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Kirche

Ein verstecktes Kleinod wird restauriert

Die Sanierung der St.-Anna-Kapelle in Regensburg-Großprüfening geht mit großen Schritten voran. Sie soll bis August dauern.
von Hannah Mages

Die spätgotische St.-Anna-Kapelle wird voraussichtlich ab August wieder in neuem Glanz für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Foto: Mages
Die spätgotische St.-Anna-Kapelle wird voraussichtlich ab August wieder in neuem Glanz für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Foto: Mages

Regensburg.Nachdem sie jahrzehntelang verschlossen war, soll die St.-Anna-Kapelle bald wieder geöffnet werden. Klemens Unger, Kulturreferent der Stadt Regensburg, und Michael Ballerstaller, Architekt und Projektleiter der Sanierungsmaßnahmen, hatten zu einer Begutachtung nach Großprüfening eingeladen.

Die spätgotische Kapelle aus dem 15. Jahrhundert wurde bereits Mitte des letzten Jahres eingehend untersucht und erfährt jetzt seit September eine bauphysikalische und technische Ertüchtigung. Gleichzeitig werden auch die wertvollen Schnitzaltäre sowie die Bilder und Fresken in der Kirche restauriert.

Klemens Unger war die Instandhaltung des Gotteshauses ein großes Anliegen: „Ich kann mich noch an einen Zeitungsartikel aus den 80er-Jahren erinnern, in dem schon festgehalten wurde, dass in der St.-Anna-Kapelle dringend etwas gemacht werden sollte. Und ich selbst dränge auch schon seit Jahren darauf, dass endlich Sanierungsarbeiten angesetzt werden. Ich will das noch in meiner aktiven Zeit erleben!“ Umso mehr freut er sich, dass die Maßnahmen bisher ohne Probleme verlaufen. „Wenn alles so weitergeht, schaffen wir es, den Zeitplan einzuhalten und die Kirche im August 2019 wieder zu öffnen“, so Unger.

Sanierung endet im August

Bänke und der Flügelaltar wurden zur Restaurierung ausgelagert. Foto: Mages
Bänke und der Flügelaltar wurden zur Restaurierung ausgelagert. Foto: Mages

Und darauf freue man sich in Großprüfening bereits sehr, denn die Kirche ist für die Öffentlichkeit schon länger nicht mehr zugänglich. Vor den Sanierungsmaßnahmen sei die Kapelle zwar einmal wöchentlich von der Pfarrgemeinde St. Bonifaz-St. Georg für einen Gottesdienst genutzt worden, aber außerhalb dieser Zeiten hatte man sich die schöne spätgotische Saalkirche nicht ansehen können. „Bis jetzt ist die Kirche kaum im Bewusstsein der Regensburger angekommen, da sie außer für Gottesdienste nicht zugänglich war. Nach der Sanierung wird sie tagsüber endlich offen für jeden sein, der die Kapelle besuchen möchte“, erklärte Klemens Unger.

Bis zur Öffnung liegt allerdings noch einiges an Arbeit vor Projektleiter Michael Ballerstaller und seinem Team vom Amt für Hochbau und Gebäudeservice der Stadt. Zunächst mussten die Kirchenbänke ausgelagert werden. Diese erhalten eine elektrische Heizung, die in Zukunft auch gegen das feuchte Raumklima innerhalb der Kapelle helfen soll.

Moderne Neuerungen

Auch drei Altäre der Kirche wurden einer Steinsanierung unterzogen. Foto: Mages
Auch drei Altäre der Kirche wurden einer Steinsanierung unterzogen. Foto: Mages

Zusätzlich werden vier neue Fensterflügel eingesetzt, die sich über einen Motor gesteuert bei Bedarf öffnen lassen. „Die neuen Glasfenster verfügen außerdem über einen UV- und Infrarotschutz und sorgen im Sommer für eine ausreichende Luftzirkulation“, erklärte Michael Ballerstaller. Neben diesen technischen Maßnahmen sind auch einige Arbeiten am Bauwerk selbst nötig, damit die St.-Anna-Kapelle auch in Zukunft dem Zahn der Zeit trotzen kann. So wird das Wandfresko an der Nordseite gereinigt und sein Putz gefestigt. Dies sei besonders wichtig, denn das Fresko zeige noch originale Graffiti aus den Jahren 1488 und 1512.

