’s nicht“, bemerken die beiden Amberger. Der Sonntag ist schon um 10.30 Uhr ein guter Tag.

An den Ständen wurde eifrig gehandelt und gefachsimpelt.
An den Ständen wurde eifrig gehandelt und gefachsimpelt.

Modellbahn liegt im Trend. Ein Hobby, das vor nicht allzu langer Zeit für nahezu tot erklärt wurde. „Das liegt sicherlich an der Digitalisierung, vor allem die Kombination aus Tablet-gesteuerten Abläufen, traditioneller Eisenbahntechnik und das Modulieren von Landschaften kommt an“, erklärt Heinrich. „Es liegt aber auch an Firmen wie Märklin oder Piko, die mit günstigen Einsteigermodellen das Hobby bezahlbar gemacht haben.

Und es gibt noch einen Trend: Spur Null. Größer und im Detail noch interessanter als die populäre Spur H0. Aber auch teurer. „Für viele war es vor einigen Jahren noch unerschwinglich, aber seit Firmen wie Lenz oder Brawa hier in Großserie gehen, gewinnt die Spur gehörig an Fahrt.“

Das Hobby lebt also. Meint auch der zehnjährige Lukas Mann aus Regensburg. Seit er mit sechs Jahren einen ICE vom Vater geschenkt bekam ist die Zielrichtung klar. Eine Anlage hat er schon. „Die ist wirklich riesig“, meint er, „zirka zwei mal drei Meter.“ Immerhin. Soweit ist Simon noch nicht. Der ist aber auch erst fünf Jahre jung. „Astronaut oder Lokführer will er mal werden“, schmunzelt Mutter Kerstin Dickert aus Grünthal. Die Raumfahrt wird wohl ein Traum bleiben, die eigene Eisenbahn wohl nicht.

Spielbahner oder Modellbahner?

„Wir verbringen fast jede freie Minute auf diversen Schautagen, auch Bahnhöfe faszinieren ihn“, sagt Vater Christoph, während sein Sohn große Augen bei der Schau- und Probestrecke macht. Simon wird ein sogenannter Spielbahner, einer der den ersten Schritt macht zur eigenen kleinen Welt am Dachboden oder im Keller. „Der nächste Schritt ist dann der Modellbahner wie unser Kollege Franziskus Müller, der nach Fahrplan seine Züge fahren lässt.“

Beide Charaktere finden sich bei der Börse wieder, beim Fachsimpeln, Handeln und beim Schlendern durch die Stände. Und es wird getestet: Eine betagte Lokomotive der „Baureihe 132“ schnurrt über die Teststrecke. Die Katze im Sack will man nicht kaufen. Muss man auch nicht. Dafür stehen die Mitglieder der Eisenbahnfreunde Regensburg bereit. Mit Rat, vielen Tipps und guten Empfehlungen.

Der Verein

  • Die Börse:

    Zweimal im Jahr findet die beliebte Eisenbahnbörse der Regensburger Straßenbahn-, Walhallabahn- und Eisenbahnfreunde, kurz RSWE, in der ESV Halle an der Dechbettener Brücke statt. Kauf und Tausch von Modelleisenbahn und Zubehör aller Spurweiten und Systeme. Der besondere Service ist die Teststrecke, auf der alle Modelle – ob digital oder analog – vor und nach dem Kauf getestet werden können. Kleinere Reparaturen werden ausgeführt.

  • Der Verein:

    Das Hauptanliegen des Vereins: „Wir wollen vor allem die Erinnerung an das Bahnwesen im Großraum Regensburg pflegen und erhalten.“

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