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Schreck

Wenn die Tasche plötzlich weg ist

Liliya Vebar hatte ihre Tasche verloren. Ein Mann reagierte richtig und brachte das wertvolle Stück zum Fundamt Regensburg.
Von Birgit Pinzer

Liliya Vebar strahlt: Sie hat ihre Tasche schnell zurückbekommen. Foto: pz
Liliya Vebar strahlt: Sie hat ihre Tasche schnell zurückbekommen. Foto: pz

Regensburg.Die Toilette ist plötzlich verstopft, die Heizung auf einmal eiskalt, das Auto springt nicht an. Es gibt sie, diese kleinen Katastrophen des Alltags, die einen auch mal kurz verzweifeln lassen können. Wie gut es ist, wenn man dann auf Menschen trifft, die helfen, hat Liliya Vebar erlebt.

Die zierliche, zurückhaltende Frau stammt aus Horki, ein Städtchen mit rund 30 000 Einwohnern, in Weißrussland. Seit fünf Jahren lebt die 48-Jährige in Deutschland. Seit vier Jahren sorgt die studierte Theologin und Agrarökonomin als Putzfrau dafür, dass sich die Kinder in der städtischen Kindertagesstätte Hedwigstraße wohlfühlen. Immer an ihrer Seite: Rosi Sigl, die schon etliche Generationen kleiner Bimpfe in den Kindergarten reingehen und als stolze Schulanfänger rauskommen sah. Und so manches Kind hat den beiden Frauen auch schon eines seiner Bilder verehrt, damit das Putzkammerl schöner ausschaut.

Handtasche war vom Fahrrad verschwunden

Fast immer legt Liliya Vebar den Weg zur Arbeit mit ihrem Fahrrad zurück. Von Königswiesen aus, wo sie mit ihrem Mann lebt, über die Margaretenau braucht sie etwa 20 Minuten bis in die Hedwigstraße. Doch als sie kürzlich an der Ampel stand und sich umdrehte, fuhr ihr der Schreck in die Glieder. Ihre Handtasche, sonst immer gut festgezurrt auf dem Gepäckträger, fehlte. Darin Schlüssel, Portemonnaie, Kreditkarte, das Handy, der Ausweis. Vebar fuhr zurück, suchte, klingelte bei allen Nachbarn. Niemand wusste, wo ihre Tasche war.

Für Liliya Vebar eine Katastrophe. Nicht nur das Handy, die schnelle Verbindung in die alte Heimat inklusive der Fotos ihres Sohnes und seiner Familie schmerzte; extra Sorgen bereitete der Verlust des Ausweises und der Schlüssel, auch zum Kindergarten. Wie kommt sie an neue Papiere? Muss sie zur Botschaft? Wie kann sie nachweisen, dass sie zu Recht in Deutschland lebt? Und was sagt der Arbeitgeber zum verlorenen Kindergartenschlüssel?

Der Arbeitgeber musste glücklicherweise gar nichts sagen. Vebar radelte zum Kindergarten. „Unsere Leiterin versuchte, Liliya zu beruhigen, und hat sie kurzerhand samt Fahrrad ins Auto gepackt und ist mit ihr zur Polizei gefahren“, berichtet Kollegin Rosi Sigl. In der Inspektion in der Minoritenstraße zeigte Vebar ihren Verlust an. Dort schickte man sie gleich zum Fundamt.

Am Fundamt lag die Tasche

Schwarzweiß gemustert, brauner Boden – genau beschrieb Vebar ihre Tasche. Hoffnung hatte sie wenig, zumal seit dem Verlust der Tasche gerade mal etwas mehr als eine Stunde vergangen war. „Aber dann hat mich der Herr Ostermaier angeschaut, ist weggegangen und mit meiner Tasche wiedergekommen. ,Meinen Sie diese?‘, hat er gesagt“, sagt Vebar. „In diesem Moment wusste ich erst nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.“ Liliya Vebar entschied sich dazu, erst einmal zu weinen. Zu groß war die Anspannung gewesen, zu groß die Angst vor Scherereien. „Sie war noch den ganzen Tag weiß wie eine Wand“, sagt Sigl. Aber ein Mann hatte die Tasche in der kurzen Zwischenzeit abgegeben.

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Liliya Vebar kontaktierte ihren Retter des Tages, bedankte sich und bot ihm natürlich auch einen Finderlohn an. „Der Mann lehnte aber ab.“ Danken will Liliya Vebar trotzdem: Dafür, dass er sich die Mühe machte, die Tasche umgehend zum Fundamt zu bringen, dafür, dass ihm ein unbekannter Mitmensch nicht egal war, dafür, dass er eine größere Katastrophe ihres Alltags verhindert hat.

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Finderlohn

  • Rechtliche Grundlage:

    Liliya Vebars Retter hat auf Finderlohn verzichtet. Welchen Anspruch ein Finder hat, ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt.

  • Paragraf 971 (1):

    „Der Finder kann von dem Empfangsberechtigten einen Finderlohn verlangen. Der Finderlohn beträgt von dem Werte der Sache bis zu 500 Euro fünf vom Hundert, von dem Mehrwert drei vom Hundert, bei Tieren drei vom Hundert. Hat die Sache nur für den Empfangsberechtigten einen Wert, so ist der Finderlohn nach billigem Ermessen zu bestimmen.“

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