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Verkehr

Gutachten: Stadtexpress wäre teuer

Ob Tram oder Schnellbus: Regensburg muss mindestens 277 Millionen Euro investieren. Auf drei Trassen soll der ÖPNV Gas geben.
Von Heike Haala, MZ

Ob Regensburg eine Straßenbahn – wie auf dem Bild in Straßburg – oder einen Schnellbus bekommt, ist im Moment noch unklar. Ein höherwertiges ÖPNV-System aber halten Gutachter für unerlässlich.
Ob Regensburg eine Straßenbahn – wie auf dem Bild in Straßburg – oder einen Schnellbus bekommt, ist im Moment noch unklar. Ein höherwertiges ÖPNV-System aber halten Gutachter für unerlässlich. Foto: dpa

Regensburg. Dauerstau, Parkplatznot, entnervte Autofahrer: Auch das sind die Folgen von momentan 70 000 Einpendlern täglich und einem 50-prozentigem Anteil des motorisierten Individualverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen. Einen Ausweg aus dem überlasteten Straßensystem der Stadt zeigt jetzt der Zwischenbericht zur Einführung eines höherwertigen ÖPNV-Systems in Regensburg auf, den das Wiener Planungsbüro Komobile im Auftrag der Stadt erstellt hat. Dieser Regensburger Stadtexpress aber wird richtig viel Geld kosten.

Denn die Experten halten es für unerlässlich, dass Regensburg entweder einen Schnellbus oder eine Tram einführt, um den ÖPNV zukunftsfähig zu machen. Der Schnellbus würde mit zwischen 227,5 und 312,5 Millionen zu Buche schlagen, die Tram zwischen 303,5 und 456,5 Millionen Euro. Diese Kosten beinhalten Ausgaben für die Infrastruktur, für die Fahrzeuge und ihren Betriebshof. Noch nicht eingerechnet sind aber jeweils Kosten für Bauwerke – wie möglicherweise notwendig werdende Brücken – die jetzt noch gar nicht abzusehen sind.

Express kommt alle fünf Minuten

Der Obus sorgt in Salzburg für schnelle Verbindungen;
Der Obus sorgt in Salzburg für schnelle Verbindungen; Foto: AG Salzburg

Für dieses Geld würden die Regensburger auch Einiges bekommen: Ob Schnellbus oder Tram – Gas geben soll der Stadtexpress auf drei Trassen, die zwischen Wutzlhofen und Universitätsklinikum, Burgweinting und Donaupark im Stadtwesten sowie Königswiesen und Gewerbepark verlaufen sollen. Dort würde er im Fünf-Minuten-Takt verkehren. So könnten die Regensburger mit der Tram in 24 Minuten von Wutzlhofen ans Universitätsklinikum fahren, mit dem Bus in 25 Minuten. Heute dauert das 39 Minuten. Wer heute mit dem Bus von Burgweinting aus an den Hauptbahnhof fährt, braucht dafür 15 Minuten nach Fahrplan, mit Tram oder Schnellbus ginge das in 8 bzw. 9 Minuten.Die Komobile-Planer gehen davon aus, dass die Stadtbahn viele Menschen dazu bewegen würde, vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen – das ist einer der Knackpunkte, den Regensburger Verkehrs-Experten immer wieder anmahnen. Denn jeder Mensch, der sich für den ÖPNV statt für sein Auto entscheidet, reduziert damit auch das Gesamtverkehrsaufkommen. Momentan macht der ÖPNV-Anteil lediglich 13 Prozent davon aus. Mit Stadtexpress aber könnten sich noch bis zu 30 Prozent mehr Teilnehmer für Bus oder Bahn entscheiden, als es momentan der Fall ist – ohne würden das unter diesen Voraussetzungen lediglich fünf Prozent mehr Fahrgäste tun.

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Diese ÖPNV-Werte kann Regensburg aber auch mit der Tram oder Schnellbus nur dann erzielen, wenn bis 2030 viele wichtige, zugleich aber auch schwierig umsetzbare und zum Teil umstrittene Verkehrsmaßnahmen verwirklicht sind. Zum Beispiel die Klenzebrücke und ihre Verbindung zur Ladehofstraße und zur Prüfeninger Straße, die Sallerner Regenbrücke und ihre Integration ins Busliniennetz sowie der Bushaltepunkt in der Walhallastraße und seine Anbindung an die umliegenden Gewerbegebiete.