Ein historisches Schmankerl sind außerdem die drei gotischen Schnitzaltäre, die erneut restauriert werden.

Kulturreferent Unger und Projektleiter Ballerstaller bei der Besprechung Foto: Mages
Kulturreferent Unger und Projektleiter Ballerstaller bei der Besprechung Foto: Mages

Sie sind nicht nur ein Zeugnis der mittelalterlichen Kunstproduktion in Regensburg, sondern das letzte vollständig erhaltene Ensemble einer spätgotischen Altarausstattung. „Die Flügelaltäre sind 500 Jahre alt und wurden im Verlauf der Zeit unabhängig voneinander Restaurationsmaßnahmen unterzogen. Das hat dazu geführt, dass sie jetzt nicht mehr so recht zueinander passen. Derzeit werden sie gemeinsam konserviert, um wieder ein einheitliches Erscheinungsbild zu erhalten“, gab Klemens Unger Auskunft.

Das gotische Fresko der Nordwand wird gereinigt. Foto: Mages
Das gotische Fresko der Nordwand wird gereinigt. Foto: Mages

Nach der Fertigstellung werden die Schnitzaltäre dann auch wieder gemeinsam mit ihren Begleiterfiguren Platz auf den Steinaltären in der Kapelle finden. Dort fehlen sie seit dem Jahr 1945, in dem die Kirche bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört wurde. „Eines der Bilder in der Kirche wurde bei dem Angriff von einem Steinfragment durchbohrt, das heute noch darin steckt. Es war uns wichtig, dass dieser Umstand auch nach den Reinigungsarbeiten sichtbar bleibt, als Mahnmal für die Zerstörungen, die der Krieg verursacht hat“, so Kulturreferent Unger. Die drei Schnitzaltäre waren da aber glücklicherweise bereits von Pfarrer Alois Treml in Sicherheit gebracht worden. „Wenn sich in dieser Situation nicht jemand wie Pfarrer Treml mit so viel Herzblut engagiert hätte, dann wäre uns so manches Kleinod verloren gegangen“, zeigte sich Unger vom Einsatz des ehemaligen Stadtpfarrers beeindruckt.

„Dass das Anna-Kircherl heute noch steht, haben wir vor allem auch Walter Boll zu verdanken.“

Klemens Unger, Kulturreferent, Stadt Regensburg

Zukünftig soll dann ein Schutzgitter in den Eingangsbereich der Kapelle eingelassen werden, das zum einen die Schnitzaltäre schützen, zum anderen aber auch den Zugang für Besucher ermöglichen soll.

Für die gesamten Sanierungsarbeiten ist natürlich eine solide Finanzierung notwendig. „Insgesamt wird die Instandsetzung ca. 539 000 Euro kosten“, erklärte Ballerstaller.

Zwischen Säkularisation und Zerstörung

  • Anfänge:

    Erbaut wurde die St.-Anna-Kapelle im Jahr 1488 unter Abt Johannes Grasser aus Prüfening als Nebenkirche des Klosters St. Georg. Im Verlauf der folgenden Jahrhunderte war sie Streitpunkt zwischen dem Kloster Prüfening und St. Emmeram. Beide beanspruchten die seelsorgerische Zuständigkeit für sich.

  • Gefahr:

    Anfang des 19. Jahrhunderts drohte der Kirche das Ende: Durch die Enteignungen der kirchlichen Besitztümer in der Säkularisation sollte das Anna-Kircherl abgerissen werden. Doch die Prüfeninger Bürger taten sich zusammen, kauften die Kapelle für 200 Gulden und retteten sie so vor der Zerstörung.

  • Kriegsjahre:

    Mit der Eingemeindung von Großprüfening 1938 ging sie in den Besitz der Stadt Regensburg über. 1945 wurde die Kirche bei einem Bombenangriff schwer zerstört. Dem ehemaligen Kulturreferenten Dr. Walter Boll ist es zu verdanken, dass sie 1962 nach alten Gebäudeplänen wieder aufgebaut wurde.

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