Das sind aber nicht die einzigen Herausforderungen, die für die Einführung des Stadtexpress’ gemeistert werden müssen. Um ihn verwirklichen zu können braucht es auch den Zentralen Omnibusbahnhof, einen Umsteigeknoten beim Donaueinkaufszentrum, die Anbindung des Systems und eine Endhaltestelle an der Universität sowie die Anbindung an die Wöhrdstraße bei der Nibelungenbrücke.

Schnellbus oder Tram?

  • Tram:

    Die Straßenbahn (Foto: dpa) erfordert eine Umgestaltung des Straßenraums, weil sie auf einer Schiene fährt. Diese Schienentrasse kann unterschiedlich aussehen: So kann die Tram etwa auf einem Rasengleis oder im Mischverkehr unterwegs sein. Die Tram-Achsen werden auch die der weiteren Stadtentwicklung sein. Die Straßenbahn gilt als exklusives Verkehrsmittel, das viele Verkehrsteilnehmer dazu bringt, auf den ÖPNV umzusteigen. Dieses Verkehrsmittel kann je nach Länge des Triebwagens oder mit weiteren Abteilen an den aktuellen Bedarf angepasst werden. Die Straßenbahn ist die teurere Variante.

  • Schnellbus:

    Auch der Schnellbus (Foto: Salzburg AG) hat Auswirkungen auf die weitere Stadtentwicklung und die Gestaltung des Regensburger Straßenraums. Auf längeren Abschnitten dürfen keine anderen Buslinien in diesem Netz unterwegs sein bzw. die Schnellbus-Haltestellen anfahren, wodurch er ein exklusives Verkehrsmittel ist. Es handelt sich dabei um einen Doppelgelenkbus mit elektrischem oder Plug-in-Antrieb. Dieses System ist auf 155 Fahrgäste pro Fahrzeug beschränkt und kann nicht auf den aktuellen Bedarf eingestellt werden. Der Schnellbus ist die preiswertere Variante als die Straßenbahn. (la)

Das Echo der Regensburger Verkehrsexperten nach einem ersten Blick in den 37-seitigen Komobile-Zwischenbericht ist geteilt. Stadtwerke-Geschäftsführer Manfred Koller ist vorsichtig: „Wenn eine neue Kosten-Nutzen-Analyse nun positiv wäre, so wäre das Modell Stadtbahn für Regensburg ein absoluter Gewinn. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein solches Modell des höherwertigen ÖPNV die Zahl an Menschen, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen, deutlich steigen ließe.“

Weber und Bogie sind für die Tram

Prof. Walter Weber, Koordinator des Bündnisses für einen hochwertigen ÖPNV, plädiert auch jetzt schon eindeutig für eine Straßenbahn. Entscheidend ist für ihn, dass die notwendigen Trassen freigehalten werden. Er wird den Zwischenbericht mit seinen Bündnispartnern besprechen. Auch Wolfgang Bogie, Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland in Regensburg, spricht sich schon jetzt für die Straßenbahn aus. Kernproblem der weiteren Planungen ist für ihn die Förderfähigkeit des Projekts. Die im Zwischenbericht besprochenen Szenarien hält er für zukunftsweisend. Deswegen erwartet Bogie jetzt einstimmige Beschlüsse der Stadträte – allen Streits um die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Verhaftung von OB Joachim Wolbergs zum Trotz.

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Der erste dieser Beschlüsse muss schon am Dienstag fallen. Denn die Stadtverwaltung soll laut Planungsreferentin Christine Schimpfermann als nächstes erarbeiten, wie der Zwischenbericht zum Stadtexpress in das bestehende Liniennetz eingebaut werden kann, wie die Fahrzeuge konkret aussehen können oder wie viel notwendige Bauten für den Stadtexpress kosten. Zudem müssen die Mitarbeiter der Stadt dringend in den Kosten-Nutzen-Vergleich der beiden Systeme einsteigen. Denn die Zeit drängt: Die Ergebnisse sollen in die für Herbst geplante Bürgerbefragung zum Regensburger Kultur- und Kongresszentrum im Herbst einfließen.

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